Chronik

Bergführer verbittert - Naturschutzbund: "Viel Lärm um fast nichts"

Zwei Institutionen - und zwei völlig unterschiedliche Zugänge zum heftig diskutierten Sonderschutzgebietes "Wildnisgebiet Sulzbachtäler" im Nationalpark Hohe Tauern.

Der Konflikt um die geplante Verordnung eines Sonderschutzgebietes im Nationalpark Hohe Tauern geht weiter.  SN/heinz bayer
Der Konflikt um die geplante Verordnung eines Sonderschutzgebietes im Nationalpark Hohe Tauern geht weiter.

Der Verband der Salzburger Bergsportführer "als durch ein Landesgesetz legitimierter Berufsverband aller Berg- u. Skiführer" stelle mit Befremden fest, dass er von der geplanten Verordnung "Wildnisgebiet Sulzbachtäler" erst aus den lokalen Medien erfahren habe. "Nicht einmal durch die für ihn zuständige Behörde über die für die Ausübung des Bergführerberufes gravierenden Einschnitte" wären Informationen geflossen. "Für das Land als Aufsichtsbehörde wäre es unverzichtbar gewesen, unserer Berufsgruppe offiziell geplante Änderungen mitzuteilen und ihr die Möglichkeit zur allfälligen Stellungnahme zu geben; ein Versäumnis, das uns - gelinde gesagt - sehr verwundert!", so Günter Karnutsch, Präsident des Verbandes der Salzburger Bergsportführer.

Mit der Schaffung von Nationalparks und Schutzgebieten wären in der Vergangenheit wichtige Weichenstellungen zum Schutz der Natur gestellt worden, "von denen auch unser Berufsstand merklich profitiert. Dabei ist ein sensibler Umgang mit der Natur die Grundlage für die Nutzung des alpinen Raumes für Freizeit, Erholung und sportliche Betätigung." Gerade deshalb sei der Berg- u. Skiführer bei seiner Berufsausübung stets bemüht, dieser unverzichtbaren Notwendigkeit Rechnung zu tragen, wolle er doch seinen Arbeitsbereich auch für künftige Generationen intakt halten. Dies finde auch im aktuellen Lehrplan der österreichischen Bergführerausbildung seinen Niederschlag.

"Derzeitige Fassung der Verordnung wird von uns abgelehnt"

"Die in der momentanen Fassung vorgelegte Verordnung wird von unseren Mitgliedern entschieden abgelehnt. Die darin formulierte Einschränkung der Wegefreiheit im Bergland kann - um es plakativ auszudrücken - einem Berufsverbot gleichgesetzt werden, bewegt sich doch der Bergführer beruflich mit seinen Gästen vornehmlich abseits markierter Wege und Steige im weglosen, freien alpinen Raum." Gerade auch deshalb werde im Bergsportführergesetz aus dem Jahr 2011 ausschließlich dieser Berufsgruppe das entgeltliche Führen von Gästen gestattet. "Entfällt die Wegefreiheit, sieht sich ein ganzer Berufsstand seines Arbeitsgebietes beraubt, bleibt doch darüber hinaus für die Zukunft ,alpinistisches Neuland' quasi ein Tabu." Dies alles "pikanter Weise" in einem Gebiet, "das Salzburgs höchsten Gipfel sein Eigen nennt und "ohne Übertreibung als Wiege des Salzburger
Bergführerwesens bezeichnet werden kann." Geradezu einer Verhöhnung des Berufsstandes der Salzburger Bergsportführer komme die Aussage des Direktors des Nationalparks Hohe Tauern gleich! (Zitat: SN, 17.02.2017 "Mehr Basisdemokratie geht fast nicht mehr"). "Direktor Wolfgang Urban kennt viele der Pinzgauer Bergführer persönlich, scheint aber auf einem Auge blind zu sein, wenn er bei der Diskussion über die Verordnung eben diese ausspart. Er betont, einem möglichst großen Kreis an Menschen ein Naturerlebnis zu ermöglichen und Besucher und Besucherinnen nicht aussperren zu wollen. Nationalpark-Ranger dürfen mit ihren Besuchern nur auf markierten Wegen unterwegs sein. "Wo findet sich das
Betätigungsfeld des Bergführers?" lautet die Frage von Karnutsch. Und er meint weiter: "Aufgrund des doch beachtlichen Medienechos der letzten Tage scheint man um Beschwichtigung und Schadensbegrenzung bemüht und versucht gleichsam medial zurückzurudern; bloße Willensbekundungen sind jedoch unzureichend. Eine jahrelang erfolgreich praktizierte Zusammenarbeit aller Beteiligten im Sinne von Natur und Mensch sollte damit nicht gefährdet werden. Solange entscheidende Passagen der Verordnung nicht tatsächlich geändert werden, lehnt der Verband der Salzburger Bergsportführer diese mit Entschiedenheit ab!"


"Wildnisgebiet Sulzbachtäler: Viel Lärm um (fast) nichts …."

Ganz anders der Naturschutzbund Salzburg. Der begrüßt die Schaffung des Sonderschutzgebietes "Wildnisgebiet Sulzbachtäler." Dem Nationalpark Hohe Tauern im Land Salzburg sei es gelungen, Flächen zu erwerben und damit das bereits seit 1995 bestehende Sonderschutzgebiet Untersulzbachtal flächenmäßig und auch inhaltlich auszuweiten. Mit der neuen Verordnung solle nun "die natürliche Dynamik des geschützten Gebietes einschließlich seiner Tier- und Pflanzenwelt zur Schaffung eines Wildnisgebietes, das primär von natürlichen Prozessen geprägt und frei von menschlichen Eingriffen ist, erhalten werden", so Hannes Augustin, der Landesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Salzburg. "Das wenig erschlossene und kaum genutzte Untersulzbachtal ist prädestiniert dafür, möglichst unberührt erhalten zu werden. Dazu sollen auch ein paar Regelungen, Gebote, Verbote beitragen. Dies wurde auch in den Gremien des Nationalparks beschlossen, in denen alle maßgeblichen Vertreter auch der örtlichen Interessen gut vertreten sind." Es erstaune ihn daher, dass das Thema nun plötzlich solche Wogen erzeuge.

Grundsätzlich sollte ein Wegegebot - auch aus Gründen der Sicherheit in dem abgelegenen Gebiet - kein Problem sondern vielmehr eine Hilfestellung beim Naturerlebnis darstellen, meint Augustin. Und solange es keine ausgeweitete Bewerbung von Touren in das Wildnisgebiet gebe und sich die Begehung von Steigen, Graten und Gipfeln auf einige "Ötzi-Nachfahren", spezielle Kenner des Gebietes oder wissenschaftliche Untersuchungen beschränke, werde dadurch seitens des Naturschutzbundes auch keine Beeinträchtigung des Schutzgebietes erkannt. Erläuterungen zur Verordnung müssten genügen, um klarzustellen, "dass damit nicht intendiert sei." Wanderer aus dem Schutzgebiet auszuschließen. "Also bitte zurück zur Sachlichkeit."

"Problemfelder des Nationalparks liegen in der Außenzone"

Die Problemfelder beim Nationalpark lägen vielmehr in den mancherorts zu intensiven Nutzungen und Eingriffen im Außenbereich sowie im Nationalpark-Vorfeld im Salzachtal selbst. Dort werde schon die beabsichtigte Ausweisung von Grünkorridoren, die eine lebens- und liebenswerte Landschaft für Tier und Mensch gewährleisten sollen, "reflexartig abgelehnt." Dagegen sei die Debatte "um ein paar Wanderer in den hintersten Sulzbachtälern viel Lärm um fast nichts.

Quelle: SN

Aufgerufen am 14.11.2018 um 02:08 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/bergfuehrer-verbittert-naturschutzbund-viel-laerm-um-fast-nichts-354151

Schlagzeilen