Chronik

An der Paracelsus-Schule in Puch sind auch Tiere Therapeuten

In dieser besonderen Schule heilt die Seele der Kinder auch durch die Arbeit am nahe gelegenen biologisch bewirtschafteten Bauernhof. Um alle Kosten zu decken, ist der Trägerverein auch auf Spenden angewiesen.

Kaum öffnet Martin Maske am Paracelsus-Hof in Puch die Stalltür, machen sich die Hängebauchschweine Helga und Rudi gemächlich auf den Weg ins Freie. Ehe sie ihre Schnuppertour beginnen, gehen sie auf Kuschelkurs und holen sich bei dem Schüler ein paar Streicheleinheiten. "Die Hängebauchschweine sind hier am Hof meine Lieblingstiere", sagt der 18-Jährige und erklärt, warum: "Sie sind so entspannt und glücklich."

Beides trifft mittlerweile auch auf Martin zu. Überfordert vom allgemeinen Schulsystem ist er vor zehn Jahren an die heilpädagogische Paracelsus-Schule für seelenpflegebedürftige Kinder und Jugendliche in St. Jakob gekommen. Damals konnte er keine Minute ruhig sitzen und war aufmüpfig. Martin hat in der Schule zu sich selbst gefunden, innere Stärke entwickelt und seine Liebe zur Landwirtschaft und zur Waldarbeit entdeckt. Der zur Schule gehörende Hof, der auch den Hort und das Internat beherbergt, spielte dabei eine entscheidende Rolle. Er bietet zusätzlich zum Unterricht gemäß der Waldorfpädagogik verschiedene Betätigungsfelder, von Tierhaltung über Gartenbau bis zu Landschaftsgestaltung, Hauswirtschaft und Forstarbeit. Am Hof leben auch Esel, Hühner und Alpine Steinschafe.

"Die Tiere fordern von den Kindern nichts", sagt Waltraud Sturm, Obfrau des Vereins Paracelsus-Schule Salzburg. Die bedingungslose Liebe der Tiere schenke vielen Kindern wieder Mut, Zuversicht und Lebensfreude. "Im praktischen Tun erleben sie, dass ihnen etwas gelingt, das gibt ihnen Selbstvertrauen und Selbstachtung." Außerdem fördere die Arbeit mit den Tieren bei den Kindern die Kontaktaufnahme und Kommunikation und böte ihnen die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. "Die Aggression, die viele Kinder mitbringen, verschwindet." Der Umgang mit den Tieren wirke sich ganzheitlich auf Körper, Geist und Seele der Kinder aus.

29 Mädchen und Burschen zwischen 9 und 18 Jahren werden derzeit in der Schule betreut. Die meisten kommen aus sozial benachteiligten Familien und bringen Entwicklungs-, Lern- und Sozialisierungsprobleme mit. Den Unterricht in großen Schulklassen können sie nicht bewältigen, weil sie körperlich, seelisch oder geistig beeinträchtigt sind. "Die Kinder, die zu uns kommen, haben oft schlechte Erfahrungen hinter sich, das führt bei einigen auch zur Schulverweigerung, viele Kinder sind traumatisiert und haben Depressionen und Angststörungen", erklärt Sturm. Die Paracelsus-Schule sei für viele die letzte Chance. "Woanders wird über diese Kinder nur geschimpft. Hier bekommen sie vermittelt, dass sie in Ordnung sind und dass nur ihr Verhalten nicht stimmt, das ist ein großer Unterschied." Das Licht, das in jedem Kind leuchte, sei oft versteckt. "Wir kämpfen für diese Kinder, wenn sie kommen, ist das oft emotionale Knochenarbeit."

In der Paracelsus-Schule würden die Kinder so angenommen, wie sie seien, betont auch Pädagoge Peter Mezövari, der zugleich Landwirt ist und den Hof leitet. Ziel sei, die Stärken der Kinder zu stärken. Am Anfang sei häufig noch nicht an Unterricht in der Klasse zu denken. "Die Kinder lernen beim praktischen Tun. Wenn sie zum Beispiel einen Zaun bauen, müssen sie vorher auch rechnen." Am Hof tanken die Schülerinnen und Schüler körperlich und seelisch auf, schulen ihre Willenskraft und das Durchhaltevermögen und lernen durch sinnvolle praktische Tätigkeiten zielgerichtetes Handeln. "Hier finden die Kinder Sicherheit, erleben ein Gefühl von Heimat und erleben soziale Kontakte", sagt Mezövari.

Zugleich dient der Demeterhof Jugendlichen nach Erfüllung der Schulpflicht noch ein Jahr lang zur Berufsorientierung. Auch Martin nutzt diese Chance. "Ich mag die Arbeit mit Holz und möchte Forstarbeiter werden und suche jetzt eine Lehrstelle, im Jänner mache ich den Motorsägenführerschein", sagt er. Außer der Arbeit mit Tieren lernen die Kinder ihre Fähigkeiten auch durch Musik-, Mal-, Sprach- und Bewegungstherapie zu entfalten. Um dieses Angebot anzubieten, ist die Schule auf Spenden angewiesen. Ein Drittel der Gesamtkosten wird durch Spenden gedeckt. "Oft kommen die Kinder aus anderen Sonderschulen, wo es für sie nicht mehr weitergeht", erklärt Lehrer Tobias Möbius. Am Ende der Schulzeit gelinge vielen Absolventinnen und Absolventen der Start in ein gutes Leben. Eine Absolventin habe nun einen Pflegeberuf begonnen, eine andere besuche die Caritasschule. Viele Burschen ergreifen einen Beruf in der Landwirtschaft.
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