Chronik

Bodycams bei den ÖBB - Zugbegleiter dürfen aggressive Fahrgäste jetzt filmen

Die ÖBB statten ihre Zugbegleiter im Nahverkehr mit Bodycams aus. So soll das Sicherheitsempfinden bei Kunden und Personal gesteigert werden.

"Ich weise Sie darauf hin, dass ich jetzt die Kamera aktiviere und Sie aufnehme." - Diesen Satz könnten ÖBB-Fahrgäste im Salzburger Nahverkehr nun hin und wieder zu hören bekommen.

Denn die Zugbegleiter werden - wenn sie es wünschen - mit Bodycams ausgestattet. 14 solcher Geräte haben die ÖBB angeschafft. Damit können alle Zugbegleiter im Einsatz - beziehungsweise jeweils einer eines Zweierteams - mit einer solchen Bodycam ausgestattet werden.

Sowohl für Stephanie Anton als auch Andreas Poms besteht kein Zweifel, dass sie das Angebot annehmen werden. "Für mich, aber auch für die Fahrgäste bedeutet das mehr Sicherheit", erklärt Stephanie Anton.

Sie ist erst seit wenigen Monaten ÖBB-Zugbegleiterin. Situationen, in denen sie sich eine Bodycam gewünscht hätte, hat sie zwar noch keine erlebt, aber: Vorbeugen ist eben besser.

Davon ist auch ihr Kollege Andreas Poms überzeugt. "Wenn ich von einem Fahrgast ohne Fahrschein einen Ausweis verlange und er sich weigert, laut und handgreiflich wird, kann ich die Kamera einschalten", schildert er. Zur Demonstration schaltet er die Bodycam ein. Das Display leuchtet auf, der Fahrgast sieht sich darin selbst. "Er wird also überlegen: Halt, da wird mitgefilmt, ich nehme meine Kraft heraus", sagt Poms.

Genau das ist auch die Intention der Bodycam. Sie heißt so, weil die Minivideokamera am Körper bzw. an der Uniform getragen wird, sie kann bei Bedarf eingeschaltet werden. Voraussetzung: Der Fahrgast muss darauf hingewiesen werden, dass er nun gefilmt wird. "Wir sind überzeugt, dass die Bodycams eine präventive Wirkung haben werden - alleine schon weil sie sichtbar getragen werden oder weil Zugbegleiter darauf hinweisen", sagt ÖBB-Regionalmanager Wolfgang Piesch. Salzburg ist nach Kärnten und der Steiermark das dritte Bundesland, in dem die ÖBB ihre Zugbegleiter im Regionalverkehr mit Bodycams ausstattet. Man habe bislang nur gute Erfahrungen gemacht. Allein schon die Ankündigung von Videoaufnahmen habe in den allermeisten Fällen zur Deeskalation beigetragen. Und: "Seit dem flächendeckenden Einsatz ab Juni ist es in Kärnten und der Steiermark zu keinen nennenswerten Vorfällen mehr gekommen", berichtet Piesch. Während der vorangegangenen Pilotphase wurden vier Bodycam-Einsätze in Graz und einer in Linz registriert, bei denen schwierige Situationen mit Fahrgästen zunächst aufgezeichnet und die Videodaten anschließend gesichert wurden.

Drei Dinge, die Fahrgäste über den Bodycam-Einsatz wissen sollten


Muss ich befürchten, dass ich ohne mein Wissen gefilmt werde? "Nein", betonen die ÖBB. Die Kameras sind normalerweise ausgeschalten.

In welchen Situationen kommen die Bodycams zum Einsatz? Sobald Zugbegleiter vermuten, dass ein Fahrgast eine strafrechtlich relevante Tat - etwa die Androhung von Gewalt oder tätliche Übergriffe - begehen könnte, können sie den Fahrgast filmen. Auch gegen seinen Willen. Die Zugbegleiter müssen aber zuvor darauf hinweisen.

Was passiert mit den Videodaten? Die Daten werden 70 Stunden lang gespeichert und auf einer Dockingstation gelagert. Die Zugbegleiter haben darauf keinen Zugriff. Bei Bedarf werden die Daten der Polizei übermittelt.

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