Chronik

Bauern geht das Futter aus

Die Vegetation hat Verspätung, auf Almen liegt Schnee, Vorräte sind vielerorts aufgebraucht. Das Klima macht den Landwirten zu schaffen.

Jeder Grashalm ist derzeit heiß begehrt...&#8195;<br> SN/heinz bayer
Jeder Grashalm ist derzeit heiß begehrt... 

Der vergangene Sommer? "Viel zu trocken." Der heurige April? "Extrem trocken." Der Mai? "Zu kalt und verregnet" - so analysiert Bezirksbauernkammernobmann Klaus Vitzthum das Wetter, das die Futtersituation auf zahlreichen Höfen in den vergangenen Wochen zugespitzt hat. Zum einen sei die Heuernte im Vorjahr vielerorts vergleichsweise schlecht ausgefallen, zum anderen sei die Vegetation aktuell zwei bis drei Wochen hintennach. "Das sorgt dafür, dass Scheunen leer sind." Er wolle das Problem nicht dramatisieren, sagt Vitzthum, aber es werde unter der Bauernschaft derzeit viel darüber gesprochen.

Zahlreiche Landwirte haben vorige Woche den ersten Schnitt durchgeführt, bei anderen zahlt es sich noch nicht aus. Das heißt: Wer keinen Vorrat hat, ist nach wie vor auf zugekauftes Futter angewiesen, um das Vieh zu versorgen. Und das kann ins Geld gehen. "Das bringt man durch den Verkauf der Milch nicht herein", gibt Klaus Vitzthum zu bedenken. Ein Siloballen mit einem Richtpreis von rund 35 Euro werde um 70 Euro oder mehr gehandelt. Der doppelte Preis bei schlechterer Qualität. "Es ist nichts G'scheites am Markt", sagte Landwirtschaftskammerpräsident Rupert Quehenberger kürzlich im Gespräch mit den SN. Vitzthum spricht von "minderwertiger Qualität zu Apothekerpreisen."

Keineswegs ausgenutzt wurde die Situation von der Landwirtschaftsschule Bruck, wie Direktor Christian Dullnigg betont: "Wir haben einen leichten Überhang an Nachbarbetriebe zu normalen Preisen verkauft." Die Ernte sei im Vorjahr durchschnittlich ausgefallen, die Futtersituation werde bestmöglich auf den Viehstand abgestimmt. Über den Winter seien zum Beispiel sechs Tiere in einen anderen Betrieb ausgelagert worden. Abgesehen von einigen Kälbern, die draußen das Grasen lernen, stünden die Rinder im Stall, schilderte Dullnigg Ende voriger Woche. Demnächst gehe es, je nach Witterung mit ein bis zwei Wochen Verspätung, auf die Piffalm in Fusch.

Die Schneelage, speziell auf höher gelegenen Almen, bereite Betroffenen Kopfzerbrechen. Klaus Vitzthum sprach vorige Woche auf seiner Alm in Unken von einem halben Meter Schnee auf 1400 Metern. Erschwerend hinzu käme ein "Haufen an Arbeit, ausgelöst durch die Schneemassen des Winters. Es ist bei den Zäunen extrem viel kaputt."

Die Bauern seien die Ersten, die sich direkt mit den Klimaveränderungen auseinandersetzen müssten - um etwa Lösungen für eine drohende Futterknappheit zu schaffen. Vitzthum: "Grundsätzlich sind die Landwirte immer auf Vorratshaltung aus, aber auch heuer wird es mit einem ,Spazi' schwer. Es ist eine verzwickte Geschichte."

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Gnadenhof als gemeinsamerLebenstraum

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Als Nadine Langmeier klein war, brachte sie es auf 72 Tiere im und ums Elternhaus. Nun wollen sie und ihr Partner die Tierliebe beruflich ausleben.

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