Chronik

Am Beispiel Königsjodler: Heimische Klettersteige werden Touristen oftmals zum Verhängnis

Die Bergung von Touristen vom Königsjodler im Hochkönig-Massiv oder dem dort zum Abstieg genutzten Birgkar ist für Retter traurige Routine. Generell seien es meist Osteuropäer, die die heimischen Klettersteige unterschätzten.

Der Königsjodler-Klettersteig auf den Hochkönig gilt als besonders schwierig – nicht zuletzt, weil er sehr selektiv, extrem lang (1700 Höhenmeter) und kräfteraubend ist. SN/bergrettung
Der Königsjodler-Klettersteig auf den Hochkönig gilt als besonders schwierig – nicht zuletzt, weil er sehr selektiv, extrem lang (1700 Höhenmeter) und kräfteraubend ist.

Die SN berichteten: Gleich zwei Mal - Freitagabend und Sonntagnachmittag - mussten Mühlbacher Bergretter ausrücken, um mangelhaft ausgerüstete, ortsunkundige und sich heillos überschätzende "Bergsportler" aus dem Hochkönig-Massiv zu holen. Konkret hatten zuerst vier Polen, obwohl nur in Sportschuhen (!) unterwegs, den sehr kräfteraubenden und schwierigen Königsjodler-Klettersteig durchstiegen. "Es ist fast unglaublich, dass sie überhaupt hinaufgekommen sind. Sie sind dann aber nicht zum Matrashaus hinübergegangen, sondern noch am Abend über das Birgkar abgestiegen - und das war fatal", schildert Thomas Knöpfler (36), Ortsstellenleiter der Bergrettung Mühlbach: "Im steilen, tückischen Birgkar ist heuer noch besonders viel Schnee. Um elf Uhr in der Nacht konnten sie nicht mehr weiter und alarmierten uns. Wir sind dann mit sieben Mann ausgerückt. " Die vier Polen hatten keine Steigeisen und Pickel mit. Einer war zudem ausgerutscht und hatte sich verletzt.

Kaum war dieser Einsatz verdaut, mussten dann am Sonntag neun Mühlbacher Retter einen Holländer (50) und dessen erst neunjährige Tochter aus dem Birgkar retten. Der Mann war mit dem Kind auch in den extrem langen (1700 Höhenmeter) Königsjodler eingestiegen und dann bei Regen über einen Notausstieg in das besagte Kar - auch ohne Steighilfe. Auch dieses Duo holten die ehrenamtlichen Retter sicher ins Tal. "Es sind eigentlich fast immer Leute aus Osteuropa, die wir aus dem Königsjodler-Klettersteig oder eben dem Kar rausholen müssen: Tschechen, Polen oder auch Ungarn", sagt Knöpfler. Nachsatz: "Allein 2018 haben wir bei sechs Einsätzen Leute in Not dort bergen müssen. Es waren größtenteils Osteuropäer. Insgesamt gesehen sind es seit Jahren immer Touristen, die sich leider überschätzen."

Ortsstellenleiter Knöpfler und auch Balthasar Laireiter, Landeschef der Salzburger Bergrettung, betonen, dass die vielen Osteuropäer und auch Touristen aus anderen Ländern, die die vielfach schwierigen heimischen Klettersteige bezwingen wollten, "zwar sehr bergbegeistert sind. Aber leider haben sie oft keine Kletterkenntnisse und überschätzen sich heillos." Knöpfler ergänzt, "dass diese Leute ja oft nur einige Tage da sind. Und da wollen sie das dann durchziehen. Da wird dann die selektive Tour nicht wirklich ausreichend geplant. Oder auch geklettert, wenn das Wetter nicht passt oder ohne auf die Wetterprognose zu achten."

Die vier Polen erhalten nun von der Bergrettung eine Rechnung über zirka 2200 Euro an Einsatzkosten; ebenso der Mann aus Holland - hier liegen sie bei 1800 bis 2000 Euro. Knöpfler zufolge dürften alle Geretteten versichert sein. Bergrettungschef Laireiter betont, dass man inzwischen erfreulicherweise nur noch rund fünf Prozent der Bergungskosten "als uneinbringlich abschreiben" müsse: "2017 haben wir den landesweit geretteten Bergsportlern 368.000 Kosten verrechnet. Nur 14.000 Euro davon sind uneinbringlich."

Aufgerufen am 31.10.2020 um 11:39 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/am-beispiel-koenigsjodler-heimische-klettersteige-werden-touristen-oftmals-zum-verhaengnis-74150524

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