Chronik

Christoph Faistauer: Ein "Dompteur" der Versteigerung

Er dirigiert mit eiserner Stimme, jeden Winkel der Arena im Blick: Christoph Faistauer, einer der drei Auktionatoren der Rinderzucht Salzburg.

Das Angebot: 1000 Euro bei Jungkühen. Dann geht's los: "Tausendzwanzig, vierzig, sechzig, achtzig, tausendachtzig, hundert, hundertzwanzig, vierzig, sechzig, achtzig ..." Überfallsartig feuert Christoph Faistauer die Zahlen in die Versteigerungshalle. Der Blick wandert durch die Menge, kleine "Zuckungen" mit den Tafeln der Bietenden bedeuten ihm das Weitermachen. Oft ist es nur ein unauffälliger Wink aus dem Handgelenk.

Als Versteigerer braucht es eine irrsinnig schnelle Auffassungsgabe, ein Höchstmaß an Konzentration und stimmliche Belastbarkeit. Hin und wieder auch mahnende Worte: "A bissl schneller aufzoang bitte" zum Beispiel. Oder: "Winker Nummer 200: Tuast du mit oder spüst glei damit?"

Eigentlich sei er privat eher ein ruhiger Typ, erzählt Faistauer, 14 Mal im Jahr, bei sämtlichen Versteigerungen, ist davon nichts zu spüren. "Ein beruflich bedingter, schöner Gegenpol", findet der 28-jährige Maishofener, der seit sieben Jahren beim Rinderzuchtverband arbeitet.

Dass er auch in die Rolle des Versteigerers schlüpft, ist dem früheren Verbandsgeschäftsführer Bruno Deutinger zuzuschreiben. Der musste die Nachfolge eines regional legendären Auktionators regeln: jene von Hermann Hollaus, weit über die Grenzen Maishofens hinaus mit seinem Geschick bekannt. Hollaus dirigierte die Versteigerung im Dezember 2016 zum letzten Mal, ein Team von Nachfolgern habe damals aber schon in einer zweijährigen Übergangsphase Praxis gesammelt, sagt Faistauer. "Vor fünf Jahren hat mich Bruno Deutinger gefragt, ob ich das ausprobieren möchte. Mich hat die Versteigerung fasziniert, aber ich habe davor nie das Gefühl gehabt, selbst einmal als Versteigerer tätig zu sein. Ich bin ins kalte Wasser geworfen worden - und es ist gleich ganz gut gegangen."

Hollaus habe ihn "in die Schule genommen" und in all seine Erfahrungen eingeweiht. "Da fängt man erst mal an, die 20er-Schritte zu verinnerlichen." Diese laufen in der Arena in Dauerschleife ab. Teilweise so rasant, dass sich die Buchstaben fast überschlagen - irgendwie aber doch alles verständlich bleibt.

Ein spezielles Aufwärmtraining ist kein Thema, für die Stimmbänder geht's spontan ans Eingemachte. "Das erste Tier ist oft ein bissl zäh, dann läuft alles automatisch." Und das mitunter drei Stunden lang, ohne viel Zeit zum Durchatmen. Ein Schluck Tee zwischen den zu versteigernden Tieren geht sich aus.

Faistauer ist nicht allein: "Wir sind zu dritt: Der Pongauer Hans Klaushofer macht die Kälber-Versteigerungen, ich und der Lungauer Michael Lasshofer teilen uns den Rest auf." Auch wenn nur einer das Mikrofon hat: Teamwork ist es permanent. "Zwei Schriftführer stehen einem immer zur Seite. Sie helfen auch mit, wenn ein Bieter übersehen wird. Wenn einer stimmlich angeschlagen ist, wird einfach öfter gewechselt."

Ende November gab es ein kleines Jubiläum - es war die 950. Versteigerung in Maishofen. Im deren Rahmen fand der Pinzgauer Herbststiermarkt statt. Dessen großer Stellenwert zeigte sich in der besonderen Atmosphäre. Die Versteigerungshalle quoll beinahe über. Einen Höhepunkt erreichte die Spannung, als "Meteor", ein schier makelloser Teststier von Josef Berger (Grub in Saalbach), im Mittelpunkt stand. Er erzielte in einem eifrigen Bieter-Wettstreit stolze 7060 Euro. Das Publikum honorierte das mit viel Applaus und Anerkennung für die begeisterte Züchterfamilie aus dem Glemmtal.

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Aufgerufen am 19.01.2021 um 10:16 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/christoph-faistauer-ein-dompteur-der-versteigerung-80299501

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