Chronik

Architektur zum Angreifen: Wenn wir uns eine "zweite Haut" bauen

Ein Haus bietet Schutz vor Witterung, dort finden aber auch Gemeinschaft und soziales Leben statt. Ein Architekt erarbeitete mit einer Schulklasse die Grundlagen von Architektur sowie den Umgang mit Energie und anderen wertvollen Ressourcen.

Am Anfang war das Kartenhaus: "Das ist der große Nervenkitzel, hoffentlich bricht es nicht zusammen", ist Kento ganz aufgeregt. Er soll mit seiner Kollegin Leticia ein möglichst hohes Gebilde herstellen.

In mehrere Gruppen aufgeteilt, bekommten alle Schüler der 2q-Klasse im BRG Akademiestraße je einen Packen Bierdeckel. Daraus bauen die einen ein Haus möglichst hoch, die Zweiten eines möglichst großflächig und die Dritten eines, das möglichst stabil sein soll. In Sachen Stabilität sind Johannes und Sadik gut unterwegs. In mehreren Lagen hat ihr Haus ein solides Fundament, verstärkte Seitenwände und ein Dach, ebenfalls in mehreren Lagen. Architekt Peter Horner kommt zum Testen. Mit aller Kraft drückt er auf das Dach - es hält dem Druck stand, sehr zur Erleichterung der beiden. "Man hat gemerkt, ihr hattet von Anfang an einen Plan, dem ihr gefolgt seid, deshalb wart ihr auch am schnellsten fertig", lobt Horner. Kento und Leticia hingegen war lange Zeit nicht klar, was und wie sie es anstellen sollten. "Kento war theoretisch gut, aber gebaut hat Leticia", stellt Horner die Arbeitsteilung fest.

Arbeiten in Teams

Adrian und Marija sollten in die Breite bauen, was ebenfalls so seine Tücken hatte. "Wir haben festgestellt: Unser Haus kann zusammenbrechen", bemerkt Adrian trocken.

Horner ist dennoch sehr zufrieden mit seinen Schützlingen für einen Vormittag. "Die Kinder hatten hier Gelegenheit, Teamarbeit auszuprobieren. Wer übernimmt welchen Teil, wie plane ich, wie halte ich meinen Zeitplan ein, um die gestellte Aufgabe zu lösen, und wie gehe ich mit meinem Kartenvorrat, sprich: meinen Ressourcen um. Genau darum geht es auch in technischen Berufen."

Um den Umgang mit den Ressourcen ging es bei der nächsten Aufgabe. Drei Kinder sollten auf einer Österreich-Karte möglichst viele selbst gezeichnete Bäume platzieren, Sinnbild für den Waldvorrat. Die anderen Kinder sollten bei ihrem Haus jeden "Baum" in acht Teile zerreißen. "Das stellt das Heizen unseres Hauses dar", so Horner. Rasch war klar: Verheizt ist so ein Wald schneller, als er nachwachsen kann. "Wenn Holz, das umwelttechnisch CO2-neutral verbrennt, zur Neige geht, weichen wir meist auf Öl oder Gas aus, was das CO2 in die Höhe treibt. Der Erde ist das egal, aber uns Menschen betrifft es, weil es zur Erderwärmung mit all ihren negativen Begleiterscheinungen beiträgt", warnt er.

Kindern Architektur und Ingenieurswesen in Grundzügen vorzustellen und ihnen die damit verbundenen Berufe schmackhaft zu machen, war eines der Ziele der Impulswochen "Technik bewegt" der Architekten und Ingenieurskonsulenten, die mit Workshops wie diesen noch bis Ende November in Schulklassen gehen.

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