Chronik

Bluttat von Zell am See: 17-Jähriger schweigt bislang zum Mordvorwurf

Nach dem Mord an einer 20-Jährigen sitzt nun ein 17-Jähriger in U-Haft. Man fand die mutmaßliche Tatwaffe bei ihm. Zur Sache sagte er noch nichts.

In diesem Wohnhaus in Zell am See kam es am 20. Oktober zum Mord. SN/robert ratzer
In diesem Wohnhaus in Zell am See kam es am 20. Oktober zum Mord.

Knapp zehn Wochen nach den tödlichen Schüssen auf eine 20-jährige Frau in Zell am See könnte die Aufsehen erregende Bluttat nun vor der Klärung stehen: Am vergangenen Sonntag, dem 23. Dezember, hat die Polizei einen 17-jährigen Pinzgauer im Zusammenhang mit der kaltblütigen Ermordung der gelernten Modeverkäuferin festgenommen.

Vorgestern, am Stefanitag, wurde über den bislang unbescholtenen Burschen die Untersuchungshaft verhängt. Peter Egger, Sprecher des Landesgerichts: "Der zuständige Journalrichter sieht einen dringenden Tatverdacht in Richtung Mord. Er nahm beim 17-jährigen Beschuldigten die Haftgründe der Tatbegehungsgefahr, der Verdunkelungsgefahr und der Fluchtgefahr an."

Die junge Frau war am 20. Oktober im Eingangsbereich ihrer Wohnung in einem Mehrparteienhaus nördlich des Stadtzentrums von Zell am See erschossen worden. Gegen 21.30 Uhr. Aus kurzer Distanz. Durch mehrere Schüsse in den Oberkörper. Laut Obduktion verblutete die einheimische 20-Jährige innerlich.

Drei Tage nach der Bluttat hatte die Polizei eine Personenbeschreibung veröffentlicht - ein Zeuge hatte damals kurz nach 21.30 Uhr einen unbekannten Mann beim Verlassen des Hauses gesehen und diesen als schlank und 1,70 Meter groß beschrieben.

Laut Polizei kam man dem nun in U-Haft sitzenden Teenager aber "aufgrund von Erkenntnissen aus dem ,digitalen Fußabdruck' des Mordopfers" auf die Spur. Die junge Frau war auf mehreren Social-Media-Plattformen sehr aktiv und hatte einen sehr großen Bekanntenkreis. Ein Bekannter von ihr war auch der 17-Jährige.

In diesem Wohnhaus in Zell am See kam es am 20. Oktober zum Mord. SN/APA/FRANZ NEUMAYR
In diesem Wohnhaus in Zell am See kam es am 20. Oktober zum Mord.

Am vergangenen Wochenende wurde der Bursch von Ermittlern an seinem Arbeitsplatz aufgesucht. Dabei hatte er laut Polizei eine Schreckschusspistole bei sich, die zu einer - potenziell tödlichen - Schusswaffe umgebaut war. Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung an seinem Wohnort im Bezirk Zell am See wurde noch eine zweite umgebaute Pistole sichergestellt. Wie die Polizei mitteilte, handelt es sich bei einer der beiden Pistolen so gut wie sicher um die Tatwaffe: "Eine erste waffentechnische Überprüfung beim Bundeskriminalamt ergab eine höchstwahrscheinliche Übereinstimmung mit den am Mord-Tatort und mit den im Zuge der Obduktion des Opfers sichergestellten Spuren."

Der junge Mordverdächtige wird vom Salzburger Rechtsanwalt Michael Ringl verteidigt. "Ich habe mit meinem Mandanten und mit seinen Eltern bereits gesprochen und bin dabei, die Vorwürfe genau zu prüfen", so Ringl im SN-Gespräch. Bis einschließlich Donnerstag hatte sich der 17-Jährige gegenüber der Polizei noch nicht zum Tatvorwurf geäußert.

Nähere Informationen zum Tatverdächtigen oder auch zu einem allfälligen Tatmotiv teilten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht mit. Laut Marcus Neher, dem Sprecher der Staatsanwaltschaft, laufen die Ermittlungen - auch in Richtung möglicher weiterer Tatverdächtiger oder Mittäter - nach wie vor auf Hochtouren. In der Polizeiaussendung vom Donnerstag heißt es dazu, dass sich die weiteren Ermittlungen "auf Überprüfungen und Auswertungen der gewonnenen Erkenntnisse sowie auf weitere Vernehmungen von Zeugen, Auskunftspersonen und des Tatverdächtigen erstrecken würden. Sobald alle Fakten überprüft und die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen seien, werde es eine abschließende Presseinformation des Landeskriminalamtes gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft geben.

SN-Recherchen zufolge kannten sich das spätere Mordopfer und der nunmehr Tatverdächtige schon seit längerem. Zur Frage, ob die Ermordung der 20-Jährigen ihren Hintergrund im Drogenmilieu habe, geben Polizei und Staatsanwaltschaft keine Auskunft.

Im Fall einer Verurteilung wegen Mordes oder auch der Beteiligung an einer vorsätzlichen Tötung drohen einem 17-Jährigen - rechtlich gesehen ein Jugendlicher - bis zu 15 Jahre Haft.

Bezog Tatverdächtiger Drogen vom Opfer?

Die SN hatten schon davon berichtet: Die am 20. Oktober ermordete junge Zellerin war einige Zeit lang in die Pinzgauer Drogenszene verstrickt. Gegen die 20-Jährige war sei Mai dieses Jahres bei der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Suchtgifthandels anhängig.

Konkret soll die junge Frau zwischen Juni 2017 bis zum Mai rund fünf Kilogramm Marihuana an mehrere Dutzend Abnehmer gewinnbringend verkauft haben. Die 20-Jährige war saß deshalb ab Ende Mai sogar zwei Wochen in U-Haft.

Brisant ist überdies: SN-Recherchen zufolge war auch der jetzt wegen Mordverdachts verhaftete 17-Jährige offenbar ein Kunde der später ermordeten jungen Frau. Mehrmals soll der 17-Jährige zu ihr in die Wohnung gekommen sein und dort jeweils einige Gramm Marihuana gekauft haben. Faktum ist, dass die Staatsanwaltschaft kürzlich eine Gruppe von neun Personen aus der Region Zell am See wegen Handels mit Cannabisprodukten sowie der Aufputschdroge Speed angeklagt hat. In der noch nicht rechtskräftigen Anklage wird auch mehrmals auf die später ermordete junge Pinzgauerin als mutmaßliche Suchtgiftverkäuferin Bezug genommen.

Aufgerufen am 20.10.2021 um 07:25 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/bluttat-von-zell-am-see-17-jaehriger-schweigt-bislang-zum-mordvorwurf-63133402

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