Chronik

"ArMut teilen": Stadtteil-Projekt verteilt Spenden um

Im November wird in den Stadtteilen die "ArMut" geteilt. Wer kann, der gibt. Wer braucht, der empfängt. Durch Corona steigen die Anfragen der Hilfesuchenden.

So sehen moderne Robin Hoods aus (v. l.): Lisa Huber (mit Jacky), Herta Limoser, Pfarrer Franz Lauterbacher, Ingrid Sommer, Thomas Neureiter, Pfarrer Alois Dürlinger und Sr. Franziska König. Das Foto stammt aus Vor-Corona-Zeiten. Bild:  SN/sw/vips
So sehen moderne Robin Hoods aus (v. l.): Lisa Huber (mit Jacky), Herta Limoser, Pfarrer Franz Lauterbacher, Ingrid Sommer, Thomas Neureiter, Pfarrer Alois Dürlinger und Sr. Franziska König. Das Foto stammt aus Vor-Corona-Zeiten. Bild:

Plus 50 Prozent. So beziffert Thomas Neureiter die gestiegene Nachfrage im Corona-Jahr. Der Mann koordiniert im Auftrag der Erzdiözese das Projekt "ArMut teilen". Der damalige Pastoralassistent Max Luger startete es vor 15 Jahren in Mülln. An diesem ersten Aktionstag wurden zwölf Haushalte unterstützt. An dem Aktionstag im Vorjahr waren es 200 Haushalte, rund 22.000 Euro konnten umverteilt werden. Mittlerweile hat die Idee zwölf Stadtteile erfasst.

Und die ist, auf den Nenner gebracht: Wer hat, der gibt. Wer an der Armutsgrenze lebt, der empfängt. Menschen, die nachweislich in einer finanziellen Notlage sind, können in der Pfarre vorstellig werden und in einem Vier-Augen-Gespräch ihre Situation darlegen. Geholfen wird zu 100 Prozent lokal und zeitnah, das ganze Jahr über und konzentriert an einem Aktionstag rund um den Namenstag der heiligen Elisabeth am 19. November. Heuer können Bedürftige am Samstag, 14. November, vorstellig werden - coronabedingt nur nach telefonischer Anmeldung mit fixem Termin (www.armut-teilen.at).

Durch die Corona-Pandemie steigt die Anzahl der Hilfesuchenden. "Es klopfen alte Bekannte, aber auch viele neue Gesichter an die Tür", sagt Neureiter. Hatte er in Mülln voriges Jahr Kontakt mit rund 320 Haushalten, so waren es heuer allein bis Ende Oktober 380. Allein in den vergangenen zwei Wochen seien aus seinem Zuständigkeitsbereich (Mülln, Lehen, Taxham) zehn Menschen gekommen, denen der Strom abgedreht werden sollte. Die Mietrückstände wachsen, weil bei vielen die Zusatzeinkommen wegfallen. Hauptbetroffen sind Alleinerziehende, psychisch Kranke und Rentner mit schmaler Börse. "Ein Mindestpensionist, der sonst bei Zeltfesten die Toiletten beaufsichtigt, kann sich heuer nichts dazuverdienen", führt Neureiter ein Beispiel an. Im ersten Lockdown haben die einzelnen Pfarren über "ArMut teilen" auch Lebensmittelausgaben aufgestellt. Bis heute werden jede Woche in Maxglan rund 25, in der Herrnau 100 und in Liefering rund 50 Pakete ausgegeben. Bei Lisa Huber in Liefering werden am Umverteilungstag heuer von 9 bis 12 Uhr acht Telefone freigeschaltet, über die sich betroffene Lieferinger melden können. Auch Huber verzeichnet eine verstärkte Nachfrage und muss zunehmend die Reserven anzapfen. Sie hofft deshalb weiter auf die Solidarität der Spender. Die Arbeit wird wohl nicht ausgehen. Laut Statistik sind fast 20 Prozent der Stadt-Salzburger von Armut betroffen.

Aufgerufen am 01.12.2020 um 10:49 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/armut-teilen-stadtteil-projekt-verteilt-spenden-um-95441350

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