Chronik

Beschwerden werden Alltag

Die Zeit der "Dorfkaiser" ist vorbei. Das Amt des Bürgermeisters ist voller Herausforderungen.

Radstadts Bgm. Josef Tagwercher (ÖVP) wirft einen kritischen Blick auf die komplexen Herausforderungen seines Amtes.  SN/sw/riedler
Radstadts Bgm. Josef Tagwercher (ÖVP) wirft einen kritischen Blick auf die komplexen Herausforderungen seines Amtes.

Gestalter, Manager, Schlichter: Josef Tagwercher (ÖVP) ist seit 20 Jahren und, wie er betont, "mit Leidenschaft" Bürgermeister in Radstadt und Vorsitzender der Pongauer Bürgermeister.

Er wird seine politische Funktion im kommenden Jahr beenden. Noch steht kein Nachfolger fest; die Auswahl an Kandidaten hält sich - wie in den meisten Gemeinden - in Grenzen.

Redaktion:
Redaktion:
Redaktion: Was hat sich im Beruf des Bürgermeisters verändert? Wird er immer anspruchsvoller?
Josef Tagwercher: Rechtlich ist vieles anders geworden. Man muss sorgfältig arbeiten im immer bürokratischer werdenden Amtsbetrieb und es verträgt nicht einmal einen Beistrichfehler in einem Bescheid. Die Menschen werden streitbarer, viele haben eine Rechtsschutzversicherung und zögern nicht, diese auch einzuschalten.

Die Aufgaben werden nicht weniger und die Verteilung von oben nach unten immer mehr. Das fängt beim Nationalrat an, wenn ich dabei nur an das Thema Sicherheit denke.

Die Bürger gehen auch davon aus, dass der Bürgermeister für alles zuständig ist. Wir müssen zwar alles vollziehen, haben aber teilweise keine Vollstreckungsvollmachten, wie etwa beim Thema Lärmerregung.

Steht man als Bürgermeister mit einem Fuß im Kriminal?
Ja. Gott sei Dank ist in meiner Amtszeit nichts Gröberes passiert. Die Eigenverantwortung der Menschen wird weniger und die Aufwendungen zur Beweisführung, wie etwa beim Thema Straßenerhaltung oder Winterdienst, immer höher.

Sind hier Mitarbeiter mit juristischer Ausbildung nötig?
Ja, und teilweise auch vorgeschrieben. Gute Mitarbeiter in der Gemeinde sind wichtig, die Erwartungen und Wünsche der Bürger werden größer.

So kommt der Bürgermeister auf eine 80-Stunden-Woche?
Ja, das ist normal. Das Hauptproblem ist, dass viele Arbeitsstunden am Abend oder auch am Wochenende anfallen. Ich habe mal ausgerechnet, dass ich in drei Wochen, inkl. Wochenenden, zwei Abende frei habe.

Hart verdientes Geld?
Überbezahlt sind wir sicher nicht. Das Problem ist, dass 1998 die Pension für die Bürgermeister abgeschafft wurde. Jetzt müssen wir uns selbst um die Pensionsversicherung kümmern. Wir tragen ja die Verantwortung für viele Menschen und, so wie ich, über ein Riesenbudget von 13 Millionen Euro. Dazu kommen die Mitarbeiter von Kindergärten oder Seniorenheimen, hier müssen wir - aufgrund ihrer vielfältigen Belastungen - immer mehr Krisenmanager sein.

Im Rückblick auf Ihre Arbeit sind Sie zufrieden?
Ja. Ich denke, mir ist fast alles gelungen. Etwa das Kulturzentrum, das 1998 eröffnet und schrittweise ausgebaut wurde. Vieles andere auch, von der Kinderbetreuung über den Ausbau der Schulen bis zur Ortskernstärkung, Friedhofs- und Bauhoferweiterung, neuen Wasser- oder Kanalversorgung etc. Ausstehend wäre noch das Projekt "Neustadt" mit einer Übertunnelung.

Aufgerufen am 29.11.2020 um 03:09 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/beschwerden-werden-alltag-62454418

Tauerntunnel nach Lkw-Brand stundenlang gesperrt

Tauerntunnel nach Lkw-Brand stundenlang gesperrt

Nach dem Brand eines Lkw-Anhängers auf der Tauernautobahn A10 ist der Tauerntunnel am Samstag in Fahrtrichtung Salzburg stundenlang gesperrt worden. Gegen 16.20 Uhr war der Tunnel nach Abschluss der ersten …

Hoffen auf lokalen Verkauf

Hoffen auf lokalen Verkauf

Gut 12.000 Weihnachssterne in leuchtenden Farben und allen Größen warten in der Produktionsgärtnerei von Manfred Tautermann in St. Johann auf ihre Abnehmer. Der zweite Lockdown trifft ihn wieder enorm. Denn …

Schlagzeilen