Chronik

"Brandstiftung" auf der Festung in Salzburg

Jugendliche zündelten im Reckturm der Festung Hohensalzburg. Ihre Freunde sitzen oben fest. Die Einsatzkräfte probten den Ernstfall.



Zwischen den Zinnen auf dem Reckturm schreien Jugendliche um Hilfe. Sie sitzen dort fest. Aus den Fenstern dringen Rauchschwaden.

Am Mittwoch von 17 bis 18 Uhr probten die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz, Polizei und die Mitarbeiter der Festung den Ernstfall. Die Annahme: Zwei Jugendliche einer Besuchergruppe haben sich abgeseilt und einen Mistkübel im Reckturm in Brand gesetzt. Es gibt drei Verletzte, einer davon schwer. Insgesamt beteiligten sich rund 100 Personen an der Übung. Davon mimten 40 Mitglieder der Feuerwehrjugend die Besucher und Opfer.

Eine Festungsmitarbeiterin alarmiert die Feuerwehr. Zwei Pinzgauer-Fahrzeuge und ein VW-Bus sind mit Einsatzkräften der Berufs- und freiwilligen Feuerwehr besetzt und quälen sich über die steile und enge Zufahrt zur Festung. Auch das Rote Kreuz eilt mit zwei Allradfahrzeugen nach oben. Rettungswagen und große Feuerwehrfahrzeuge sind für Einsätze auf der Festung nicht geeignet - die Zu- und Durchfahrten sind zu schmal.

Auch wenn es eine Übung ist: Die Einsatzkräfte gehen bei der Bergung der Jugendlichen über die engen Wendeltreppen und das verrauchte Stiegenhaus an ihre Grenzen. Man sieht die Hand vor den Augen nicht.

Im Jahr 2004 entwickelte die Festung ein Räumungs- und Rettungskonzept. Verwalter Bernhard Heil betonte, dass jährlich 900.000 Besucher kämen, deren Sicherheit gewährleistet werden müsste. Zudem gelte die Festung als schützenswertes Bauwerk.

Branddirektor Eduard Schnöll erläutert: "Wir haben fünf bis zehn Einsätze pro Jahr auf der Festung, das sind aber keine richtigen Brandeinsätze." Heil ergänzt: Zehn bis 15 Minuten bräuchten die Einsatzkräfte auf die Festung. "Bis dahin sind wir auf uns allein gestellt." Daher werden die Mitarbeiter regelmäßig geschult. Wichtig sei die Kommunikation und das Sammeln der Informationen, um den Einsatzleiter entsprechend informieren zu können.

Das Rote Kreuz muss jährlich zu vier bis fünf Einsätzen auf die Festung ausrücken. "Die exponierte Lage ist für uns eine Herausforderung", sagte der stv. Landesrettungskommandant Bernd Petertill.

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