Chronik

"Braucht es wirklich eine Donau-Staumauer am Dürrnberg?"

Die Wogen im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz auf dem Halleiner Dürrnberg gehen weiter hoch. Experten der Wildbach- und Lawinenverbauung prüfen jetzt einen neuen Vorschlag der Anrainer.

Hallein. Die beteiligten Personen kannten sich zum Teil bereits. Dennoch wurde es eine teils sehr hitzige Diskussion am vergangenen Donnerstag im Halleiner Stadtgemeindeamt, wo Bürgermeister Maximilian Klappacher (ÖVP) zum runden Tisch in Sachen Hochwasserschutz am Dürrnberg geladen hatte. Neben Gebietsbauleiter Anton Pichler und Gutachter Thomas Fischer von der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) waren auch die Altstadt-Anrainer Gerhard Angerer und Wolfgang Guttmann gekommen, Helmut Schwarzenberger von den Naturfreunden, Winfried Herbst vom Naturschutzbund und die Anrainer Gefert Allerich, Robert Hallinger und Günther Gruber vom Dürrnberg.

Bei einem 100-jährlichen Hochwasserereignis führt der Kotbach laut Berechnungen der WLV-Experten rund 43 m3 Wasser pro Sekunde. Der stark verbaute Unterlauf des Baches in der Altstadt kann allerdings maximal rund 19 Kubikmeter Wasser pro Sekunde schadlos abführen. Um dies zu erreichen, sollen die Zuflüsse aus dem Kirchentalgraben, dem Zillgraben, dem Hühnerleitgraben, dem Glanerbach, dem Weißwäschergraben und dem Raingraben durch Rückhaltebecken so weit gedrosselt werden, dass der Kotbach nicht die Halleiner Altstadt unter Wasser setzt.

An einer Stelle hakt es gewaltig

Über einen Großteil des rund sechs Millionen Euro teuren Projekts herrscht ohnehin bereits Einigkeit, an einer Stelle allerdings hakt es gewaltig - im wahrsten Sinne des Wortes: Im Kleinkirchental ist ein 120 Meter breites und elf Meter hohes Retentionsbauwerk geplant, das im Hochwasserfall bis zu 41.000 Kubikmeter Wasser zurückhalten soll. "Braucht es wirklich eine Donau-Staumauer im Kleinkirchental?", brachte Günther Gruber die Meinung der anwesenden Anrainer und der Naturschutzorganisationen auf den Punkt.

WLV prüft einen weiteren Alternativvorschlag

Conclusio des runden Tisches: Die WLV prüft in den nächsten Wochen einen neuen Anrainer-Alternativvorschlag, wonach im Katastrophenfall Wasser vom Kleinkirchental über ein Rohr entlang der Dürrnberg-Landesstraße ins Tal und unterhalb der Solstufe in die Salzach geleitet wird. "Damit könnte man sich die große Staumauer und die neue Zufahrtsstraße sparen und das für die Halleiner so wichtige Naherholungsgebiet würde nicht zerstört", sagt Winfried Herbst vom Naturschutzbund. "Völlig utopisch ist das nicht", sagt WLV-Gebietsbauleiter Anton Pichler auf Anfrage der TN, gibt aber zu bedenken, dass auch die Kostenfrage berücksichtigt werden müsse. "Auch bei einer Verrohrung müssten zusätzliche Baumaßnahmen getroffen werden, damit der Auslauf funktioniert und kein Geschiebe dazukommt."

Alpenverein will mehr natürliche Retentionsbecken auf deutschem Boden

Der Naturschutzreferent des Halleiner Alpenvereins, Wolfgang Guttmann, greift das Ansinnen eines Anrainers auf, natürliche Retentionsbecken auf deutschem Gebiet zu nutzen, "damit man diese Riesenmauer nicht braucht". Den Kotbach-Zufluss aus dem Kleinkirchental sieht er überhaupt als "das Geringste der Bacherl". Dem Vorschlag, im oberen Bachverlauf mehrere kleinere Retentionsräume besser zu nutzen, erteilt die WLV jedoch eine Absage. "Je weiter hinauf man mit dem Stauraum geht, desto weniger wirksam ist er. Am wirksamsten ist er direkt vor dem zu schützenden Ortszentrum. Weil das in Hallein aufgrund der eingeengten Verhältnisse nicht geht, rücken wir eben etwas weiter hinauf", sagt Anton Pichler.

Bürgermeister Maximilian Klappacher (ÖVP) will die Bedenken der Naturschützer nicht vom Tisch wischen: "Die Notwendigkeit eines Hochwasserschutzes bezweifelt niemand. Es stimmt aber, dass der geplante Eingriff sehr massiv ist. Die jetzt vorgeschlagene Verrohrung hätte den wünschenswerten Effekt, dass der Eingriff nicht so groß wäre." Das Ergebnis der Prüfung des neuen Vorschlags durch die WLV will Klappacher aber in jedem Fall anerkennen.

SPÖ: "Hochwasserschutz ja, aber keine Megabauwerke"

Die Halleiner SPÖ brachte bereits im Mai 2017 einen dringlichen Antrag in der Gemeindevertretung ein, die schon damals vorliegenden Planungen nochmals zu überprüfen und alternative, umweltschonendere Maßnahmen in Betracht zu ziehen. "Hochwasserschutz ja, aber keine neuen Megabauwerke, während bestehende Stauräume nicht ausreichend genutzt werden", sagt Vizebürgermeister Alexander Stangassinger.

Die Grünen stört in erster Linie, dass die im Zuge des Projekts geplante neue Zufahrtsstraße durch ein Naturschutzgebiet mit seltenen Blumen und geschützten Tierarten führen soll. "Es ist absurd, dass dort eine Straße gebaut werden soll, um ein Retentionsbecken zu pflegen und eine neue Zufahrt zu den Häusern zu haben", sagt die Bürgermeisterkandidatin Kimbie Humer-Vogl. Sie fordert die Prüfung aller Alternativen, bevor das Projekt wie jetzt vorgesehen kommt. "Man könnte eine neue Zufahrt auch von der deutschen Seite her bauen." Für den Fall, dass das Projekt wie geplant kommt, fordert sie Ausgleichsmaßnahmen - etwa einen neuen Wanderweg zur Ruine Thürndl.

In der Halleiner FPÖ vertraut man auf die Meinung der WLV-Experten. "Was es braucht, um den Hochwasserschutz für Hallein zu gewährleisten, muss umgesetzt werden. Ein Fiasko wie beim Jahrhunderthochwasser 2002 muss vermieden werden", sagt Stadtparteiobmann Oliver Mitterlechner.

M. Petry/T. Strübler

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