Chronik

Corona-Schulstart: HTL Hallein testet "Hybrid-Unterricht"

So normal wie möglich, so sicher wie nötig: So starten die Tennengauer Schulen ins Schuljahr 2020/21. Besonders an der zweitgrößten Schule des Landes, der HTL Hallein, ist das eine Herausforderung.

„Entweder man macht es gescheit oder gar nicht“: HTL-Direktor Roland Hermanseder. SN/sw/petry
„Entweder man macht es gescheit oder gar nicht“: HTL-Direktor Roland Hermanseder.

Soll die Schule da anknüpfen, wo sie im Juli aufgehört hat? Bitte nicht, sagen viele. Damit es im Herbst zu keinen Schul- oder Klassenschließungen kommt, haben die Schulen einiges vorzubereiten - auf Basis der neuen vierteiligen Corona-Ampel. So ist etwa ab Gelb Singen nur im Freien oder mit Mund-Nasen-Schutz erlaubt. Ab Orange soll der Sportunterricht vorzugsweise im Freien erfolgen. Bei Rot wird auf Distance Learning umgestellt.

Enttäuscht von der Corona-Ampel, "zumindest pädagogisch", zeigt sich HTL-Direktor Roland Hermanseder: "Wenn alles auf Grün steht, glaubt jeder, alles ist in Ordnung." Gerade die zweitgrößte Schule des Landes (nach der HTL Salzburg) steht vor großen Herausforderungen: Es herrscht Platznot, für 1160 Schüler gibt es gerade einmal einen Turnsaal und die Mischung aus Theorie- sowie Werkstätten- und Laborstunden macht die Stundenplanung besonders komplex. "Ein großer Teil der Neuinfektionen passiert genau in der Altersgruppe unserer Schüler", betont Hermanseder. "Dafür kann man mit unseren Schülern natürlich auch schon konkretere Maßnahmen umsetzen als mit Volksschulkindern."

Die wohl einschneidendste Maßnahme ist der "digitale Präsenzunterricht" oder "Hybrid-Unterricht", wie es der Direktor betitelt: Die Hälfte der Klasse ist anwesend im Unterricht, die andere Hälfte nimmt per Videoschaltung teil, nach Möglichkeit unterrichten zwei Lehrer im Teamteaching: "Wir haben die Internetkapazität verdoppelt und seit heuer müssen alle Schüler bei uns einen Laptop haben." Zudem wurden die EDV-Räume aufgelöst, und die Schüler müssen seit dem heurigen Schuljahr ab der ersten Klasse einen Laptop haben. "In Härtefällen unterstützen wir die Eltern natürlich", betont Hermanseder.

Bei Bedarf kann die ganze Schule im Hybrid-System unterrichtet werden

Vom Schulstart weg wird das Hybrid-System bei den neun Klassen mit mehr als 30 Schülern angewandt, bei Bedarf kann es auf die ganze Schule umgelegt werden. "Die Stundenpläne sind bereits dafür ausgelegt. Es geht uns darum, möglichst wenig pädagogischen Verlust zu haben, und das ist mit diesem System möglich."

Zudem hat die Schule Seifenspender und Desinfektionsmittel in jedem Klassenzimmer installiert sowie kontaktlose Spender an jedem Eingang, Türklinken und Tische werden täglich desinfiziert, Schulbeginn- und Pausenzeiten werden nach Möglichkeit versetzt, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden, eine neue Pausenglocke erinnert alle 15 Minuten an das Lüften. Und statt gemeinsam auf Skikurs fahren die Klassen heuer einzeln auf Skitage."Wir waren den ganzen Sommer über aktiv beim Planen", sagt Hermanseder. "Entweder macht man es gescheit oder gar nicht."

"Im Ernstfall rasch reagieren"

"Positiv, aber vorsichtig" will dagegen Direktor Walter Brabenetz von der Polytechnischen Schule (PTS) Abtenau ins Schuljahr starten: "Man muss so flexibel wie möglich sein, die Situation kann sich täglich ändern. Ich rechne aber nicht mit dem Schlimmsten." Von allen rund 20 Schülern und ihren Eltern habe er E-Mail-Adresse und Telefonnummer, um im Ernstfall rasch reagieren zu können. Bei Bedarf könne man die Schüler auf zwei Klassenräume aufteilen und getrennt unterrichten. "Ich gehe aber davon aus, dass wir im Normalbetrieb starten werden."

Noch unklar sei, ob und in welcher Form die achtwöchige Orientierungsphase zu Beginn des Schuljahres für die üblichen Betriebsbesichtigungen genutzt werden kann. "Ich befürchte, dass sich da nicht viel abspielen wird." Die Werkstätten an der PTS Abtenau seien aufgrund der geringen Schülerzahl nie überbelegt. "Eine große Schule hat da natürlich ganz andere Probleme", betont Brabenetz.

"Je normaler, desto besser" in den Volksschulen

Gut vorbereitet auf den Schulstart fühlt sich Direktorin Eva Schledt von der Volksschule Voglau in Abtenau. "Wir wollen einen möglichst normalen Schulalltag für die Kinder schaffen. Das geht jetzt besser als im Frühling, weil alle gemeinsam kommen dürfen. Der geteilte Unterricht im Mai und Juni war eine große Herausforderung für Eltern, Kinder und Lehrerinnen", sagt Schledt. Die VS Voglau werden im Herbst 40 Mädchen und Buben besuchen. Besonders für die Jüngeren sei das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes schwierig, meint Schledt im Hinblick auf den weiteren Verlauf des Schuljahres. "So lange die Corona-Ampel auf Grün steht, können wir ein normales soziales Gefüge in den Klassen schaffen. Wir hoffen natürlich, dass es dabei bleibt."

"Je normaler, desto besser", lautet auch das Motto an der Volksschule Golling: "Man muss das alles aus dem Fokus der Kinder sehen", sagt Direktor Gernot Himmelfreundpointner. "Sie sollen sich wohlfühlen und ein gutes Lernumfeld haben, Schule soll ja auch Spaß machen." Manche der Empfehlungen und Vorschriften seien ohnehin schon vor Corona alltäglich gewesen, wie häufiges Lüften der Räume oder Pausengestaltung im Freien.

"Wir können nur von Tag zu Tag schauen"

"Hysterie und Stress bringt niemandem etwas", sagt der neue Direktor des BRG/BG Hallein, Johannes Bitzinger. Zwar gebe die Regierung ihre Erlässe teilweise "relativ knapp" heraus, weshalb man nur ein kurzes Zeitfenster zum Reagieren habe. "Wir können aber sowieso immer nur von Tag zu Tag schauen." Eine wichtige Frage sei die Kommunikation untereinander. "Wenn der direkte persönliche Kontakt einmal nicht mehr möglich sein sollte, wird die Frage sein, ob wir alle Eltern erreichen", betont Bitzinger, gibt sich aber zuversichtlich: "Mit ein bisschen Hausverstand werden wir das aber hinkriegen."

Apropos Eltern: Die Landeselternvertretung hat per Brief an die Direktionen mitgeteilt, Teil der neuen "Krisenteams" an jeder Schule sein zu wollen. Diese Teams sollen einerseits sicherstellen, dass bei Covid-Verdachtsfällen Stundenpläne, Sitzpläne sowie E-Mail-Adressen und Telefonnummern aller Lehrer und Schüler griffbereit vorliegen und ein rasches Kontaktmanagement sichergestellt ist. Andererseits sollen sie Vorkehrungen treffen, um bei wechselnden Ampelphasen ein Fortführen des Unterrichts zu ermöglichen, auch im Fall eines erneuten Lockdowns und der damit verbundenen Umstellung auf Distance Learning.

Neue Facetten in der Schulordnung

Viele Eltern befürchten wieder einen "Schichtbetrieb" mit zwei Schülergruppen wie im Frühjahr. Aktuell ist ein derartiges System aber nur für die Oberstufe angedacht und ab Ampelphase Orange als schulautonome Option.


Unterricht via Onlinetools ist auch bei älteren Lehrern, die zur Risikogruppe gehören, nur mit ärztlichem Attest möglich - auch bei Schülern. Oder: Wenn die Sorge besteht, einen zur Risikogruppe zählenden Partner anzustecken. 60 plus zu sein, ist kein Grund mehr.


Im Verdachtsfall wird die betroffene Person bis zum weiteren Vorgehen der Gesundheitsbehörde in einem Raum "isoliert". Für den Rest der Klasse heißt es: Durchlüften, Hände desinfizieren und weitermachen.

Bei Fieber sollen Kinder zu Hause bleiben, Husten, Schnupfen oder Halsweh sind nur ein Fehlgrund, wenn keine triftige Begründung dafür vorliegt. Derzeit schaffen die Schulen Fieberthermometer an - allerdings nicht für regelmäßige Screenings, sondern zum Messen bei Bedarf.

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