Chronik

Besuche auch im Lockdown

Bis dato hat die Stadt Salzburg keinen Covid-Fall in einem städtischen Altersheim. Man will alles tun, um auch gut durch die zweite Welle zu kommen.

 Antigen-Tests für 650 Mitarbeiter, Schutz für die Senioren. Bild: Info-z/Alexander Killer SN/sw/alex killer
Antigen-Tests für 650 Mitarbeiter, Schutz für die Senioren. Bild: Info-z/Alexander Killer

Während in der Corona-Seuche in anderen Ländern erschütternde Dinge passierten, hat die Stadt Salzburg die Senioren in ihren Altersheimen sehr gut geschützt. So liefen in Spanien und Frankreich Pflegerinnen und Pfleger aus Überforderung und Angst vor dem Virus schlicht davon oder kamen nicht mehr zur Arbeit. Dort sind Einwohner tatsächlich verhungert. In Italien hat man in der ersten Welle erkrankte Alte auf Kreuzfahrtschiffe verfrachtet und aus den Krankenhäusern in die Heime zurückgebracht, weiß der Leiter der städtischen Senioreneinrichtungen, Christoph Baumgärtner, zu berichten. So etwas könne man sich in Salzburg nicht einmal vorstellen.

Die Stadt Salzburg musste in ihren sechs Häusern bis dato keinen einzigen Covid-Fall eines Bewohners vermelden. Landesweit kam es zu 60 bis 70 Corona-Infektionen in Heimen, so Baumgärtner. "In unseren Häuern haben sich zwei Mitarbeiterinnen angesteckt. Die Abläufe funktionieren jedoch wunderbar. Wir haben im Führungsteam Prozesse erarbeitet und mehrfach evaluiert." Genauso gut will man jetzt durch die zweite Welle kommen.

Es gibt keinen Mangel an Pflegekräften mehr

Das Sozialressort von Anja Hagenauer (SPÖ) hat bereits 90.000 PCR-Tests in den Heimen durchführen lassen. Dort leben 700 Senioren und arbeiten 650 Beschäftigte. Letztere sollen verstärkt mit neuen Antigen-Tests geprüft werden. Diese Tests weisen Fragmente des Virus nach. Der Vorteil: Das Ergebnis liegt in 15 Minuten vor. Es gibt übrigens keinen Mangel an Pflegekräften mehr, alle 320 Planstellen sind besetzt, was bei der Bewältigung der Krise helfen wird. Das Betreuungspersonal ist eine bunt gemischte Truppe, viele Pflegerinnen kommen aus Osteuropa.

Ein besonders wichtiger Punkt für Bewohner wie Angehörige ist das Thema der Besuche. "Wir setzen alles daran, kein Besuchsverbot mehr zu machen. Das ist unser oberstes Ziel", sagt Baumgärtner. Beim ersten Lockdown gab es bekanntlich ein solches Verbot, was massiv kritisiert wurde. Weil sogar Security-Männer vor den Heimen standen, sprach die Bewohnervertretung von einem "Gefängnis". In drei Gerichtsverfahren ging es um Freiheitsberaubung, wovon die Stadt nur eines aus einem Formalgrund verlor.

Man warte auf die neue Lockdown-Verordnung des Bundes, habe aus eigener Initiative jedoch bereits viele Vorkehrungen getroffen. So wurden getrennte Besucherzonen geschaffen, Trennwände aufgestellt; im Heim Hellbrunn wurde die alte Portierloge umfunktioniert. Auch in den Zimmern gibt es Sicherheitsvorkehrungen. Besucher werden nur bei begründetem Verdacht getestet, die Angehörigen seien selbst längst Profis im Prozedere.

Vom Land wünscht man sich allerdings mehr Unterstützung und Interesse, sagt Stadträtin Hagenauer. "Von der Führungsebene des Sozialressorts kommt nichts. Bei den Vernetzungstreffen lässt man sich entschuldigen. Die Stadt macht das Meiste im Alleingang", kritisiert Hagenauer.

Aufgerufen am 23.11.2020 um 03:26 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/besuche-auch-im-lockdown-95257015

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