Chronik

Blick ins Weltall für alle: Europas modernste öffentliche Sternwarte öffnet in Salzburg

Nur wenige Kilometer nördlich der Stadt Salzburg geht am Samstag die modernste und leistungsstärkste öffentliche Sternwarte Mitteleuropas in Betrieb. Der Bau am Haunsberg ersetzt die über 30 Jahre alte Volkssternwarte des Hauses der Natur und steht nicht nur der Forschung zur Verfügung. Zwei Tage die Woche können Interessierte ohne Voranmeldung spektakuläre Blicke ins All werfen.

Besichtigung der neuen Sternwarte am Donnerstag: Salzburgs Bürgermeister Harald Preuner, Haus-der-Natur-Chef Norbert Winding, Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Helmut Windhager, Landesrätin Andrea Klambauer, Egon Döberl. SN/www.neumayr.cc
Besichtigung der neuen Sternwarte am Donnerstag: Salzburgs Bürgermeister Harald Preuner, Haus-der-Natur-Chef Norbert Winding, Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Helmut Windhager, Landesrätin Andrea Klambauer, Egon Döberl.

Die neue VEGA-Sternwarte verfügt über zwei Besucherkuppeln, wobei sich die größere der beiden im Schalensystem vollständig öffnen und 360 Grad drehen lässt. Sie beherbergt ein Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 1.000 Millimetern. Je nach verwendetem Okular lässt sich eine bis zu tausendfache Vergrößerung erzielen. Mit dem Fernrohr sind damit nicht nur Blicke in Millionen Lichtjahre entfernte Galaxien möglich. Bei klarem Himmel kann man etwa Astronauten der internationalen Raumstation ISS beim Weltraumspaziergang sehen, Satelliten verfolgen oder Weltraumschrott beobachten.

Das kleinere Teleskop hat einen Spiegeldurchmesser von 400 Millimetern und dient der Erforschung und Fotografie näher liegender Himmelskörper. Mit ihm lassen sich sehr große Objekte wie die Sonne oder der Mond ganz darstellen oder fotografieren. Das Teleskop steht dabei in einer Spaltkuppel, die besten Windschutz bei langen Belichtungszeiten ermöglichen soll.

Bilder aus beiden Teleskopen können direkt auf die Leinwand eines großen Vortrags- und Veranstaltungssaals im Gebäude geworfen werden. "Das wirklich tolle ist aber, dass Gäste live in den Himmel blicken können. Die Saturnringe oder den Jupiter einfach durch das Objektiv zu beobachten, das ist schon ein Erlebnis", schwärmte Helmut Windhager, der Leiter der Astronomischen Arbeitsgruppe am Haus der Natur, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

"Es ist eine Sternwarte für alle - mit sehr hohem Qualitätsanspruch", erklärte auch Haus der Natur-Direktor Norbert Winding. Im Gegensatz zu reinen Forschungsobservatorien stehen neben dem wissenschaftlichen Anspruch auch Vermittlung und gesellschaftlicher Auftrag im Fokus. "Wir wollen möglichst viele auch junge Menschen für Astronomie und Weltraumforschung begeistern."

Dass der Bau überhaupt realisiert werden konnte, geht dabei auf die Initiative eines privaten Sponsors zurück. Der Gründer, Geschäftsführer und Mehrheitseigentümer der Salzburger VEGA-Logistik-Gruppe, Franz Blum, steuerte letztlich die Hälfte der rund 2,6 Millionen Euro Baukosten bei. Weil auch der Architekt und die Baufirma zum Selbstkostenpreis gearbeitet haben, bezifferte Winding den Wert des Gebäudes mit rund 3,4 Millionen Euro.

Unterstützt wurde das Projekt dabei auch von Egon Döberl, der mit seiner Mühlviertler Firma ASA (Astro Systeme Austria) deutlich leistungsfähigere Teleskope bereitstellte, als sich die Sternwarte hätte leisten können. Sein Unternehmen ist weltweit die einzige Firma, die sämtliche Komponenten ihrer Teleskope selbst herstellt. Selbst das Schleifen der Spiegel - auf den 50.000 Teil eines Millimeters genau - passiert in-house. "Wir bauen viele Teleskope für renommierte Institutionen weltweit. Aber das Haus der Natur macht hier ein hochpräzises Gerät der breiten Öffentlichkeit zugänglich, wie es sonst nur von Wissenschaftern und Profis genutzt wird", erklärte Döberl. Ähnliche Bauten würden meist in exponierten Lagen stehen und nur sehr schwer zugänglich sein.

Die Finanzierung der VEGA-Sternwarte wurde zu 70 Prozent von privaten Sponsoren und Spendern getragen, gut 30 Prozent kamen von Land, Stadt und den drei Anrainergemeinden.

Quelle: APA

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