Chronik

Altersgemischt: Kinder lernen voneinander

Das Regelschulwesen erschöpft Schüler und Eltern. Die Nachfrage nach alternativen Modellen steigt - wie jenem in der Volksschule Liefering 2.

Es ist kein Schulversuch mehr. Die vier jahrgangsgemischten Klassen der Volksschule Liefering 2 sind nun fixer Bestandteil des Programms. Schuldirektorin Monika Dachs, seit 25 Jahren am Standort tätig, muss nicht länger Jahr für Jahr darum ansuchen.

Kostenneutral muss die Jahrgangsmischung dennoch weiterhin geführt werden, das will der Landesschulrat so. Dachs schafft das mit einem Trick. Indem sie diese vier speziellen Klassen als Integrationsklassen tituliert, bekommen sie automatisch einen zweiten Lehrer zugeteilt. Der ist nötig, denn in den jahrgangsgemischten Klassen sitzen - wie es der Name schon sagt - Kinder unterschiedlichen Volksschulalters.

"Das stärkt vor allem den sozialen Sinn", sagt Dachs. In den täglich zwei Stunden Freiarbeit lassen sich flexible und durchlässige Lerngruppen bilden. "Traumhaft ist das Modell vor allem für sehr begabte und lernschwache Kinder. Neugierige können sich schon zusätzliche Inputs holen, Schwache reifen nach", sagt Dachs. Selbst bei einer Wiederholung fällt niemand aus dem Klassenverband. Alexandra Uhl, Volksschuldirektorin in Eugendorf, führt ebenfalls drei altersgemischte Klassen an ihrer Schule. "Es ist wahnsinnig schön, da zuzuschauen", sagt sie.

Beide Schulleiterinnen stimmen überein, dass die Nachfrage seitens der Eltern nach diesen Modellen steigt. Im Augenblick sei ihr nicht nachzukommen, sagt Dachs, für die die Umsetzung alternativer Konzepte in erster Linie eine Frage des zusätzlichen Personals ist. Sie beklagt die Umstände: "Kinder mit zusätzlichem Bedarf werden immer mehr, aber die Ressourcen nicht. Wir müssen um jede zusätzliche Stunde kämpfen." Uhl bringt den Run auf neue Unterrichtsmodelle mit der gestiegenen Zahl an Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung. "Wir müssen da genau hinschauen, denn alle können wir nicht aufnehmen", sagt sie: "Das passt auch nicht in jedem Fall." Die Kinder aus der eigenen Gemeinde gingen immer vor - allein aus bürokratischen Gründen.

Noch sind jahrgangsgemischte Klassen eher die Ausnahme. Im Stadtgebiet führt das Modell außerdem die private Volksschule der Diakonie, in Straßwalchen noch die Kleinschule Hochfeld.

Lehrerin Sonja Gosch steht in Liefering jeden Tag mit einem Kollegen in einer jahrgangsgemischten Klasse. "Wir arbeiten im Team, teilen uns die Aufgaben und betreuen alle Kinder gemeinsam. Es braucht wahrscheinlich mehr Überblick, weil viele unterschiedliche Lernprozesse parallel ablaufen", sagt sie. Kein Kind sei auf demselben Stand. Die Vorbereitung sei mittlerweile überschaubar, weil viele ausgearbeitete Konzepte und Montessori-Materialien vorlägen. Die VS Liefering 2 setzt seit vielen Jahren auf einen Montessori-Schwerpunkt. Bewertet werden die Kinder mittels Pensenbuch, für die 10-Jährigen schreibt der Gesetzgeber - um den Übertritt in weiterführende Schulen reibungslos zu gestalten - zusätzlich ein Ziffernzeugnis vor. Und was sagen die Kinder? "Jeder macht etwas anderes, aber wenn man neugierig ist, kann man schon bei den Größeren reinschauen", sagt Tomaso, dessen Mutter eigens nach einem Schulmodell wie diesem gesucht hat. Bei vielen anderen ist das nicht so. 95 Prozent der Schüler kommen aus dem nahen Umfeld, Liefering und Lehen.

Der Lehrplan sieht gemeinsame Projekte zu Themen wie dem Körper oder Österreich vor, wobei die Kinder, je nach Alter, mit unterschiedlichen Aufgaben betraut werden. "Wir helfen uns gegenseitig", sagt Danial. Was manchmal aber auch nerve, wie Elias (9) einwirft: Wenn man als Großer den Kleinen andauernd etwas zeigen soll. Für die Lehrer freilich sei das was, meint der Vifzack: "Für die ist so eine Klasse die totale Entlastung."

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