Chronik

"Anschlag auf den Naturschutz": Tierschützer üben heftige Kritik an Wolf-Abschuss im Großarltal

Die - noch nicht rechtskräftige - Bewilligung für den Abschuss eines Wolfes der BH St. Johann im Pongau hat am Mittwoch zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Der WWF sprach von einem "europarechtswidrigen Anschlag auf den Naturschutz", Landwirtschaftskammer und FPÖ begrüßten die Entscheidung, kritisierten aber die lange Verfahrensdauer.

Symbolbild. SN/APA/HANS KLAUS TECHT
Symbolbild.

"Die Entscheidung der Behörde widerspricht in mehreren Punkten dem strengen europaweiten Schutz der Wölfe. Daher werden wir den Abschussbescheid beim Landesverwaltungsgericht beeinspruchen. Diese Wildwest-Politik darf in Österreich keine Zukunft haben", kritisierte Christian Pichler, Wolfsexperte des World Wide Fund For Nature (WWF). Aufgrund der fast ein Jahr zurückliegenden Anlassfälle sei es wahrscheinlich, dass hier ein durchstreifender Wolf zur Tötung freigegeben werde, der mit hoher Wahrscheinlichkeit längst weitergezogen sei. "Das zeigt die Absurdität und Widersprüchlichkeit des Vorgehens. Anstatt der Almwirtschaft langfristig zu helfen, dominiert Herdenschutz-Verweigerung. Das ist der völlig falsche Weg", betonte Pichler.

Ausnahmen vom strengen Schutz der Wölfe gebe es nur, wenn sich gelindere Mittel wie Herdenschutz als untauglich erwiesen haben. "Der gezielte Einsatz eines fachgerechten und angemessen geförderten Herdenschutzes muss absolute Priorität haben. Davon kann in Salzburg aber nicht die Rede sein, weil das bisher nicht ausreichend versucht wurde", sagte Pichler. Dabei zeigen andere Länder längst vor, wie Herdenschutz auch in alpinen Lagen funktioniert. "Nur bei uns wird ständig behauptet, das gehe alles nicht."

Salzburgs FPÖ-Chefin Marlene Svazek - selbst Jägerin - meinte, dass der Abschuss des Problemwolfes im Großarltal die Problematik nur geringfügig löse. "Die leidtragenden Bauern erwarten sich in ihrer Not wohl etwas anderes, als 13 Monate auf einen Bescheid zu warten." Es werde immer wieder Wölfe auf Wanderschaft in Salzburg geben, aber auch Rudelbildungen seien nicht ausgeschlossen. "Es braucht endlich ein gesamteuropäisches Wolfsmanagement. Der Wolf ist längst keine vom Aussterben bedrohte Art mehr in Europa. Sein strenger Schutz ist überholt", meinte Svazek.

Der Salzburger Landwirtschaftskammerpräsident Rupert Quehenberger hat "diese Entscheidung so erwartet". "Aus unserer Sicht ist dieser Bescheid sachlich richtig und fachlich gerechtfertigt." Allerdings zeige die Verfahrensdauer von knapp einem Jahr sehr deutlich, dass dieses Verfahren denkbar ungeeignet sei, um den Weidehaltern und Almbauern auch nur annähernd eine Hilfe zu sein.

"Die Beschränkung auf den Pongau bzw. zwei Wildregionen bewirkt, dass derselbe Problemwolf bereits ein paar Kilometer weiter im Pinzgau außerhalb der Zuständigkeit der BH St. Johann ist. Für Großraubtiere wie den Wolf machen solche Beschränkungen aber keinen Sinn. Auch wird dieser Bescheid sicherlich von NGOs beeinsprucht, was aufschiebende Wirkung hat und weitere, wahrscheinlich jahrelange Verzögerungen bis hin zu obersten Gerichten bewirken wird", so Quehenberger, der ebenfalls "mit Nachdruck" Änderungen forderte.

Quelle: SN

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