Chronik

Bewaffneter Überfall auf Trafik in Salzburg: Zwei junge Angeklagte verurteilt

Zwei mit Pistolen bewaffnete junge Männer hatten bei einem Raub in Maxglan rund 2700 Euro erbeutet. Motiv: Schulden. Der 22-jährige Erstangeklagte - er war erst drei Wochen vor dem Überfall wegen anderer Straftaten aus dem Gefängnis entlassen worden - erhielt vier Jahre Haft (nicht rechtskräftig). Der zweitangeklagte 23-Jährige kam mit zwei Jahren Gefängnis davon (rechtskräftig).

Symbolbild.  SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
Symbolbild.

Zwei junge Männer haben sich am Dienstag bei einem Prozess in Salzburg zum Vorwurf des schweren Raubes umfassend geständig gezeigt. Der 22-jährige Tschetschene und der 23-jährige Salzburger erbeuteten am 26. November 2019 bei einem bewaffneten Überfall auf eine Trafikangestellte in der Stadt Salzburg 2714 Euro. Sie entschuldigten sich im Gerichtssaal bei dem Opfer für die "dumme Tat".

Die Angeklagten nannten Geldschulden als Motiv für den Überfall. Die Trafik in Maxglan hätten sie zufällig ausgewählt und vorher noch sechs bis acht Bier getrunken, schilderte der Salzburger. Von ihm stammen auch die Softgun und die Gaspistole, mit denen die vermummten Räuber die Trafikmitarbeiterin um 17.20 Uhr bedrohten und zur Herausgabe des Geldes aus der Kasse nötigten. "Tu das Geld her, nur Scheine", hatte der Tschetschene gefordert. Er steckte die Banknoten ein, sein Komplize das Münzgeld.

Aus der Gaspistole des Salzburgers hatte sich in der Jackentasche noch ein Schuss gelöst, weil seine Hand aus Angst zitterte, wie er erklärte. Die Angestellte blieb unverletzt. Sie erlitt aber einen Schock und wurde traumatisiert. Nach der Auswertung der Bilder aus einer Überwachungskamera wurden die Angeklagten am 29. November festgenommen.

Überfallene Frau redete den Angeklagten ins Gewissen

"Es war eine leichtsinnige, dumme Tat", gestand der ein Mal vorbestrafte Salzburger ein. Er hat die Tat bereits nach der Festnahme gestanden. "Es war eine Schnell-schnell-Aktion." Er erhob sich im Gerichtssaal und entschuldigte sich per Handschlag bei der Frau. Und er überreichte ihr auch noch einen Entschuldigungsbrief. Der mehrfach vorbestrafte Tschetschene, der die Tat im Ermittlungsverfahren noch leugnete und den Überfall heute als "eine unüberlegte Dummheit" bezeichnete, entschuldigte sich verbal bei dem Opfer, blieb aber sitzen.

Die Angestellte hatte den beiden zuvor ins Gewissen geredet. "Ich glaube, ihr hattet jetzt eine gewisse Zeit, darüber nachzudenken." Sie habe Angst gehabt und ihre Familie, vor allem auch ihre herzkranke Mutter, habe sich große Sorgen um sie gemacht. "Schaut, wenn ihr wieder heraußen (aus dem Gefängnis, Anm.) seid, dass ihr einen graden Weg geht. Ihr wisst, was ihr mir angetan habt", sagte sie unter Tränen.

Tschetschene erst drei Wochen vor Überfall aus Gefängnis entlassen

Der Tschetschene war nach seiner letzten Verurteilung frühzeitig am 5. November 2019 bedingt aus der Haft entlassen worden. Drei Wochen später verübte er den Trafiküberfall. "Ich hatte gute Pläne, aber keine Möglichkeit zu schlafen", sagte er zur Vorsitzenden Richterin Anna-Sophia Geisselhofer. Er habe keine Wohnmöglichkeit gehabt und deshalb auf der Straße gelebt. Er bezifferte die Höhe seiner Schulden mit 5000 Euro aus früheren Strafverfahren. Eine Lehre hat er abgebrochen. "Mit 600 Euro bin ich nicht ausgekommen."

Sein Verteidiger brachte psychosoziale Argumente zur Sprache. Der Angeklagte sei ein Kriegsflüchtling, durch ein Trauma zeige sich bei ihm eindeutig ein abweichendes Verhalten von der gesellschaftlichen Norm. Er habe nicht die Sicherheit eines sozialen Netzes gehabt. "Er ist aber kein Schwerkrimineller", betonte der Anwalt.

Er gab auch wie die Verteidigerin des zweitangeklagten Salzburgers zu bedenken, dass "jahrelanges Wegsperren" nichts nütze. Viel zielführender sei eine hochwertige Bewährungshilfe. Der Salzburger habe bereits eine Arbeitszusage vorliegen und möchte ins Berufsleben starten, wenn er aus dem Gefängnis komme, erklärte die Anwältin. Er hat 12.000 Euro "Miet- und Überziehungsschulden" und zuletzt teils "schwarz gearbeitet", hatte der 23-Jährige zu Prozessbeginn erklärt.

Opferanwalt Stefan Rieder forderte einen Privatbeteiligten-Zuspruch von 5000 Euro, den die Beschuldigten auch anerkannten.

Senat verhängte für Überfall vier bzw. zwei Jahre Gefängnis

Der Schöffensenat verurteilte die beiden Angeklagten zu unbedingten Haftstrafen. Der erheblich vorbestrafte 22-jährige Tschetschene erhielt vier Jahre Gefängnis, zudem wurde eine noch offene bedingte Haftstrafe in Höhe von sechseinhalb Monaten widerrufen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der 23-jährige Zweitangeklagte erhielt zwei Jahre unbedingte Haft (rechtskräftig).

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