Chronik

Captagonprozess: Aussage des Kronzeugen wird mit Spannung erwartet

Im Salzburger Großprozess um den mutmaßlichen Handel mit 14,8 Millionen Aufputschpillen stellten am Montag sieben der 14 Angeklagten Anträge auf Enthaftung - das Gericht wies sie aber ab. Am Dienstag wird nun der Kronzeuge vernommen.

Der Mega-Prozess am Salzburger Landesgericht war Mitte Dezember 2021 eröffnet worden. Letztlich wurden acht Angeklagte schuldig erkannt und sechs Angeklagte freigesprochen. Die Verurteilten meldeten allesamt Rechtsmittel an – die Freisprüche sind hingegen bereits rechtskräftig.  SN/apa
Der Mega-Prozess am Salzburger Landesgericht war Mitte Dezember 2021 eröffnet worden. Letztlich wurden acht Angeklagte schuldig erkannt und sechs Angeklagte freigesprochen. Die Verurteilten meldeten allesamt Rechtsmittel an – die Freisprüche sind hingegen bereits rechtskräftig.

14 Angeklagten wird derzeit am Landesgericht der Prozess gemacht, weil sie als Teil einer international agierenden Bande rund 13,8 Mill. Stück Captagontabletten aus dem Libanon in den Flachgau geschmuggelt, hier umverpackt und nach Saudi-Arabien zum Verkauf weiterverschickt haben sollen. Die Tätergruppe, die demnach arbeitsteilig agierte, soll mit dem Verkauf der amphetaminhaltigen Pillen 40 Mill. Euro Gewinn erzielt haben. Viele Angeklagte haben arabische Wurzeln, etliche sind miteinander verwandt und in Salzburg und Tirol wohnhaft.

Bekanntlich basiert die Anklage der Staatsanwaltschaft (StA) zum Großteil auf den Aussagen eines einst Mitbeschuldigten, der dann zum Hauptbelastungszeugen bzw. Kronzeugen der StA wurde. Brisant ist, dass just dieser Kronzeuge, ein Iraker (41), mit einer Arabisch-Dolmetscherin liiert ist, die im Ermittlungsverfahren Tausende von abgehörten Telefonaten der Angeklagten übersetzte - ebenso wie etliche Beschuldigtenvernehmungen, auch mehrere vom Kronzeugen.

Am Montag, Prozesstag vier, wurden weitere Angeklagte vernommen. Wie berichtet, sitzen 13 von ihnen bereits seit neun Monaten in U-Haft. Laut Anklage fungierte ein Tiroler Hotelier (54) mit libanesischen Wurzeln als "Österreich-Chef" der Bande - er soll den Transport der Drogen vom Libanon über Belgien nach Österreich organisiert haben, sein Sohn (28) wiederum soll in seinem Lokal im Flachgau die Lagerung und Umverpackung der Pillen und deren Einbau in Pizzaöfen und Wäschetrockner beaufsichtigt haben. Etliche weitere Angeklagte - mehrere Syrer, ein Ungar, ein Türke, ein Deutscher - sollen die per Lkw angelieferten Pillen im Lokal deponiert, umverpackt und in die Geräte eingebaut haben.

Die Angeklagten bekennen sich nicht schuldig; sieben von ihnen stellten am Montag über ihre Verteidiger Enthaftungsanträge: Im Wesentlichen würden ihre Mandanten nur vom unglaubwürdigen Kronzeugen belastet bzw. durch Telefonüberwachungsprotokolle, die "null und nichtig" seien, da sie die Freundin des Kronzeugen übersetzt habe. Das Gericht wies die Enthaftungsanträge jedoch ab. Spannend wird nun die Vernehmung des Kronzeugen, angesetzt für Dienstag ab 13 Uhr.

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