Chronik

Brennpunkt Bahnhof: ÖBB setzen auf Sozialarbeiter

Die ÖBB wollen Sozialarbeiter im und um den Bahnhof mitfinanzieren. Die Stadtpolitik will etwas ganz anderes.

Brennpunkt Bahnhof: ÖBB setzen auf Sozialarbeiter SN/robert ratzer
Caritas-Mitarbeiter Hannes Rothbucher begrüßt den Vorstoß der ÖBB.

Hannes Rothbucher schlendert über den Bahnhofsvorplatz. Nur selten hat der Mitarbeiter des Bahnhofssozialdienstes der Caritas Zeit, sein Büro zu verlassen - und direkt am Südtiroler Platz mit seinen Klienten in Kontakt zu kommen. "Streetworking ist eine Geldfrage und für uns nicht dauerhaft zu finanzieren", sagt der Sozialarbeiter. Unterstützung könnte künftig von den ÖBB kommen: Die Bundesbahnen wollen österreichweit Sozialarbeit in Bahnhofsbereichen mitfinanzieren.

Im Rahmen einer Ausschreibung suchen die ÖBB in ganz Österreich nach Einrichtungen, die professionelle Sozialarbeiter stellen. An welchen Bahnhöfen diese zum Einsatz kommen, ist noch nicht entschieden. Aber: "Der Salzburger Hauptbahnhof ist ein Ort, wo viele soziale Gruppen aufeinander treffen", sagt ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel. Rund 27.000 Kunden frequentieren täglich den Hauptbahnhof. Ein "gutes Miteinander" wäre daher essenziell. Davon würden auch die ÖBB profitieren. "Wir wünschen uns zufriedene Kunden", sagt Zumtobel. In Wien finanzieren die Bundesbahnen bereits gemeinsam mit Caritas und dem Verein Sam ein Sozialprojekt vor dem Hauptbahnhof.

Caritas-Mitarbeiter Hannes Rothbucher begrüßt den Vorstoß der Bundesbahnen: "Sozialarbeit bedeutet, Beziehungen zu den Menschen aufzubauen." Es brauche Zeit, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. "Streetworker sind nah an den Menschen dran, das erleichtert die Kommunikation." Die Caritas hat sich bei den ÖBB als Partner für die Sozialprojekte beworben. Mit welcher Institution man zusammenarbeiten werde, stehe aber noch nicht fest, heißt es seitens der ÖBB.

Bis Ende des Jahres will man die Mitarbeiter im Sicherheitsbereich an den Bahnhöfen Österreichs jedenfalls verdoppeln. "Wir werden 500 Personen im Einsatz haben", sagt Zumtobel. Sozialarbeiter seien ein wichtiger Bestandteil dieser Personaloffensive. "Die ÖBB übernehmen aber nicht die Sozialarbeit an den Bahnhöfen. Aber zusammen mit Politik, den sozialen Einrichtungen und der Polizei können wir einfach mehr erreichen."

Mehr als 2000 Mal musste die Polizei seit Jahresbeginn am Salzburger Hauptbahnhof einschreiten. Seit Anfang August hat die Exekutive ihr Sicherheitsaufgebot erhöht. Mehrere Beamte drehen am Bahnhof täglich ihre Kontrollrunden. Zivile Schengenfahnder unterstützen die Polizisten. "Die Kontrollen werden bis auf Weiteres fortgesetzt", sagt Polizeisprecher Michael Rausch. Eine Steigerung registrierte man bei Suchtgiftdelikten. "Je mehr wir kontrollieren, desto mehr Leute erwischen wir", sagt Rausch. Bettler seien am Südtiroler Platz derzeit mehr kaum anzutreffen. "Die Temperaturen werden zunehmend kälter. Die Bettler zieht es nun eher in die umliegenden Einkaufszentren und Passagen." Ob mehr Sozialarbeiter für eine Entspannung der Situation am Bahnhof sorgen können? "Der Vorstoß der ÖBB ist zu begrüßen. Ob es wirklich eine sinnvolle Maßnahme ist, muss man über einen längeren Zeitpunkt beobachten", sagt der Polizeisprecher.

Um die Probleme im Bahnhofsbereich in die Griff zu bekommen, entfernten Magistratsmitarbeiter Anfang Oktober die Sitzbänke auf dem Bahnhofsvorplatz. Vizebürgermeister Harald Preuner (ÖVP) hatte die Maßnahme in Absprache mit Polizei, ÖBB und Geschäftsleuten beschlossen. Ziel war es, damit die Probleme mit Personen aus dem Obdachlosen- und Suchtgiftmilieu eindämmen zu können. "Die Saufgelage und Drogenexzesse sind seither stark zurückgegangen", sagt Preuner.

Auf den verbliebenen Bänken im Bereich der Postbus-Haltestelle hielten sich nur noch eine Hand voll Leute auf. "Wenn wir diese paar Bänke auch noch abmontieren könnten, wären die Probleme wohl eleganter gelöst als mit mehr Sozialarbeitern", sagt Preuner. Die Bänke beim Hotel Europa gehören dem Salzburger Verkehrsverbund. Das Entfernen müsste Verkehrslandesrat Hans Mayr (SBG) veranlassen.

Aufgerufen am 25.09.2018 um 11:44 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/brennpunkt-bahnhof-oebb-setzen-auf-sozialarbeiter-896200

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