Chronik

Carlos schlief im Bett von K. H. Waggerl

Drei Tage war der erst neun Monate alte Kater verschwunden. Er dürfte die Zeit mit einer kulturellen Entdeckungsreise verbracht haben.

Karl Heinrich Waggerl ist neben Stille-Nacht-Dichter Joseph Mohr einer der großen Söhne von Wagrain. Der weit über die Grenzen hinaus bekannte Schriftsteller liegt in der Pongauer Gemeinde begraben. Sein Haus wurde zum Museum umfunktioniert, wo das Leben und Wirken des Dichterfürsten präsentiert wird. Besonders bekannt geworden ist Karl Heinrich Waggerl mit seinen Erzählungen rund um Advent und Weihnacht ("Und es begab sich"). Unerreicht auch seine Lesungen zu den Anfängen des Salzburger Adventsingens. Jetzt hat er - unfreiwillig - noch einmal eine berührende vorweihnachtliche Geschichte geschrieben.

Carlos ist neun Monate alt und der Liebling von Katrin und Christian. Carlos ist verspielt, hat treue Augen und geht trotz seiner Jugend gerne auf Entdeckungsreise. Das hat er kürzlich auch getan - und ist nicht mehr zurückgekehrt. Verzweifelt hat Katrin Holzer ihren Kater gesucht. - Vergebens.

Alarm im Museum

Es passierte einen Tag nach dem Verschwinden von Carlos, als plötzlich die Alarmanlage des Waggerl-Museums für Aufregung sorgte. Die Verantwortlichen des Vereins "Blaues Fenster", denen der Alarm auf ihrem Handy gemeldet wurde, fuhren umgehend dorthin, fanden sich aber bald mit einem "Fehlalarm" ab, weil sie keinerlei Einbruchsspuren entdecken konnten.

Drei Tage war nun Carlos bereits verschwunden, da kontaktierte eine Nachbarin den Tourismusverband in Wagrain, den Arbeitgeber von Katrin Holzer. Sie bräuchte eine Telefonnummer von jemandem vom "Blauen Fenster", weil im Waggerlhaus eine Katze jämmerlich miaue, erzählte die gute Frau. Es dauerte nur Minuten, dann konnte Kat-rin Holzer ihren ziemlich traumatisierten, aber offensichtlich glücklichen Kater in die Arme schließen.

Hat sich der verschwundene Kater mit Literatur befasst?

Indessen wurde das "Schadensausmaß" festgehalten, das sich aber als relativ klein entpuppte. Carlos hatte die Nächte ganz offenbar im originalen Bett von Karl Heinrich Waggerl verbracht. Ob sich der Kater in seinem Gefängnis auch mit der Literatur des Schriftstellers befasst hat, ist nicht überliefert. Etliche seiner Bücher aber waren aus dem Bücherregal geholt worden und lagen auf dem Boden herum. Ziemlich lückenlos rekonstruiert werden konnte hingegen die Beweiskette, wie Carlos in das Museum gekommen ist: Um den Besuchern zu kommunizieren, dass das Museum geöffnet ist, wird die Haustür zu den Besuchszeiten stets sperrangelweit aufgemacht. Carlos war an diesem Tag wohl einer der letzten kulturinteressierten Gäste und hatte sich, als "Sperrstunde" war, im Haus versteckt.

Direkt am Grundstück des Waggerlmuseums steht ein Marterl des heiligen Antonius, den viele Menschen anrufen, wenn sie etwas verloren haben. Bei der Rettung von Carlos hat er wohl ganz kräftig mitgewirkt

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