Chronik

Blumenhaus hat zugesperrt: "So stirbt der Ort aus"

Der Traditionsbetrieb Schwaighofer gab auf, die Begegnungszone samt Einbahn-Regelung hätten den Umsatz einbrechen lassen. Nur im Glashaus wird in kleinerem Rahmen weiter verkauft.

Katharina Schwaighofer (l.), Michael Lageder und Patricia Schwaighofer in ihrem Glashaus, das als kleiner Blumen-Nahversorger für die Kunden offen bleibt.  Bild: Rachersberger SN/sw/andreas rachersberger
Katharina Schwaighofer (l.), Michael Lageder und Patricia Schwaighofer in ihrem Glashaus, das als kleiner Blumen-Nahversorger für die Kunden offen bleibt.  Bild: Rachersberger

So war das nicht geplant: Von einem belebten Ort ist die kurze Begegnungszone in der Oberen Lofererstraße kilometerweit entfernt. Und es wird nicht besser. Ein Traditionsbetrieb sah sich gezwungen, die Ladentür zu schließen. Am Ostersamstag war im Blumenhaus Schwaighofer offiziell zum letzten Mal geöffnet, bis vorigen Samstag lief noch ein Abverkauf, sechs Angestellte verloren ihren Job.

Das Geschäft am Standort nahe des Friedhofs wurde vor 55 Jahren von ihren Eltern Karl und Marianne gegründet, seit 1987 lenkt Patricia Schwaighofer die Geschicke. Nun schwingt bei der Floristen-Meisterin, die einst als beste Blumenstrauß-Gestalterin Österreichs ausgezeichnet wurde, große Wehmut mit: "Noch mehr hätten wir uns nicht bemühen können. Hier steckt mein Lebenswerk drin, ich habe das immer mit Liebe gemacht." Der Umsatz sei pro Tag um bis zu 30 Prozent eingebrochen, sagt Schwaighofer. Natürlich habe sich auch das Einkaufsverhalten der Leute geändert, auch Blumen würden vermehrt in Supermärkten gekauft. Aber ein erheblicher Anteil an den Einbußen sei der seit eineinhalb Jahren geltenden neuen Verkehrssituation mit Einbahnregelung zuzuschreiben. "Viele Leute kommen nicht mehr, weil sie fürchten, vor dem Geschäft keine Parkmöglichkeit vorzufinden, durch Falschparken gestraft zu werden und dazu durch die Einbahn mit Umwegen konfrontiert sind", betont die Floristin.

Man sei zwar für eine Umgestaltung mit Begegnungszone gewesen, berichtet Lebensgefährte Michael Lageder, habe aber vor einer Einbahn gewarnt. Das Bild, das die Straße nun abgebe, sei ernüchternd. Schwaighofer: "So stirbt der Ort aus. Es ist eigentlich eine ,Totenzone' geworden. Man sieht sehr wenige Leute, die Frequenz hat abgenommen." Zugeklebte Wettlokale und das nach wie vor ungenutzte Geschäftslokal, in dem zuletzt das Restaurant "Emmy's" angesiedelt war, tun ihr Übriges dazu bei.

Für Bürgermeister Erich Rohrmoser (SPÖ) ist es nicht ganz verständlich, "den Schwarzen Peter der Gemeinde zuzuschieben". Die Zufahrt sei auch von der anderen Seite möglich, die Einbahn beginne erst danach. Außerdem sei das Halte- und Parkverbot vor dem Geschäft für Ladetätigkeiten ausgenommen worden. Die Schließung kam für den Ortschef überraschend - und schmerzt: "Es ist sehr schade, so einen super Betrieb, der stets hohe handwerkliche Qualität geboten hat, zu verlieren. Ein Wahnsinn für die Obere Lofererstraße." Die Entwicklungen in diesem Bereich seien nun "eine große Herausforderung für alle". Die Verkehrssituation werde erneut geprüft.

Ganz vorbei ist es mit den floristischen Bemühungen des Familienbetriebs nicht. Als Nahversorger mit Blumen und Pflanzen für Grab, Balkon und Freiland ist das Glashaus in der Gasse Richtung Friedhof geöffnet. Auch die Grabpflege bleibt weiter im Angebot - oder etwa die floristische Dekoration für Hochzeiten.

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