Chronik

Bloggen lernen an der Uni

Ein Student, ein Blog. Was bei manchen als Hobby begonnen hat, ist mittlerweile ein Nebenjob. In einem Seminar an der Universität Salzburg wird gelehrt, wie man erfolgreich einen Blog aufbaut.

Bloggen lernen an der Uni SN/privat
Die junge Bloggerin Eva Langmayr.

Konkret handelt es sich um das Seminar "Informationsprodukte, Blogs und Social-Media", das im Sommersemester 2016 das erste Mal angeboten wurde. Die Lehrveranstaltungen stieß bei den Studierenden auf großes Interesse: Zwanzig Personen durften teilnehmen - die Warteliste war doppelt so lang. In den ersten Einheiten des "Blogger-Seminars" bekamen die Studierenden einen Überblick über die deutschsprachige Blogosphäre und die bekanntesten Blogs wurden vorgestellt. Ein zentrales Thema waren auch relevante Vermarktungsstrategien. Auf das theoretische Wissen aufbauend, durften die Teilnehmer individuelle Blogs erstellen. Dabei wurde einerseits auf die technische Umsetzung und das Design, andererseits auch auf die inhaltliche Umsetzung eingegangen. Am Ende der Lehrveranstaltung hatten alle Studenten einen eigenen Blog mit einem abgestimmten Social-Media-Auftritt.

Geleitet wird das Seminar von Kommunikationswissenschaftler Robert Bichler, der selbst als Blogger aktiv ist. Der Lektor weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Zeit man in einen Blog investieren muss: Der Besuch von Bloggerkonferenzen, das kontinuierliche Schreiben und Betreuen von Social-Media-Kanälen stehen an der Tagesordnung. Besonders wenn man sich zum Ziel setzt, eines Tages mit Unternehmen zu kooperieren und Geld mit dem Blog zu verdienen.

Bichler hat im vergangenen April mit zwei Kollegen die Austrian Blogger Conference, kurz "ABCstar", initiiert. Diese und ähnliche Veranstaltungen dienen zum Wissenstransfer und zum Vernetzen mit anderen Bloggern und Unternehmen. "Das Mitwirken und Vernetzen ist das Um und Auf, auch auf Social-Media-Kanälen. Im Jahr 2016 ist ein Blog ohne nebenbei auf Twitter, Instagram oder Facebook aktiv zu sein, kaum vorstellbar", beschreibt Bichler. Dieses Know-how gibt der Blogger an seine Studierenden weiter. Bichler möchte die Studenten auch in beruflicher Hinsicht auf die Blogsphäre aufmerksam machen, da das Medium "Blog" für Unternehmen immer wichtiger wird.

Nach einem Rückgang der Anzahl an Blogs Ende der Nullerjahre, liegt das Bloggen seit Beginn der Zehnerjahre wieder im Trend. Dieser Trend wird sich nach Einschätzungen von Bichler in den kommenden Jahren fortsetzten. Wie ist es also möglich, bei dieser Fülle einen Blog zu gründen, der etwas einbringt? Laut Bichler gilt folgendes Prinzip: Je kleiner und spezifischer die Nische des Themas ist, desto loyaler würden die Leser sein und desto leichter wäre es, bezahlte Kooperationen zu erhalten.

Aus dem Leben einer Bloggerin: Interview mit Eva Langmayr

Eva Langmayr ist 20 Jahre alt und schreibt auf ihrem Blog "Bits and Bobs by Eva" über Kleinigkeiten aus ihrem Leben. Die Oberösterreicherin beschäftigt sich dabei mit den Themen Essen, Fitness, Mode und Reisen. Die Studentin hat sich ihr Wissen über das Bloggen nicht in einem Seminar, sondern selbst angeeignet. Sie gibt einen Einblick, wie es ist, einen Blog als Nebenjob zu haben und wie ihr das Studium weiterhilft.

SN: Wie entstand die Idee für "Bits and Bobs by Eva" und wann haben Sie Ihren Blog gegründet?
Meinen Blog gibt es jetzt seit Jänner 2015, die Idee dazu entstand ursprünglich gemeinsam mit meiner Freundin Anna-Laura Kummer (YouTuberin).

SN: "Bits and Bobs" bedeutet zu Deutsch Kleinigkeiten beziehungsweise besondere Dinge. Wieso haben Sie sich für diesen Namen entschieden?
Nachdem ich mich themenmäßig nicht festlegen wollte, sondern meinen Lesern einfach verschiedene Kleinigkeiten aus meinem Leben zeigen wollte, kam es zu diesem Namen.

SN: Wie viele Leser haben Sie monatlich?
Momentan sind es mehr als 80.000 Seitenaufrufe im Monat - Tendenz steigend.

SN: Wie genau verdienen Sie mit Ihrem Blog Geld?
Meine Haupteinnahmequelle sind bezahlte Kooperationen, danach kommen sogenannte Affiliate Links. Das ist ein Programm mit dem ich zum Beispiel Produkte verlinke, die ich getragen habe. Wenn meine Leser diese Produkte nachshoppen, bekomme ich eine prozentuelle Provision. Meine Leser zahlen dabei jedoch keinen Cent mehr.

SN: Wie wichtig ist Ihnen bei Kooperationen mit Unternehmen die Transparenz?
Kooperationen werden auf meinem Blog immer klar gekennzeichnet. Wenn Unternehmen mit dem Satz beginnen: "Eigentlich wollen wir keine gekennzeichnete Werbung", lehne ich die Kooperation sofort ab. Meistens deklariere ich Kooperationen am Ende eines Beitrags mit "In freundlicher Kooperation mit Unternehmen XY". Auf Facebook und Instagram setze ich immer den Hashtag "#ad", für "advertorial".

SN: Würden Sie Ihren Blog als Nebenjob bezeichnen?
Er ist definitiv zu einem guten Nebenjob geworden. Als ich ursprünglich mit dem Bloggen begonnen habe, hätte ich mir nie gedacht, dass ich damit einmal Geld verdienen werde.

SN: Wie viel Zeit investieren Sie täglich in Ihren Blog?
Er ist zeitaufwendig, aber nicht belastend. Ich kann mich ziemlich gut organisieren und deswegen ist für mich alles eine Sache der Einteilung. Normalerweise verbringe ich täglich vier bis fünf Stunden mit Blogarbeit, exklusive Events, Meetings und Ähnlichem.

SN: Wie lange hat es ungefähr gedauert bis Sie die ersten Kooperationsanfragen erhalten haben?
Meine erste richtige bezahlte Kooperation hatte ich im Mai 2015, also ungefähr nach vier bis fünf Monaten regelmäßigen Bloggens. Am Anfang ist es ganz wichtig viel zu netzwerken und aktiv Unternehmen anzuschreiben, die zu einem selbst und zu den eigenen Lesern passen.

SN: Sie studieren derzeit im vierten Semester Internationale Betriebswirtschaft. Hat Ihnen ihr Studium beim Bloggen geholfen?
Ich glaube, dass mein Wirtschaftsstudium sicher positiv zu meinem unternehmerischen Denken beiträgt. Und wenn man immer erfolgreicher wird, Kooperationen eingeht, quasi ein kleines Einzelunternehmen führt, dann braucht man auch ein gewisses wirtschaftliches Verständnis. Mein Studium interessiert mich unglaublich und ich bin überzeugt davon, dass es mir für die Zukunft sehr viel bringt.

SN: Was würden Sie Personen raten, die gerade dabei sind einen Blog aufzubauen?
Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen und die richtigen Beweggründe. Viele Blogger machen den Fehler und starten einen Blog nur um Geld zu verdienen. Ein Blog macht aber viel Arbeit und der zeitliche Aufwand ist Regelfall viel größer als gedacht. Gerade in den ersten Monaten kann man sich glücklich schätzen, wenn einige wenige Leute den Blog lesen.

Dieser Beitrag wurde von Studenten der Universität Salzburg im Rahmen einer Lehrredaktion in Kooperation mit den "Salzburger Nachrichten" erstellt.

Quelle: SN

Aufgerufen am 23.10.2018 um 05:10 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/bloggen-lernen-an-der-uni-1008706

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