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Basisversorgung für Bettler in Salzburg gefordert

Zu den schwierigen Lebensumständen von Bettelmigranten in Salzburg wurde am Freitag eine Studie vorgestellt. Die Salzburger Plattform für Menschenrechte fordert von der Politik eine Basisversorgung für Bettler.

Basisversorgung für Bettler in Salzburg gefordert
Basisversorgung für Bettler in Salzburg gefordert

Sie hausen in Autos oder Zelten, haben keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen, leben von der Hand in den Mund und kennen nur ein Ziel: am Arbeitsstrich oder beim Betteln ein paar Euro zu lukrieren, um etwas zu Essen zu haben. So lässt sich das Ergebnis einer Studie zu den Lebens- und Bedarfslagen von Bettelmigranten in Salzburg zusammenfassen, die am Freitag von der Plattform für Menschenrechte vorgestellt wurde.Rund 1350 Bettelmigranten in Salzburg pro Jahr "Wir gehen davon aus, dass im Verlauf eines Jahres rund 1350 neue Pendelzuwanderer nach Salzburg kommen", berichtete Studienautor Heinz Schoibl. Zum Zeitpunkt der Befragung - im Februar 2013 - dürften sich mindestens 150 Personen, darunter 30 mitziehende Kinder in Salzburg aufgehalten haben. Rund 80 Prozent dieser Menschen kommen aus Rumänien, je rund zehn Prozent aus der südlichen Slowakei und aus Polen. Der Großteil sind Roma. Gemeinsam ist ihnen eines: Sie leben in ihrer Heimat in absoluter Armut.

"Sie kommen hierher, um Geld zu verdienen", sagte Schoibl. Wenn es mit Arbeit nicht funktioniere, dann versuche man es mit Betteln oder Straßenmusik. Während Männer sich stärker auf Gelegenheitsarbeit konzentrieren, sind Frauen vor allem auf das Betteln angewiesen. Mit einem Mythos räumt Schoibl auf: Es habe in den vielen Gesprächen keinerlei Hinweise auf mafiaähnliche Hintermänner oder organisiertes Betteln gegeben. "Was wir gefunden haben, sind familiäre oder nachbarschaftliche Netzwerke", berichtete der Sozialwissenschafter. Man teile sich die Reisekosten und schütze sich gegenseitig."Eine bedarfsorientierte Grundversorgung" Angesichts der untragbaren Lebensumstände forderte die Salzburger Plattform für Menschenrechte von der Politik eine Basisversorgung für diese Menschen. "Es braucht eine bedarfsorientierte Grundversorgung", sagte Josef Mauthner vom Runden Tisch Menschenrechte. Er nannte ganzjährige Quartiere, sanitäre Einrichtungen, zentrale Aufenthaltsmöglichkeiten, eine Ausspeisung zum Selbstkostenpreis sowie eine ambulante Gesundheitsversorgung als notwendige Angebote. Darüber hinaus sollte es begleitende Maßnahmen geben: sprachkundige Streetworker, Erwerbsmöglichkeiten, niederschwellige Betreuungseinrichtungen für Kinder sowie Informationen für die Bevölkerung, um die Akzeptanz solcher Maßnahmen bei der Bevölkerung zu verbessern.

Um Unterstützung für die Anliegen zu gewinnen, präsentierte die Plattform für Menschenrechte die Studie am Freitag auch Vertretern der Stadtpolitik. "Es gibt so etwas wie eine Selbstverpflichtung der Stadt", pochte Ursula Liebing von der Plattform auf Unterstützung. Schließlich habe Salzburg 2008 die Charta für den Schutz der Menschenrechte unterzeichnet.

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