Chronik

Bis zu 20 Jahre Haft möglich: Bankräuber in Salzburg vor Gericht

Angestellter dürfte bis zur Pensionierung an den traumatischen Folgen des Überfalls leiden. Der Angeklagte sagt, er sei zur Tat gezwungen worden. Urteil verzögert sich wohl um Monate.

Nach einem Bankraub in der Stadt Salzburg im Frühjahr 2018 hat sich am Freitag einer der Täter schon zum zweiten Mal vor Gericht verantworten müssen. Weil ein Angestellter des Geldinstituts seit dem Überfall an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, die seine Arbeitsfähigkeit wohl bis zur Pensionierung einschränken wird, fällte die Richterin im ersten Prozess ein Unzuständigkeitsurteil.

Die Anklage beim neuen Verfahren - nun entscheiden keine Schöffen, sondern Geschworene über das Schicksal des Beschuldigten - lautet auf schweren Raub mit schweren Dauerfolgen. Strafrahmen: Zehn bis 20 Jahre. Vor Gericht steht dabei ein 38-jähriger Serbe, der am 23. April 2018 in der Stadt Salzburg gemeinsam mit zwei Mittätern eine BAWAG-PSK-Filiale überfallen haben soll. Das Trio war damals in den frühen Morgenstunden in den Hinterhof der Bank gestiegen und hatte dort ein Glasfenster aus der Verankerung geschraubt. Die Räuber betraten das Gebäude aber nicht, sondern warteten, bis der erste Angestellte eintraf und die Alarmanlage deaktivierte. Dann stürmen sie auf den Mann zu.

Die Räuber drückten den Bankmitarbeiter zu Boden, zogen ihm seine Jacke über den Kopf und fesselten ihn mit Kabelbindern an Händen und Füßen. Während einer der Täter mit den Schlüsseln des Mannes den Tresor öffnete, wurde ihm mehrfach eine Schusswaffe an den Kopf gesetzt. Der Angestellte musste dann auch noch ein Schließfach öffnen.

Die drei Bankräuber leerten eine mitgebrachte Flüssigkeit auf die Fensterscheibe und den Tresor, um Spuren zu zerstören, und entkamen mit fast 43.500 Euro Bargeld und 40 Goldmünzen im Wert von gut 5000 Euro. Sie ließen den Mitarbeiter gefesselt zurück, der Mann konnte sich aber rasch selbst befreien. Er erlitt Abschürfungen und Prellungen und leidet laut einem Gutachten seit dem Überfall an einer akuten posttraumatischen Belastungsstörung und einem Trauma. "Ich hatte Todesangst und bekam keine Luft", hatte er im ersten Verfahren gesagt. Die Expertise geht von einer partiellen Berufsunfähigkeit (20 Prozent Minderung) aus, die den Mann bis zum Ende seines Arbeitsleben begleiten wird. Seit dem Überfall kann er nur mehr im Backoffice der Bank arbeiten.

Während von einem der beiden anderen Räuber weiter jede Spur fehlt, soll der zweite Komplize mittlerweile verstorben sein. Der Serbe selbst wurde anhand von in der Bank gefundenen DNA-Spuren identifiziert und später verhaftet. Der Lkw-Fahrer und Vater einer 13-jährigen Tochter räumte heute seine Beteiligung am Überfall ein. Er sei aber von seinen Mittätern zuerst nach Salzburg gelockt, in einer Wohnung festgehalten und letztlich gezwungen worden, am Überfall mitzumachen. "Sie haben mir Fotos von meiner Mutter und Tochter gezeigt und ihnen Gewalt angedroht", sagte er heute.

"Das klingt vielleicht sehr abenteuerlich, aber es spricht nichts gegen die Version. Mein Mandant wird sich nicht schuldig bekennen", sagte auch der Verteidiger des Serben und beantragte einen Freispruch. Der 38-Jährige selbst sagte aus, er habe die Kabelbinder nicht sehr fest angezogen, damit sich der Bankmitarbeiter rasch befreien könne.

Der Staatsanwalt sprach hingegen von einer akribisch geplanten Tat. Dafür spreche etwa, dass die drei Räuber während des Überfalls kein einziges Wort miteinander gesprochen haben. Der angeklagte Lkw-Fahrer ist übrigens kein unbeschriebenes Blatt. Der Serbe saß nicht nur in Österreich schon einmal wegen eines Suchtgifttransports in Haft, er wird auch in Deutschland per Haftbefehl wegen einer Reihe von Diebstählen gesucht.

Prozess vertagt

Am Freitagnachmittag ist der Prozess überraschend aus einem formalen Grund vertagt worden. Denn um ein Urteil über den 38-jährigen Serben sprechen zu können, ist noch eine Zustimmung der Justiz in Bosnien notwendig, wo der Angeklagte nach der Tat festgenommen wurde.

Der Verdächtige war ursprünglich wegen des Vorwurfs des bewaffneten Raubs von den bosnischen Behörden nach Österreich ausgeliefert worden. Durch das Unzuständigkeitsurteil im ersten Prozess war am Freitag jedoch ein Delikt mit einem höheren Strafhöchstmaß angeklagt. Wegen der Dauerfolgen, an denen der überfallene Bankangestellte seit der Tat leidet, beträgt dieses 20 statt 15 Jahre Haft. Dazu hätte die Salzburger Justiz aber einen Nachtragsauslieferungsantrag bei den bosnischen Behörden stellen müssen.

"Der Angeklagte hätte darauf heute zwar verzichten können, er hat es aber nicht getan", erklärte der Privatbeteiligtenvertreter Stefan Rieder nach dem Prozess der APA. Der Anwalt rechnete am Freitag damit, dass sich das Urteil dadurch um Monate verzögern könnte.

Quelle: SN

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