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Bettler in Salzburg finden neues Elendslager

Sie hausen im Schmutz unter der Autobahn. Sie begeben sich in Lebensgefahr. Und ein fixes Notquartier ist derzeit nicht in Sicht.

Bettler in Salzburg finden neues Elendslager
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Bettler in Salzburg finden neues Elendslager

Es ist laut. Jedes Mal, wenn ein Fahrzeug über die metallenen Dehnungsfugen der Brücke rollt, ertönt lautes Scheppern. Und trotz der großen Baustelle rollen viele Fahrzeuge über diese Brücke, an deren Tragwerk eine Plakette angebracht ist: A1, Talübergang Kasern, Salzburg.

Dieser Talübergang ist seit mehreren Tagen Schlafquartier für mindestens 50 Menschen, die tagsüber in der Stadt Salzburg um Geld betteln.

Es stinkt. Die Zugluft treibt den scharfen Geruch von Urin unter die Brücke. Die steilen Böschungen dienen als Toilette - und als Müllhalde.

Gregor Jadin, Leiter der Autobahnmeisterei Salzburg-Liefering, ist vor wenigen Tagen auf dieses Elendsquartier gestoßen. "Es ist unglaublich", sagt er. "Da, wo wir jetzt stehen, kommt man nur zu Fuß über die Autobahn hin."

Die SN haben Jadin am Montag begleitet - während des Tages, bei Sonnenlicht, mit Warnwesten. Jadin bleibt an der Auffahrtspur Richtung Wien stehen, die gelben Signalleuchten seines Dienstfahrzeugs sind aus großer Entfernung zu sehen.Gefährliche Umgebung Jene Menschen, die unter den beiden Autobahnbrücken in Kasern Unterschlupf gefunden haben, verfügen nicht über diese Sicherheitseinrichtungen. Die Tage werden kürzer, die Dämmerung setzt früher ein. Wenn die Bettler in die Stadt aufbrechen bzw. aus ihr zurückkehren, tun sie das zunehmend in stärkerer Dunkelheit. Das ist nicht nur für sie gefährlich, es ist auch ein Risiko für jene Lenker, die ihnen möglicherweise nicht mehr ausweichen können.

Unter den Schlafstellen auf den Richtung Wien gelegenen Tragwerken fallen die mächtigen Betonsockel fünf Meter senkrecht in die Tiefe, ehe sie in eine sehr steile, mindestens fünf Meter hohe Böschung übergehen. Es gibt keine künstliche Beleuchtung. Wer sich dort in der Nacht bewegt und einen falschen Schritt macht oder stolpert, kann auf den darunter verlaufenden Bahngleisen landen.

Vor einigen Matratzen liegen Kinderschuhe und Kinderspielzeug wie etwa eine zerzauste Barbie-Puppe. Vermutlich halten sich hier auch Kinder auf, zu sehen ist an diesem späten Montagvormittag aber kein Mensch.

"Das ist ein Sicherheitsrisiko"Matratzen, Decken, Jacken, Mäntel, Schuhe, Hosen, Lebensmittel - das alles gehört irgendwem. "Daher können wir das nicht einfach entfernen, wir würden uns vielleicht eine Anzeige wegen Diebstahls einhandeln", sagt Asfinag-Mann Georg Jadin.

Die Autobahnbrücken gehören zwar dem Bund, befinden sich aber auf Stadtgebiet. Damit ist auch Vizebürgermeister Harald Preuner (ÖVP) wieder mit der Causa befasst - nachdem ihm die SN von den Zuständen berichtet hatten. Preuner: "Das ist ein Sicherheitsrisiko. Da muss man mit der Asfinag reden. Die Tragwerke müssen unzugänglich gemacht werden wie etwa bei der Staatsbrücke." Das wird technisch nicht so einfach werden.

Preuners Regierungskollegin Anja Hagenauer (SPÖ), die Sozialreferentin, ist auf anderer Ebene in der Bettlerfrage tätig: "Die Caritas ist bei dem Runden Tisch vor wenigen Wochen gebeten worden, eine fixe Notunterkunft für maximal 40 Menschen zu finden. Das ist in der Stadt aber nicht leicht. Ich hoffe, dass noch vor dem Winter eine Lösung kommt." In "aufsuchender Sozialarbeit" sollen die Bettler künftig verstärkt darauf hingewiesen werden, "was man in Salzburg darf und was nicht".

Zu Fuß über die Autobahn zu gehen ist jedenfalls nicht erlaubt.

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