Chronik

Andrang auf die Salzburger Klammen ist groß

Der tödliche Unfall in der Eisriesenwelt in Werfen beschäftigt die Betreiber der heimischen Klammen. Negative Auswirkungen auf ihr Geschäft erwarten sie nicht. Viel Geld fließt in die Sicherheit.

Die Schutzbauten in der Liechtensteinklamm wurden massiv erweitert.  SN/Andreas Kolarik
Die Schutzbauten in der Liechtensteinklamm wurden massiv erweitert.

Die Höhlen und Klammen haben im Juli und August Hochsaison. Der tödliche Steinschlag in Werfen werde die Gäste nicht abschrecken, sind sich die Betreiber einig.

Eine große Investition in die Sicherheit der Lammerklamm hat die Gemeinde Scheffau im Winter getätigt. Für 180.000 Euro sei eine neue Hängebrücke errichtet worden, sagt Bürgermeister Friedrich Strubreiter (ÖVP). "Das hat uns der Landesgeologe empfohlen, weil wir so einen Teil des Weges umgehen können, in dem immer wieder kleine Steine runtergekommen sind."

Thema Haftung lastet schwer auf den Schultern

Das Sicherheitskonzept sei ausgefeilt, eingebunden sei auch eine spezialisierte Firma. Grund, "seine" Klamm nachzurüsten, sehe er jetzt nicht, sagt Strubreiter. Das Thema Haftung liege aber noch schwerer auf den Schultern. "Wenn so etwas passiert, dann wird einem das wieder besonders bewusst."

Die Besucherzahlen in der Lammerklamm seien derzeit auf dem Niveau der Vorjahre, rund 500 bis 600 Menschen kommen pro Tag. Die 60.000 Eintritte von 2019 wird man in Scheffau heuer nicht erreichen, durch den Corona-Lockdown begann die Saison erst mit Anfang Juli.

Die Gemeinde Weißbach bei Lofer sperrte die Seisenbergklamm bereits im Mai auf. "Für die Leute aus dem Bezirk, Urlauber waren ja keine da", sagt Bgm. Josef Michael Hohenwarter (ÖVP). Dementsprechend niedrig seien die Zahlen gewesen. Mittlerweile sind Gäste angereist, die Klamm zählt rund 70 Prozent der normalen Tagesauslastung.

Dass nach den Felsstürzen in Werfen und in der Steiermark Ausflügler aus Angst fernbleiben könnten, glaubt Hohenwarter nicht. "Außerdem sind wir nicht mit den anderen beiden vergleichbar. Wir haben keine so hohen Felsen." Das Sicherheitskonzept für die Klamm sei dennoch umfassend. "Wir haben ein ganzes Handbuch, machen jeden Tag Begehungen, arbeiten mit externen Geologen." Jegliches Risiko könne man aber nicht ausschließen.

Die Haftungsfrage sei für ihn wenig angenehm, aber nicht zu lösen, sagt Hohenwarter. "Die einzige Alternative wäre zuzusperren, und das kann kein Thema sein, weil viele Betriebe im Ort von der Klamm leben." Die Seisenbergklamm zieht rund 55000 Besucher pro Jahr an.

Wenige Kilometer weiter, auf dem Ortsgebiet von St. Martin bei Lofer, befindet sich die Vorderkaserklamm. Sie besuchen rund 30.000 Gäste pro Jahr. "Heuer hinken wir bisher coronabedingt um rund 25 Prozent hinterher", sagt Bgm. Michael Lackner (ÖVP). Mittlerweile seien die Tageseintritte aber schon wieder auf normalem Niveau.

Knapp sieben Millionen Euro in Sicherheit investiert

Um die Sicherheit mache man sich nach Unfällen wie jenen in der vergangenen Woche natürlich Gedanken, so der Bürgermeister. Akuten Handlungsbedarf für seine Klamm gebe es nicht. "Wir haben ein umfangreiches Sicherheitskonzept, viel mehr kann man nicht machen."

Drei Jahre geschlossen war die Liechtensteinklamm in St. Johann. Ursache war ein großer Felssturz im Mai 2017. Verletzte gab es nicht, es wurden allerdings massive Umbauarbeiten nötig. Das Projekt verzögerte sich mehrfach, 6,7 Millionen Euro wurden investiert, in unter anderem drei Tunnel, vier Galerien und 60 Steinschlagschutznetze mit einer Gesamtlänge von 1100 Metern.

Seit der Wiedereröffnung vor einem Monat ist der Andrang in der Liechtensteinklamm groß. "Die Tageseintritte sind schon wieder ungefähr dort, wo sie früher waren", sagt Stadtamtsdirektor Andreas Viehhauser. Vor dem Umbau kamen bis zu 220.000 Menschen pro Jahr.

Das Sicherheitsgefühl der Besucher sei durch den Werfen-Unfall nicht beeinträchtigt, sagt Viehhauser. "Viele der neu gesetzten Maßnahmen sind gut sichtbar, die Leute wissen, dass wir gerade generalsaniert haben."

Geöffnet haben die meisten Klammen noch bis zum Nationalfeiertag am 26. Oktober.

Nach tödlichem Steinschlag: Eisriesenwelt mindestens sechs Wochen zu

Die behördliche Sperre der Schauhöhle in Werfen wird zumindest bis Ende August dauern, möglich ist aber auch, dass die Touristenattraktion erst 2021 wieder aufsperren kann. Nach dem tödlichen Steinschlag am Sonntag haben am Dienstag Experten im Auftrag der Betreibergesellschaft die Felswände und Schutzbauwerke begutachtet. Basierend auf den Erkenntnissen soll ein Sicherheitskonzept ausgearbeitet werden, das der Bezirkshauptmannschaft vorgelegt wird.

Die geplanten Baumaßnahmen würden sechs Wochen bis sechs Monate in Anspruch nehmen, sagte Seilbahn-Betriebsleiter Michael Rieder zur APA. "Sollten ein Tunnelbau oder eine größere Betongalerie notwendig werden, wäre es möglich, dass wir erst nächstes Jahr wieder öffnen", sagte Rieder.

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