Chronik

Aufräumen nach Hochwasser im Pinzgau - Erneut Unwetter

Die Flut hat schwere Schäden im Oberpinzgau hinterlassen. Ohne Schutz wäre die Zerstörung weit größer. Indes gibt es neue Unwettermeldungen.

Nach dem Hochwasser vom Freitag meldet die Feuerwehr am Freitagabend gegen 20.30 Uhr erneut schwere Unwetter im Pongau und auch im Pinzgau. Betroffen sind dort vor allem die Gemeinden Großarl, Goldegg, Dorf- und Hofgastein sowie St. Johann. In Embach soll eine Mure abgegangen sein, sie soll eine Straße verlegt haben. Aufräumen nach dem Hochwasser vom Donnerstag Die Lage in den Hochwassergebieten Salzburgs hat sich bis Freitagabend entspannt. Die Pegelstände der Salzach sind über Nacht stark gesunken. Die Bürger reagierten erleichtert. Die Feuerwehr war am Donnerstag den ganzen Tag im Einsatz, um das Hochwasser unter Kontrolle zu bringen. Die in den vergangenen Jahren vielerorts errichteten Hochwasser-Schutzeinrichtungen haben ihre Bewährungsprobe bestanden. Nicht nur in Mittersill, auch in St. Johann, Hallein, der Stadt Salzburg und Oberndorf hat der Schutz funktioniert.

Schwere Schäden werden allerdings aus einigen Tälern des Oberpinzgaus gemeldet. Im Obersulzbachtal, im Untersulzbachtal, im Habachtal, im Rosental, teilweise auch im Wildgerlostal und im Krimmler Achental haben hochwasserführende Bäche und Muren Infrastruktur beschädigt. "Zum Teil wurden Wege auf einer Länge von 150 bis 200 Metern völlig zerstört", berichtete Bernhard Gratz, Stellvertreter der Bezirkshauptfrau von Zell am See. Wege seien unpassierbar, teilweise auch Brücken beschädigt. Vor allem im Obersulzbachtal haben die starken Regenfälle gewaltige Muren in Bewegung gesetzt. Dort wurde auch Weidevieh getötet, so Gratz.

"Ohne den Hochwasserschutz wären wir abgesoffen" Am Donnerstag war der Pegel der Salzach immer weiter gestiegen. Am Abend erreichte er in Mittersill 5,68 Meter. "Der höchste Wert, der je gemessen wurde", sagte Ortskommandant Roland Rauchenbacher. "Ohne den neuen Hochwasserschutz wären wir abgesoffen." Gegen Mitternacht war in Mittersill das Zittern vorbei. "Zentimeterweise ging dann endlich das Wasser zurück. Im Ortsgebiet war die Situation schon brisant", erzählt Rauchenbacher am Freitag. Der Hochwasserschutz hielt die Fluten ab. Beim Hochwasser 2005, als das ganze Zentrum überflutet wurde, lag der Höchstpegel bei 5,17 Meter. Am Freitagmorgen sank der Pegel bereits auf unter 3,15 Meter.

Am Freitag wurde begonnen, das Wasser aus den Retentionsbecken wieder zurück in die Salzach zu pumpen. 30.000 Liter pro Minute schaffen die beiden Hochleistungspumpen. Die Dämme wurden kontrolliert und die Schäden aufgenommen. Mittersill kam glimpflich davon: "Es gibt wenig Sachschäden an den Häusern. Ein paar überflutete Keller mussten wir auspumpen", resümiert Rauchenbacher.

Neukirchen: Schäden werden sichtbar Am Donnerstag halfen in Salzburg insgesamt 43 Feuerwehren mit 900 Einsatzkräften. Auch am Freitag waren noch 150 Helfer im Einsatz, und zwar in den Gemeinden Neukirchen, Bramberg, Hollersbach, Mittersill, Stuhlfelden, Uttendorf und Niedernsill. Das Bundesheer schickte zur Unterstützung 61 Soldaten aus dem Gebirgskampfzentrum Saalfelden.

In Neukirchen wurde am Freitag ebenso aufgeräumt, vor allem der Ortsteil Rosental war von Überflutungen betroffen. Aus zwei Häusern mussten am Donnerstag Menschen evakuiert werden. "Die Schäden sind enorm, zum Teil zeigte sich uns ein Bild der Verwüstung. Aber unterm Strich haben wir noch Glück gehabt. Es hätte auch schlimmer ausgehen können", zieht Feuerwehrkommandant Thomas Scheuerer Bilanz.

Landeshauptmann Wilfried Haslauer versicherte am Freitag, den betroffenen Bürgern Mittel aus dem Katastrophenfonds des Landes zur Verfügung zu stellen. "Sie können sich mit ihren Fragen und Schadensmeldungen an die Gemeinden wenden. Sie werden dort unterstützt und mit dem Katastrophenfonds des Landes werden wir alles daransetzen, schnell und möglichst unbürokratisch zu helfen", erklärte er am Freitag in einer Presseaussendung.Brücke in Bramberg zerstörtIn Bramberg wurden am Donnerstagabend noch mehrere Keller ausgepumpt. "Das Wasser ist weg. So schnell wie es kommt, verschwindet es auch wieder", erklärt der Bramberger Feuerwehrkommandant Andreas Hofer am Freitagvormittag. Jetzt werden Sandsäcke wieder weggeschafft und der mobile Hochwasserschutz abgebaut. Auch die Schäden werden sichtbar. Die Brücke zum Ortsteil Habach wurde zerstört, ab Montag errichten Pioniere eine Ersatzbrücke. Damit soll der Übergang über die Salzach in das Habachtal wieder ermöglicht werden.

Lokalbahn: Gleise beschädigt Für den Verkehr gab es am Freitag teilweise noch Einschränkungen wegen des Hochwassers. Die Salzachbrücke in Mittersill blieb vorerst gesperrt, hier bestand eine örtliche Umfahrung. Die B165 war im Bereich Rosental (Gemeinde Neukirchen) wieder einspurig befahrbar. In Salzburg sind alle Straßen wieder frei. Die Feuerwehr hat den Hochwasserschutz in der Nacht auf Freitag abgebaut.

Großen Schaden richtete das Hochwasser an der Pinzgauer Lokalbahn an. "Zwischen Zell am See und Niedernsill fährt sie wieder laut Plan", sagte am Freitag Dienststellenleiter Walter Stramitzer. "Zwischen Niedernsill und Uttendorf gibt es zwei 50 Meter lange Stellen, die neu zu verlegen sind. Wir hoffen, das bis Ende August erledigt zu haben und können dann wieder bis Mittersill fahren." Oberhalb von Mittersill gebe es 15 bis 20 zerstörte Stellen. Am schlimmsten sei es in Bramberg. "Hier brauchen wir ein Konzept für den Wiederaufbau. Optimistisch gesehen, könnte alles im Herbst fertig sein."SObersulzbachtal: Menschen evakuiert Als Folge der Unwetter im Oberpinzgau haben zwei Polizeihubschrauber am Freitagvormittag 28 Personen von mehreren Hütten im Ober- und Untersulzbachtal ausgeflogen. Die Straßen ins Tal waren von den Wassermassen teilweise völlig weggeschwemmt worden, die beiden Täler wurden von der zuständigen Bezirkshauptmannschaft gesperrt. Die Urlauber wurden nach Neukirchen gebracht.

Bereits am Donnerstagnachmittag haben Polizeihubschrauber von der Hofrat-Keller-Hütte im Obersulzbachtal 28 Personen, darunter auch Kinder, evakuiert. Die Hütte musste aus Sicherheitsgründen kurzfristig geräumt werden. Es gab laut Polizei keine Verletzten.

Die Landespolitik verspricht nun, die bestehenden Lücken im Hochwasserschutz schnell zu schließen. Wegen eines Streits zwischen Grundbesitzern und der Stadt Zell am See fehlt noch immer der Schutz für das Zeller Becken. "Für die Salzachabschnitte bei Rosental in Neukirchen und im Zentralraum Bruck bzw. Zell am See werden schon Projekte ausgearbeitet", sagte Landesrat Schwaiger am Freitag.

In Oberösterreich und im Burgenland hat sich die Lage am Freitag entspannt.

Quelle: Robert Mayer, Sn-bu, Apa

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