Chronik

Aus dem ganzen Pinzgau kommt Hilfe per Lkw an die ukrainisch-rumänische Grenze

Eine junge Mutter wollte anpacken und trat eine massive Hilfslawine los. Bei der Firma "Friwa Transporte" in Saalfelden wurden vier Fahrzeuge voll beladen.

Russlands Krieg in der Ukraine sorgt auch im Pinzgau für enorme Betroffenheit. Eine Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität macht sich breit. Die PN begleiteten vorige Woche exemplarisch eine Aktion, die eine irrsinnige Eigendynamik entwickelte.

"Ich bin fix und fertig. Der Zusammenhalt ist so groß. Ich kann das alles gar nicht glauben." Selina Neumaier stand am Freitagnachmittag in der Lagerhalle von "Friwa Transporte" in Saalfelden und traute ihren Augen kaum. Drei Lkw waren zu diesem Zeitpunkt bereits voll beladen mit Lebensmitteln, Babyprodukten, Tierfutter, Kleidung, Decken, Medikamenten und vielem mehr.

Die 30-jährige Fuscherin ist Mutter eines achtmonatigen Kindes und wurde von den Bildern, die sie im Fernsehen sah, aufgewühlt: "Man hat ein Baby neben sich und malt sich aus, wie es wäre, selbst in der schrecklichen Situation zu sein, aus dem eigenen Land unter großer Angst flüchten zu müssen und den Mann zurückzulassen."

Aus einer kleinen Sammelaktion wurde Großes

Sie wollte unbedingt helfen. Da sie sich für den Tierschutz, insbesondere für Straßenhunde in Rumänien, privat engagiert, pflegt Neumaier Kontakte in die rumänisch-ukrainische Grenzregion. "Ich bin mit einer mir bekannten Dame in Kontakt getreten und habe gefragt, was vor Ort in einem Erstversorgungszentrum gebraucht wird. Mir wurde von Zuständen berichtet, die sich keiner vorstellen will."

In einem Posting über die Facebook-Gruppe "Pinzgaubörse" wollte sie Leute dazu animieren, bei ihrer Sammelaktion mitzumachen, um schließlich einige Pakete nach Siret/Radauti zu schicken. "Mich hat dieses Engagement gleich sehr berührt. Nur ,Gefällt mir' zu drücken, hilft nix. Ich wollte, dass unsere Firma einen Transport übernimmt", erzählt Sandra Fritzenwanker. Auch Firmenchef Hans war schnell Feuer und Flamme, die Hilfsaktion nahm jetzt richtig Fahrt auf. Zahlreiche Unternehmen stellten umgehend einen "Berg" an Waren zur Verfügung, Sammelstellen quer durch den Bezirk wurden mit einem Transporter abgeklappert, viele Privatpersonen und Vereinsvertreter brachten selbst prall gefüllte Kartons vorbei. Welche Dimension das Ganze angenommen hat, darüber konnte Hans Fritzenwanker am Freitag nur staunen: "Ich bin stolz auf den Pinzgau, wie in dieser Sache zusammengeholfen wurde. Es haben sich so viele Leute freiwillig ins Zeug gelegt, auch logistisch war das eine Meisterleistung von allen Beteiligten. In den Lkw, die wir mit unseren vielen Helfern beladen haben, ist kaum mehr ein Kubikzentimeter Platz." Der Speditionsslogan "Wir bringen, was sie täglich brauchen" habe für ihn jetzt einen viel tiefgreifenderen Sinn. "Uns hier geht's wirklich gut. Wir jammern, wenn, dann auf höchstem Niveau."

Schnell fanden sich die ersten Fahrer

Sofort freiwillig zur Fahrt meldeten sich die "Friwa"-Mitarbeiter Markus Leiter (38) aus Bramberg und Csaba Gorzo (48), ein gebürtiger Rumäne, der seit fünf Jahren in Saalfelden lebt. Sie fuhren Montagfrüh los, haben unterwegs bei Csabas Mutter in Budapest etwas zu Essen bekommen, am Dienstagnachmittag sind sie gut in Siret/Radauti nahe der ukrainisch-rumänischen Grenze angekommen.

"Ein bissl ein Kribbeln ist schon da, aber keine Angst, da darf man nicht nachdenken. Ganz sicher wird es eine Fahrt, die wir nicht so schnell vergessen", sagte Markus Leiter drei Tage vor der Abfahrt den PN. "Für mich ist es selbstverständlich, hier zu helfen. Ich spreche Rumänisch und bin seit 18 Jahren Lkw-Fahrer", ergänzte Csaba Gorzo.

Drei weitere Firmen stemmen Transporte

Insgesamt wurden bei "Friwa Transporte" vier Lkw voll beladen. Die drei anderen stellten die Firmen Electromax Saalfelden, Koidl Transporte Mittersill und Klaus Huber Transporte Stuhlfelden zur Verfügung, auch die Fahrten werden von diesen Betrieben jeweils übernommen.

Selina Neumaier betont abschließend: "Ich kann nur den Hut ziehen vor dieser Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit, die so viele Leute gezeigt haben. Ein herzliches Danke an alle, die zum Erfolg der Spendenaktion beigetragen haben." Regelmäßige Updates zum Pinzgauer Hilfseinsatz gibt es auf der neuen Facebook-Seite "Ukrainehilfe Pinzgau".

PINZGAU-NEWSLETTER

Jetzt kostenlos anmelden und wöchentlich topaktuelle Informationen aus Ihrer Region kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 22.05.2022 um 09:41 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/aus-dem-ganzen-pinzgau-kommt-hilfe-per-lkw-an-die-ukrainisch-rumaenische-grenze-118194529

Tausende Menschen feierten wieder zusammen

Tausende Menschen feierten wieder zusammen

Jeweils drei Tage lang wurden von Freitag bis Sonntag in Eugendorf und in Saalfelden runde Jubiläen gefeiert. Die Trachtenmusikkapelle Eugendorf (im rechten Bild) und die Bürgermusik Saalfelden wurden jeweils …

Alkolenker mit Pkw bei Lend überschlagen

Alkolenker mit Pkw bei Lend überschlagen

In der Nacht von Freitag auf Samstag kam ein 58-jähriger Pongauer bei Lend von der Fahrbahn ab. Sein Pkw landete schließlich auf dem Dach, der Lenker - der unter Alkoholeinfluss stand - musste mit …

Schöne Heimat

Geheimnisvolles Loch im Berg

Von Edith Schwarzl
22. Mai 2022
Von hier aus tost der Birnbach ins Tal

Kommentare

Schlagzeilen