Chronik

Aufregung am Pass Thurn

Über Jahre liefen Verfahren für eine Hotelanlage, diese wurden kundgemacht und bewilligt. Aber mit dem Baustart kamen Proteste. Zu Unrecht, so die Gemeinde Mittersill.

Am Rande des Wasenmooses entsteht eine luxuriöse Hotelanlage. Mit den Rodungen kamen Proteste.  SN/sw/erwin simonitsch
Am Rande des Wasenmooses entsteht eine luxuriöse Hotelanlage. Mit den Rodungen kamen Proteste.

Es begann um das Jahr 2000. Der Hollersbacher Unternehmer Franz Wieser legte der Gemeinde Mittersill ein Projekt vor, das neben der Panoramabahn eine Hotelanlage am Pass Thurn vorsah. Der Tourismus sollte damit angekurbelt werden. In der Gemeinde sei man dafür, nur er dagegen gewesen, sagt Bürgermeister Wolfgang Viertler. "Wir hatten kein Geld, denn wir mussten unsere Schulen instand setzen, der Kindergarten war in einem desolaten Zustand, vom Nationalparkzentrum war noch nicht die Rede."

2003 fiel der Beschluss der Gemeindevertretung für die Panoramabahn - "und dass zusätzliche Betten in diesem Bereich vorteilhaft wären", so Viertler. Ende 2004 gab es die erste Kundmachung über die beabsichtigte Änderung der Flächenwidmung. In den nachfolgenden Jahren gab es Kundmachungen und Veröffentlichungen auf Amtstafeln, in der Landeszeitung, auf der Homepage der Gemeinde, in Gemeinde- und Regionalzeitungen. 2005 gab es eine Versammlung am Sonnberg, mehr als 80 Bürger waren anwesend. "Es gab keine Einwendungen." Die Rodung wurde 2009 bewilligt. Der neue Flächenwidmungsplan trat 2011 in Kraft, die naturschutzrechtliche Bewilligung stammt von 2013. In dieser steht auch, dass Wieser einen wesentlichen persönlichen Einsatz und finanziellen Beitrag zur Weidefreistellung des Wasenmooses geleistet hat. Erst dadurch sei es 2006 zur Anerkennung als Ramsar-Schutzgebiet gekommen, so Viertler. Zudem habe es eine Reihe weiterer Auflagen gegeben.

Projektentwickler ist - zusammen mit Franz Wieser - der Wiener Walther Staininger. Die Anlage - 77 Hotelzimmer, 45 Appartements und 13 Chalets - soll von der Firma Six Senses (Sitz in Thailand) betrieben werden. 2017 wurde das Projekt vorgestellt, der Baubeginn hat sich verzögert, "wegen der Baugenehmigung und einer qualitativen Verbesserung von Materialien, und wir wollen die Natur bestmöglich einbinden", sagt Staininger.

Das bezweifeln Naturschützer, die das Projekt anprangern. Staininger: "Dazu ist nichts zu sagen. Nur so viel: Ich, meine Familie und Herr Wieser haben zugesichert, dass jeder Baum wiedererstehen wird." Wie steht er zum Gerücht, dass Chinesen hinter dem Bau stünden? "Absoluter Blödsinn. Wir haben keinen Groschen notwendig aus China, Russland oder weiß Gott woher, wir sind ausfinanziert." Nicht ausschließen könne er, dass ein Asiate Kunde werde, also Miteigentümer. "Wir werden uns jeden Kunden anschauen." Die reinen Baukosten beziffert er mit 130 bis 140 Millionen Euro.

Vorige Woche kam es bei der Baustelle zu einer von Naturschützern organisierten Mahnwache. Deren Sprecher Willi Schwarzenbacher sagt: "Ich bin kein Querulant und Verhinderer, das Projekt ist auch legitim. Aber ich glaube, viele haben erst jetzt das Ausmaß erkannt. Wir wollen den Projektbetreiber aufmerksam machen, was wir unter Nachhaltigkeit verstehen. Dazu werden wir in der Schule nachfragen, ob die Jugend zu dem Thema Ideen einbringen möchte. Letztlich folgen wir der Aufforderung im ,Six Senses'-Werbevideo: ,Let's build together'."

Viertler betont: "Ohne das Luxusresort würde es kein Wasenmoos geben. Das interessiert offenbar keinen." In der Gemeinde stünden alle damals Verantwortlichen hinter den Beschlüssen.

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