Chronik

Armut und Gewalt trifft Frauen: 34 Wohnungen in Salzburg sollen helfen

Bis zu 300 Frauen leben in Salzburg in ungesicherten Wohnverhältnissen. Die Caritas will mit dem Projekt Frauenwohnen die Not lindern.

Für Frau M. ist es ein Schritt nach vorn: Die Mutter zweier Kinder im Kindergartenalter zieht nun von einem Zimmer in eine eigene, kleine Wohnung in der Plainstraße in der Salzburger Elisabeth-Vorstadt. Corona hat die Familie ordentlich durchgeschüttelt: Ihr Mann lebt im Ausland, durch die Pandemie verlor sie ihre Arbeit als Reinigungskraft in einem Hotel, wegen der Reisebeschränkungen konnte sie ihre Kinder lange Zeit nicht sehen.

Jetzt sind die beiden Kinder wieder bei ihr. Sie besucht einen AMS-Kurs, ab Jänner kann sie mit ihren Kindern in einer der 34 Wohnungen des Caritas-Projekts Frauenwohnen in der Plainstraße unterkommen. Das Haus bietet Garçonnièren um 399 Euro pro Monat für Frauen, die delogiert wurden, zuvor im Frauenhaus gewohnt haben oder aus einem anderen Grund in Wohnungsnot geraten sind.

Wohnungsnot, Armut, Gewalt: All das sind Themen, die Frauen in einem größeren Maß treffen als Männer. Laut Caritas sind in Österreich 14 Prozent der Frauen armutsgefährdet, bei Männern sind es 12 Prozent. Das größte Risiko, in Armut zu geraten, hätten Alleinerziehende, sagt Caritas-Österreich-Präsident Michael Landau. Die Coronapandemie habe die Situation verschärft: "Wir sehen in den Beratungen viele Menschen, die nie gedacht hätten, dass sie jemals Hilfe der Caritas brauchen werden."

In Salzburg seien Sozialberatungen im vergangenen Jahr um 30 Prozent gestiegen, sagt Johannes Dines, Direktor der Caritas Salzburg. Auch wenn die Arbeitslosigkeit zurückgehe, die Anzahl der Beratungen sei gleich geblieben. "Die armutsfördernden Faktoren sind geblieben: hohe Wohnkosten, hohe Energiepreise. Die Leute haben in der Pandemie Mietrückstände angehäuft und Erspartes aufgebraucht: Jetzt ist vieles nicht mehr leistbar."

Eine Frau habe in der Beratung erzählt, dass sie alleinerziehend sei und einen zweijährigen Sohn versorgen müsse. Sie bekomme derzeit nur Krankengeld, so blieben ihr nur 500 Euro zum Leben. "Sie ist mit 800 Euro in Mietrückstand geraten. Für viele ist dieser Betrag eine Bagatelle, aber für jemanden, bei dem das Geld knapp ist, ist das eine riesige Belastung."

Viele Frauen geraten in finanzielle Nöte, wenn sie sich von ihrem Partner trennen. Deswegen setzen viele diesen Schritt erst spät, auch wenn sie von Gewalt betroffen sind. Jede fünfte Frau ab 15 Jahren werde irgendwann Opfer von Gewalt, sagt Andrea Schmid, stellvertretende Direktorin der Caritas Salzburg. In Salzburg habe es allein im September und Oktober mehr als 100 Wegweisungen gegeben. Und: Eine Erhebung im Jahr 2019 habe ergeben, dass in Salzburg bis zu 300 Frauen in ungesicherten Wohnverhältnissen leben.

Die Caritas habe auch deshalb ihr Hilfsangebot erweitert und biete nun die 34 Wohnungen an. "34 Frauen und ihre Kinder bekommen eine eigene und leistbare Wohnung", sagt Andrea Schmid. In dem Haus werden die Frauen auch von Sozialpädagogen und Sozialarbeitern betreut. "Wir begleiten die Frauen in ein selbstständiges Leben."

Die Caritas hat das Haus von der Stadt Salzburg zur Verfügung gestellt bekommen. Das Land Salzburg finanziert das Personal und den laufenden Betrieb.

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