Chronik

Bad Hofgastein: Werdende Mama managte den Muren-Einsatz

Nicht nur direkt im Schlamm wurde nach den Unwettern Großes vollbracht: Andrea Röck ist im sechsten Monat schwanger, dirigierte "ihre" Feuerwehr durch den Großeinsatz.

Feuerwehrfrau Andrea Röck behielt im Funkraum den Durchblick.  SN/foto atelier wolkersdorfer
Feuerwehrfrau Andrea Röck behielt im Funkraum den Durchblick.

Eigentlich ist Andrea Röck bei der Hofgasteiner Feuerwehr dienstfrei gestellt. Die 31-Jährige erwartet in wenigen Wochen ihr zweites Kind. In der Ausnahmesituation nach den schweren Murenabgängen im Gasteinertal kam es für sie aber nicht in Frage, die Füße hochzulagern. Statt wie sonst im Einsatzwagen nahm sie diesmal im Funkraum Platz, dirigierte von dort die Einsatzkräfte, organisierte das Drumherum für die Männer im Außeneinsatz.

Was aus dem Mund von Röck nach einer Kleinigkeit klingt, war für ihren Ortsfeuerwehrkommandanten, Rupert Sendlhofer, eine Bravourleistung: "Es waren 65 Feuerwehrleute und 30 Bundesheersoldaten im Einsatz. Da fällt im Funkdienst sehr viel an. Allein, dass alle mit Essen und Getränken versorgt sind und die Bereitstellung von Kleidung funktioniert, ist extrem aufwändig. Andrea war Anlaufstelle für alle, hat das super koordiniert."

Ortskommandant Rupert Sendlhofer: „Eva ist die gute Seele bei uns.“ SN/sbg wohnbau
Ortskommandant Rupert Sendlhofer: „Eva ist die gute Seele bei uns.“

Stressig sei es schon gewesen, sagt Röck auf Nachfrage. Gerade an den ersten Tagen, an denen reihenweise Muren abgingen. "Es sind so viele Funksprüche auf einmal eingetroffen, jeder hat gleichzeitig Hilfe gebraucht. In einer so unübersichtlichen Lage war es schon eine Herausforderung, ruhig zu bleiben und alles richtig einzuteilen."

An Schlaf war die ersten beiden Nächte kaum zu denken. Eine Woche lang war Röck, wie ein Großteil der Hofgasteiner Feuerwehrleute, fast im Dauereinsatz. "Es ist ein Wahnsinn, was da geleistet wurde. Außerdem war es super, wie die Leute uns unterstützt haben. Da sieht man, welchen Zusammenhalt es bei uns gibt." Hotels und Privatpersonen hätten Essen vorbeigebracht, von den Bürgern gebe es nach wie vor viel Dankbarkeit und Lob.

Der ersten Frau bei der Feuerwehr folgten schnell weitere

Bei der Freiwilligen Feuerwehr ist Andrea Röck seit eineinhalb Jahren. "Mit dem Gedanken habe ich schon länger gespielt, weil mir das einfach immer gefallen hat." Doch es gab keine Frauen bei der Hofgasteiner Wehr, so war die Hürde vorerst hoch. Auch die Männer waren nicht vorbehaltlos begeistert als die Aufnahme ein ernstes Thema wurde, sagt Ortskommandant Rupert Sendlhofer. "Das hat sich aber erledigt, sie ist sehr schnell akzeptiert gewesen." Mit Selbstbewusstsein und Schlagfertigkeit habe sich Röck ihren Platz gesichert. Mittlerweile sind drei Frauen in Reihen der FF Hofgastein mit dabei. "Sie stehen alle ihren Mann, auch bei den Einsätzen", sagt Sendlhofer. Sie sind ein Gewinn für die Mannschaft.

Die Grundausbildung und erste Kurse hat Andrea Röck schon absolviert. Nach der Babypause möchte sie unbedingt weitermachen. Anderen zu helfen, sei ihr wichtig, sagt sie. "Wenn mir etwas passiert, dann bin ich auch froh, wenn jemand kommt." Wenn es die Umstände erlaubt hätten, wäre sie auch gerne im Schlamm mitgeschaufelt.

Vierjährige Tochter hat auch schon Interesse an der Feuerwehr

Mit ihrem Arbeitgeber muss sich Röck, im Gegensatz zu vielen Kollegen, nicht arrangieren. Sie hat zwei Friseursalons in Dorfgastein. "Während dem Schneiden kann ich nicht weg, aber prinzipiell kann ich mir viel einteilen." Wenn sich von ihren Angestellten jemand engagieren wolle, dann stehe sie nicht im Weg. Die vierjährige Tochter hat ebenfalls schon großes Interesse an der Feuerwehr. "Kein Wunder, sie wächst damit auf", sagt die Mama. Die Familie wohnt direkt im Feuerwehrhaus, Röcks Mann ist der Zeugwart.

Einen Einsatz in dieser Größenordnung hat im ganzen Team noch niemand erlebt. Nach dem massiven Murenabgängen mussten Straßen - unter anderem die Bundesstraße - gesperrt und Häuser evakuiert werden. Röck: "Gott sei Dank hat es keinen Personenschaden gegeben." Einzig für das geplante Krampuskränzchen habe es am Ende der Einsatzwoche nicht mehr gereicht. "Das haben wir abgesagt, weil jeder froh war, dass er sich ausruhen kann."

500 Feuerwehrfrauen gibt es in Salzburg

Für die Zukunft hofft Andrea Röck auf noch mehr weibliche Verstärkung: "Wer Interesse hat, soll sich auf alle Fälle trauen." Salzburgweit gibt es ca. 500 aktive Feuerwehrfrauen - von rund 10.000 Einsatzkräften. Die Quote von fünf Prozent anzuheben sei ein wichtiges Ziel, heißt es aus dem Landesfeurwehrverband.

Aufgerufen am 01.10.2020 um 12:42 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/bad-hofgastein-werdende-mama-managte-den-muren-einsatz-79952239

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