Chronik

Auf diesem Hof in der Gaißau gibt's keine Streithähne

Auf Johannes Weißenbachers Hof in Krispl-Gaißau ist vieles anders: Hähne werden als Spezialität mit aufgezogen,Schafe mit Kunst bespielt.

Neben der Größe der Tiere ist es vor allem eines, was dem Besucher auf Johannes Weißenbachers Bergbauernhof in Gaißau ins Auge springt: Hähne. Viele Hähne. Während männliche Küken anderswo nicht gebraucht und daher gleich nach der Geburt geschreddert werden, dürfen sie hier ein Leben in größtmöglicher Freiheit führen. "Es stimmt nicht, dass es nicht funktioniert, die Hähne mit aufzuziehen. Bei mir klappt es seit über einem Jahr. Und das Fleisch schmeckt hervorragend", sagt Weißenbacher. Damit die Tiere beschäftigt sind, hat der Nebenerwerbslandwirt einen weitläufigen Kratzboden aus Quarzsand und Erde aufgeschüttet. Die Hühner suchen darin nach Würmern und Larven. "So kommen sie erst gar nicht auf dumme Ideen", lacht Weißenbacher.

Stolz sehen sie aus, die rund 150 reinrassigen Sulmtaler Hühner. Mit ihren weißen Hauben erinnern die Hennen fast ein bisschen an die Punks der 1980er- Jahre. Die seltene Hühnerrasse mit steirischen Wurzeln gilt als gefährdet. Und als Delikatesse. Sechs Monate lang werden sie gemästet, bevor sie geschlachtet werden. Das durchschnittliche Supermarkt-Huhn lebt nur drei bis vier Wochen, bevor es den Weg zur Schlachtbank antritt.

Saisonales Angebot

Sein biozertifiziertes Hühnerfleisch hat Weißenbacher deshalb nur zwei Mal im Jahr zu verkaufen. Zumindest derzeit. Demnächst steht eine Lieferung von rund 150 französischen Bressehuhn-Eiern an - eine der wenigen Rassen, die es hinsichtlich Prestige mit den Sulmtalern aufnehmen kann. Das Interesse der gehobenen Gastronomie in der Region ist folglich groß. "Ohne groß Werbung zu machen, sind wir praktisch ausreserviert", sagt Weißenbacher.

Für den Ab-Hof-Verkauf hat er trotzdem stets einige Hühner auf der Seite. Dass der Kilopreis von 38 Euro nicht für jedermann erschwinglich ist, ist dem 32-Jährigen klar. "Das ist sicher ein Festtagsessen und nicht mit dem klassischen Huhn vergleichbar." Auch sind zwei, drei Kilo Gewicht bei den außergewöhnlichen Tieren keine Seltenheit. Vor der Schlachtung füttert er den Tieren Topfen und Rahm, um das Fleisch möglichst zart zu bekommen. Um vom Ausbrüten bis zur Schlachtung alles selbst erledigen zu können, hat Weißenbacher eine vierstellige Summe in eine vollautomatische Brutanlage investiert. Die Eier werden dort 21 Tage bei 37,6 Grad und 55 bis 65 % Luftfeuchtigkeit ausgebrütet. Direkt neben der Anlage steht das Kükenheim. Dort bleiben die frisch geschlüpften Küken zwei Wochen lang bei einer konstanten Temperatur von 28 bis 29 Grad. "Zum Hochkommen", betont Weißenbacher. Ein neuer Schlachtraum ist in Bau.

Bergschafe werden mit Kunst bespielt

Den Hof in Gaißau hat Weißenbacher, der in Hallein das Modegeschäft "Johannes" führt, von seinen Großeltern geerbt. Den Lockdown im Frühjahr hat er genutzt, um das alte Haus auf Vordermann zu bringen und für seine Zwecke zu adaptieren.

Denn auf dem Hof leben nicht nur Hühner, sondern auch rund 90 Tiroler Bergschafe. Die Jungtiere bleiben bis zur Schlachtung - aus ihnen wird ebenfalls Biofleisch - bei der Mutter. Derzeit kommen fast täglich Lämmer zur Welt. Allein wäre das nicht zu bewerkstelligen. Vater Johann ist deshalb fast täglich am Hof. Auch der Rest der Familie hilft nach Möglichkeit mit. Besonders die auch am Hof beheimateten Bienenstöcke sind das Metier des Seniors. Wie allen Imkern, macht ihm die Varroa-Milbe zu schaffen. Nur die Investition in einen Verdampfer, mit dem er regelmäßig alle Stöcke behandelt, bewahrt ihn über den Winter vor dem Verlust sämtlicher Bienen.

Aufgerufen am 22.01.2021 um 02:36 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/auf-diesem-hof-in-der-gaissau-gibt-s-keine-streithaehne-95767003

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