Chronik

Bad Gasteiner Hotels werden fit für den Winter und die Zukunft

Ein Lokalaugenschein im Hotel Straubinger und im Badeschloss zeigt: Die Substanz ist trotz jahrelangen Leerstands großteils in Ordnung. Am 14. Dezember wird ein Papier für Investoren präsentiert.

Der Winter zeigt heuer früh seine Krallen. Die Handwerker am Straubingerplatz sind trotz spürbarer Minusgrade aktiv. Sie müssen die drei denkmalgeschützten Häuser winterfit machen, die das Land Anfang November vom Eigentümerduo Duval/Wojnarowski gekauft hat. In spätestens zwei Jahren sollen sie an Investoren weiterverkauft werden. "Es haben sich bereits Interessenten gemeldet", sagt Thomas Kerschbaum, Sprecher von Landeshauptmann Wilfried Haslauer.

Am Mittwoch wurde erstmals Zutritt zu den Häusern gewährt, an denen seit 24. November gearbeitet wird. Erste Station des Lokalaugenscheins ist das Hotel Straubinger mit seinem 1880 eingerichteten Speisesaal. Inmitten der glanzvollen Belle-Époque-Architektur mit Stuckdecke, Lustern und Spiegeln lässt es sich gedanklich mühelos in die Zeit der Jahrhundertwende eintauchen, als hier Künstler und Adelige diniert haben. Im Vorgängerbau residierten Jahrzehnte zuvor Schubert und Grillparzer.

"Das Straubinger ist ein Juwel. Der Anspruch der Gäste war einst hochherrschaftlich", sagt Landeskonservatorin Eva Hody. Ganz allgemein sei die Skyline Bad Gasteins mit städtischer Atmosphäre in den Alpen einzigartig, betont die Denkmalschützerin.

Viel mehr als der Speisesaal im Erdgeschoß ist vorerst nicht zu besichtigen: Aus Angst vor ungebetenen Schaulustigen ist der Zugang in die höheren Etagen über die Treppe versperrt. "Immer wieder sind Jugendliche in das Haus eingedrungen", erzählt Baumeister Hans Pirker. Zudem müsse man die Stützmauer auf der mächtigen Rückseite des Hauses erneuern. Die Grundsubstanz im Hotel Straubinger sei aber gut, sagt Hody.

Schwieriger ist der Fall im 1793 erbauten Badeschloss. Im einstmals ersten Steinhaus am Straubingerplatz hat ein Brand im Dachstuhl 2013 größere Schäden angerichtet. Das Notdach muss nun von Zimmermännern abgesichert werden. "Durch die Löscharbeiten damals ist Wasser in die Substanz eingesickert", sagt Hody. Auch wie man die unterschiedlichen Bau- und Ausstattungsstile des ehemaligen Kurheims aus Sicht des Denkmalschutzes bewerte, sei eine Herausforderung. Die Zimmer wirken, als hätte sie seit der Abreise der letzten Gäste niemand mehr betreten. Im Foyer mischt sich rudimentäre Graffiti-Kunst mit feinem Adneter Marmor und biederen Holzvertäfelungen.

Fazit: "Es gibt in beiden Häusern kritische Bereiche. Der Zahn der Zeit hat den Gebäuden zugesetzt. Wir sollten das aber bautechnisch in den Griff bekommen", sagt Baumeister Pirker. Die Sanierungsarbeiten sollen bis Ende des Sommers 2018 abgeschlossen sein.

Die Euphorie und der Unternehmergeist in Bad Gastein sind unverändert. "Jetzt sind wir am Zug", sagt Tourismusverbands-Obmann Ike Ikrath. Am 14. Dezember präsentiert die "Strategiegruppe Bad Gastein 2020" mit Vertretern von Gemeinde, Land, Tourismusverband, Denkmalamt und Bergbahnen ein Papier, das eine Grundlage für künftige Projektentwicklungen darstellt. Dann soll auch die mögliche Anzahl an Betten in den beiden großen Häusern am Platz - das kleine Postgebäude dürfte wohl nur als Personalhaus genutzt werden können - feststehen. "Für Investoren ist das eine wichtige Kennzahl", sagt Bürgermeister Gerhard Steinbauer (ÖVP).

Zudem will der Tourismusverband den Straubingerplatz auf künstlerische Weise beleben. Der Bauzaun soll mit historischen Bildern des Hotel Straubinger geschmückt werden, vor dem Badeschloss wird eine beleuchtete Tanne aufgestellt - rechtzeitig zum Weihnachtsfest. Auch Pop-Up-Interimslösungen sind in den kommenden zwei Jahren angedacht.

(SN)

Aufgerufen am 25.06.2018 um 01:09 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/bad-gasteiner-hotels-werden-fit-fuer-den-winter-und-die-zukunft-21416890

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