Chronik

Bei Porsche isst man ab 1,50 Euro

Ein Vorbild in Sachen sozialer Gerechtigkeit: In der Porsche-Kantine bezahlen Mitarbeiter ihr Essen abgestuft nach Höhe des Einkommens.

Das schmeckt den rund 2000 Mitarbeitern am Standort Porschehof: Ihr Arbeitgeber legt großen Wert auf gutes und für sie günstiges Essen. Bis zu fünf Menüs stehen im hauseigenen Betriebsrestaurant täglich zur Auswahl: von der veganen/vegetarischen Speisenfolge über "Köstlich Bewährt" (Hausmannskost) bis hin zum "Mahl Spezial", bei dem sich zum Beispiel selbst ein Burger bauen lässt. Rund 900 Essen werden im Schnitt täglich ausgegeben, bis zu 1200 an Montagen, an denen auch die Außendienstmitarbeiter im Haus sind.

Eine Besonderheit ist die soziale Staffelung: Denn der Preis, der fürs Mittagessen verlangt wird, gestaltet sich abhängig vom Gehalt. So berappen Lehrlinge für ein 3-Gänge-Menü gerade einmal 1,50 Euro. Für Top-Verdiener ab 4400 Euro brutto werden 3,30 Euro fällig - was verglichen mit anderen Häusern immer noch ein Schnäppchen darstellt. Silvia Mairhofer macht bei Porsche gerade eine Lehre zur Bürokauffrau. Sie ist im dritten Lehrjahr und isst wie über 50 Prozent der Belegschaft regelmäßig in der Kantine. "Die Leute hier sind nett und zuvorkommend. Beim Essen schmeckt man ganz einfach die Qualität und der Preis ist sowieso unschlagbar", sagt sie.

Abgerechnet wird über die Mitarbeiter-Karte, die gleichzeitig auch den Zutritt ins Gebäude ermöglicht. Am Ende des Monats spiegelt sich die Anzahl der Kantinen-Besuche dann auf der Gehaltsabrechnung wider.

Das Konzept der sozialen Staffelung ist bei Porsche übrigens nicht neu. "Ich bin seit 25 Jahren im Haus und kann mich nicht erinnern, dass es einmal anders gewesen wäre", sagt Wilhelm Strigl. Als Geschäftsführer im Bereich Immobilien ist er auch für das Betriebsrestaurant verantwortlich. Immer mehr Wert gelegt wurde mit den Jahren auf die Qualität der Zutaten. Am Standort Bahnhof gab es vor 20 Jahren noch Tiefkühlkost. Wer mittags essen wollte, musste sich bis 9 Uhr anmelden.

Das läuft heute ganz anders. Der Pächter, die Schweizer SV-Group, garantiert frische Küche aus hochwertigen Rohstoffen. Der Caterer zahlt seine Mitarbeiter, den Wareneinsatz und einen Beitrag zur Instandhaltung. Auf die Miete verzichtet Porsche, schreibt dafür die niedrigen Menüpreise vor und schießt den Differenzbetrag zu. Warum?

"Restaurant und Café sind ein Hotspot der Kommunikation. Und dann ist es natürlich eine Frage der Effizienz. Das Essen im Haus geht vergleichsweise schnell", sagt Strigl. Zudem macht man damit Porsche als Arbeitgeber attraktiv: "Ich glaube durchaus, dass Maßnahmen wie diese bei potenziellen Bewerbern einen Anreiz schaffen, für uns arbeiten zu wollen." Nachsatz: Das - und die Parkplätze.

Ein Mal pro Quartal tritt ein Küchenausschuss zusammen. 15 bis 20 Menschen aus verschiedenen Unternehmensbereichen geben dabei Feedback und regen Verbesserungen an. Ein Prinzip, das offenbar funktioniert, wie eine druckfrische Umfrage der SV-Group zeigt. Sie ließ an ihren 25 Standorten in ganz Österreich die betroffenen Mitarbeiter das Essen bewerten. Der Porschehof Salzburg belegte den ersten Platz. Heißt: Den Leuten mundet's.

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