Chronik

Bruder Baum wird vom Klimawandel geplagt

Der Wald steht vor vielen Herausforderungen mit einer ungewissen Zukunft. Er ist Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen und ein beliebtes touristisches Ziel. Klimawandel, Borkenkäfer und Trockenheit setzen ihm zusätzlich zu. Der Wald leidet und die Schäden sind groß.

"Schau", meint Walter Mooslechner, "da rechts am Heukareck, da ist Schattseiten, und das ist ein bevorzugter Standplatz für die Tanne. Schaust du auf die andere Seite, auf die Sonnseiten, dann findest du Lärchen- und Fichtenwald, einen typischen Mischwald. Da sind auch viele Buchen mit ihren positiven Eigenschaften. Die Buche wird ja als Mutter des Waldes bezeichnet." Wer mit dem 75-jährigen Großarler durch den Wald spaziert, der bekommt viel Wissenswertes erzählt. Der ehemalige Förster und Buchautor ist täglich im Wald unterwegs, von dem er laut eigener Aussage nicht genug bekommen kann: "Früher habe ich zu vieles im Wald übersehen. Jetzt merke ich erst, wie wunderbar die Natur ist, sehe jeden Schmetterling, jeden Käfer, entdecke immer wieder neue Pflanzen."

58 Prozent des Pongaus sind mit Wald bedeckt. Der Wald erfüllt vielerlei Aufgaben und wird nicht nur durch den Klimawandel vor große und lebenswichtige Herausforderungen gestellt: Lebensraum, Arbeitsplatz, Erholungsraum, Schutz, Wasserspeicher, Wärmespender, Luftkühler und Klimaschützer sind nur einige seiner Aufgaben. Der Wald muss in Zukunft höheren Temperaturen, voraussichtlich mehr Feuchtigkeit im Winter und trockeneren Sommern gewachsen sein. Durch die Klimaerwärmung ändern sich auch die Standortbedingungen der Bäume, die durch Umwelteinflüsse gestresst sind.

Befürchtet wird Schlimmes

Heuer sind die Schäden in unseren Wäldern besonders groß, "etwa ein Drittel des Waldes ist betroffen", weiß Franz Hoffmann, Leiter der Bezirksforstinspektion Pongau. Dazu komme auch noch das Schadholz aus dem vergangenen Jahr, "mit den Aufräumarbeiten in den Wäldern kommen die Waldeigentümer - verursacht auch durch den langen Winter - kaum nach. Dazu fehlen im Pongau die Unternehmen für nötige Aufräumarbeiten."

Allerorts wird trotzdem in den Wäldern - so gut und so rasch wie möglich - Schadholz geräumt. Welch schwierige Aufgabe das teilweise ist, belegen leider auch die zahlreichen schweren Unfälle mit Verletzten und zuletzt zwei toten Forstarbeitern.

Schätzungen haben ergeben, dass allein im Pongau weit über 50.000 Festmeter Schadholz zu beklagen sein werden. Viele Sägewerke haben aufgrund der großen Holzmengen bereits Aufnahmestopp. Das treibt nicht nur die Holzpreise in den Keller.

Das viele Schadholz bietet zu allem Überfluss auch perfekte Brutplätze für den Borkenkäfer. Er befällt bevorzugt nicht nur die geschädigten Bäume, sondern vor allem auch jene, die am Waldboden liegen.

Schäden bringen Umdenken

"Für einen gesunden Wald muss langfristig umgedacht werden", weiß auch Mooslechner: "Monokulturen und reine Fichtenbestände haben diese Problematik mitverursacht." Im Unterschied zur Tanne ist die Fichte ein Flachwurzler und daher besonders bei Windwürfen gefährdet.

82 Prozent des Waldes im Pongau bestehen jedoch aus Fichtenholz, auch wenn mittlerweile zunehmend Tannen oder andere Gehölze gepflanzt werden.

Wald steht für Erholung

Der Wald als Kraftquelle, das ist auch das Motto, auf das heuer unser Tourismus setzt, denn unsere Wälder sind zunehmend auch im Sommer eine beliebte Tourismusattraktion. Der Sommertourismus verzeichnet ein stärkeres Wachstum als der im Winter. Allein das vergangene Jahr brachte 17 Prozent mehr Nächtigungen im Sommer als noch fünf Jahre zuvor. Neben Wandern und Mountainbiken wird mit zahlreichen neuen Angeboten geworben: Nun kann man im Wald auch übernachten, Ausflüge mit Waldpädagogen unternehmen, Zirbenduft atmen oder in Waldschaukeln entspannen.

Aber nicht nur der für unsere Gegend so wichtige Tourismus, sondern auch heimische Sportler und Bergsteiger fordern die Wälder mit ihrem Freizeitverhalten. Wie beansprucht das Zusammentreffen von Mensch und Natur ist, weiß man nicht zuletzt seit dem "Kuh-Urteil" in Tirol.

Das Miteinander und ein Schutz bestimmter Gebiete werden für die Zukunft der Wälder daher immer wichtiger.

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