Chronik

Bedrohter Anwalt lässt sich nicht einschüchtern

Jurist Jörg Dostal, der gegen den illegalen Straßenstrich in Schallmoos auftritt, erhielt ein massives Drohschreiben. Stammt es von einem Freier?

Bedrohter Anwalt lässt sich nicht einschüchtern SN/robert ratzer
Rechtsanwalt Jörg Dostal mit dem Drohschreiben. Er ortet im Straßenstrich ein „großes Sicherheitsproblem für Schallmoos“.

Im Zusammenhang mit der seit Jahren existenten illegalen Straßenprostitution in Salzburgs Stadtteilen Schallmoos und Gnigl kam es Mittwoch zu einem massiven Vorfall: Rechtsanwalt und Strafverteidiger Jörg Dostal - er hat die Kanzlei in der Vogelweiderstraße in Schallmoos - erhielt am Vormittag per Post ein Drohschreiben. Anonym. Der streitbare Anwalt tritt als Mitglied einer Anrainerinitiative dafür ein, den Straßenstrich "auszutrocknen".

Das Schreiben lässt an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig. Ein Auszug im exakten Wortlaut: "(. . .) ich mach dich und deine Lieben kalt. Ich hab jetzt ne Waffe mit Plastik und Gummigeschossen und die funktioniert super. Noch ist es Kunststoff, aber das lässt sich schnell ändern. Nicht die Mädchen oder deren Freunde werden zu deinem Problem. Nein, wir Freier lassen uns nichts mehr gefallen (. . .)".

Die SN besuchten Dostal in der Kanzlei: "Ich bin von meinem Beruf her einiges gewöhnt. Aber wenn man das liest, bekommt man ein mulmiges Gefühl. Ich nehme das Schreiben sehr ernst, lasse mich aber sicher nicht einschüchtern. Wir Anrainer nutzen weiter alle legalen Mittel, um gegen den Straßenstrich hier anzukämpfen." Der Anwalt erstattete Strafanzeige: "Es wurden sofort Ermittlungsschritte gesetzt. Die Polizei ist bemüht, den Absender rasch auszuforschen", so Dostal.

Peter Harlander, ebenfalls Anwalt und ÖVP-Gemeinderat, tritt besonders vehement gegen illegale Prostitution auf: "Polizei und Magistrat, konkret das Amt für öffentliche Ordnung, machen viel, aber ihnen sind letztlich die Hände gebunden." Das Grundproblem sei, dass das Landespolizeigesetz zu zahnlos sei. "Wir brauchen eine Gesetzesänderung, die auch die Möglichkeit vorsieht, gegen illegale Prostituierte einen Platzverweis zu verhängen und ihn dann auch effizient durchzusetzen." Ein Platzverweis könne sich auf mehrere Straßen erstrecken und für Wochen ausgesprochen werden.

Im Herbst 2015 hatten ÖVP-Vize-Bgm. Harald Preuner, Harlander und Anrainer mit einer Plakataktion auf das Problem aufmerksam gemacht. Pro Nacht wurden oft mehr als 20 meist rumänische oder ungarische Prostituierte gezählt. Im Hintergrund: die Zuhälter, die sie ausbeuten.

Für die Anrainer geht es um den Lärm, den die Freier mit ihren Autofahrten durch das Viertel erzeugen, um Müll, der nach der Verrichtung der Geschäfte vor Haustüren oder in Gärten liegen bleibt, und um Folgekriminalität. Seit Ende 2015 setzt Preuner auf Abschiebungen. Mit einigem Erfolg. So können auch EU-Bürgerinnen abgeschoben werden, wenn sie drei Mal das Gesundheitsgesetz übertreten. Preuner: "Bei der vierten Strafe stellt die Frau dann laut Gesetz eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit dar."

Quelle: SN

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