Chronik

Bei den Schanzen drängt die Zeit

Die Ibiza-Affäre bremste die regionalen Bestrebungen beim nordischen Großprojekt in Saalfelden. Alles hängt nach wie vor an der Zusage des Bundes, Gegenwind kommt von den lokalen Grünen.

Bild: Andreas Rachersberger SN/sw/andreas rachersberger
Bild: Andreas Rachersberger

Mit Ende des Jahres 2020 ist die K85-Schanze in Uttenhofen "tot". Es nagt der Zahn der Zeit an ihr. Die Konzession läuft ab, sie ist dann nicht mehr für ihre Bestimmung zugelassen.

"Es muss heuer was passieren", sagt Skisprung-Trainer Philipp Amon. "Ich hätte am liebsten gestern schon mit dem Umbau gestartet", versichert Vizebürgermeister Thomas Haslinger (ÖVP) - "die Zeit drängt."

Unter dem Titel "Absprung zum nordischen Zentrum" wurde der Umbau im Mai 2019 groß bei einer Pressekonferenz angekündigt. Unterschrieben waren noch keine Verträge zur Kostenbeteiligung von Land und Bund - die Absicht zur Investition wurde aber bekundet. Wenige Tage später löste die FPÖ-Ibiza-Affäre ein politisches Erdbeben aus, dessen Auswirkungen auch die Saalfeldener Projektverantwortlichen erneut auf eine Geduldsprobe stellten. Übergangsregierung, Neuwahlen, Regierungsbildung - es hieß: Bitte warten.

Haslinger ist zuversichtlich, dass das Warten bald ein Ende hat. "Wir haben vorige Woche alle Projektdetails übermittelt, die vom Bund nachgefordert worden sind. Alle Pläne sind sehr genau ausgearbeitet. Ich hoffe, dass wir im ersten Quartal 2020 eine Unterschrift bekommen." Sportlandesrat Stefan Schnöll (ÖVP) stehe ohnehin voll dahinter, der Austausch mit dem Bund werde stets mit dem Land abgestimmt.

Die Bedingung zur Umsetzung: Die kalkulierten Kosten in Höhe von 3,9 Millionen Euro, die in etwa zur Hälfte auf das Skisprungstadion und auf das Langlaufzentrum entfallen, werden zwischen Bund, Land und Gemeinde gedrittelt. Der örtliche Tourismusverband wiederum steuert eine halbe Million Euro vom Gemeindeanteil bei.

Bürgermeister Erich Rohrmoser (SPÖ) sagt, dass Saalfelden im nordischen Bereich "extrem gut" aufgestellt sei - "diese Stärke müssen wir vorantreiben". Das Gesamtprojekt samt Umbau der Schanzen biete die große Chance, die Stadtgemeinde langfristig als nordisches Kompetenzzentrum für Spitzen- und Breitensport zu etablieren. Dieses Ziel verfolgt die Interessengemeinschaft (IG) Nordisch schon lang. Ihr Sprecher Franz Oberschneider pocht auf einen Baubeginn in diesem Jahr - "mit dem Ziel, dass die K85-Schanze schon im kommenden Winter wieder bespringbar ist".

Gegenwind bei dem Projekt, konkret für alle Umbaupläne, die die Schanzen sowie die Skiroller-Strecke betreffen, kommt nach wie vor von den Saalfeldener Grünen. Ferdinand Salzmann kritisiert, dass zu viel Geld für eine viel zu kleine Zielgruppe investiert werde. Die Summe würde für wichtigere Projekte in Saalfelden gebraucht, etwa für den Neubau des Seniorenheims Haus 1. "Ich habe meine Bedenken schon bei den Landes- und Bundes-Grünen deponiert", sagt Salzmann, dessen oberster "Chef" Vizekanzler Werner Kogler nun auch Sportminister ist. Salzmann bekennt sich ausschließlich zum Langlaufzentrum inklusive Unterführung unter der Kollingwaldstraße und der künstlichen Beschneiung einer zusätzlichen, kürzeren Loipe im Bereich Ritzen - "ohne Loipengebühren".

Haslinger bringt ein anderes Kostenargument ins Spiel: "Wird auf der Anlage nicht mehr gesprungen und beendet die Gemeinde den Pachtvertrag mit dem Grundbesitzer, müssten die Schanzen abgetragen und das Gelände renaturiert werden. Das würde uns wohl mehr kosten als diese 800.000 Euro." Außerdem solle es einen Betreiberverein oder eine Betreiber-GmbH zur Bespielung der Anlagen geben, dafür könne nicht die Gemeinde zuständig sein. "Das muss man sich rechtlich und wirtschaftlich anschauen, was am vernünftigsten ist. Eine anständige Betreiberform ist eine Bedingung des Ministeriums", sagt Haslinger. Er betont, dass ein "relativ großes Konvolut an Personen" an der Umsetzung des Projekts arbeite. "Es steht auch der ÖSV dahinter. Und wir haben Gespräche mit dem Olympiazentrum Rif bezüglich einer möglichen Kooperation geführt."


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