Chronik

Corona stellt Salzburgs Nikoläuse auf eine harte Probe

Wie erzähle ich meinem Kind, dass der Nikolaus heuer nicht kommt? In ganz Salzburg rauchen die Köpfe. Im Lungau geht man ganz neue Wege.

Diese Reaktion hätte sich Michael Moser aus Tamsweg nie erwartet. "Ich war schockiert und habe in der vergangenen Nacht kaum geschlafen." Grund dafür waren sein Engagement als Nikolaus sowie seine Idee, die coronabedingte Nikolaus-Pause für Kinder in diesem Jahr so erträglich wie möglich zu machen.

Der Lungauer geht seit sieben Jahren als Nikolaus von Haus zu Haus. Heuer ist das aufgrund der Pandemie nicht möglich. Darum will er Kindern heuer mit einer personalisierten Videobotschaft eine Freude machen. "Wie erzählt man denn dem Kind, dass der Nikolaus heuer nicht kommt? Für mich fühlt sich das furchtbar an. Darum habe ich mich zu diesem Weg entschlossen."

Ein Weg, der bei manchem Salzburger nicht ankommt. "Als bekannt wurde, dass ich das heuer so machen will, gab es auf diversen Kanälen im Internet einen regelrechten Shitstorm." Während viele Mosers Weg begrüßt hätten, hätten andere nichts als Beschimpfung und Häme für ihn übrig gehabt. "Ich weiß, man soll das nicht so ernst nehmen, aber es geht mir nahe."

Darum erklärt er noch einmal, warum er diese Videobotschaften für richtig hält. "Der Nikolaus ist für die Kinder da. Er ist Hoffnungsträger und Lichtbringer. Gerade in schwierigen Zeiten. Darum sollte man auch nicht vor ungewöhnlichen Wegen zurückschrecken." 13 Videobotschaften wird Moser in den nächsten Tagen anfertigen. Jede werde auf das jeweilige Kind zugeschnitten sein, mit Infos, die er von den Eltern bekommen habe. Auch Kindergartengruppen bekommen so im Lungau Besuch vom Nikolaus.

Moser hat sich einen Kellerraum passend hergerichtet. "Vielleicht gehe ich auch rauf in die Berge, wo schon Schnee liegt." Er stehe jedenfalls trotz Kritik zu seiner Aktion.

Schützenhilfe bekommt er von Hannes Brugger, stellvertretender Obmann der Salzburger Heimatvereine und selbst Mitglied der Gnigler Krampusse. "Ich finde, das ist eine Möglichkeit, das Brauchtum zu leben. Schön, wenn sich jemand Gedanken macht." Er habe selbst berührende Briefe von Kindern bekommen, als bekannt wurde, dass die Krampusse heuer nicht unterwegs sind. "Und mit dem zweiten Lockdown haben sich leider auch die Hausbesuche erledigt."

Der Nikolaus sei jedenfalls ein sehr emotionales Thema. "Die Situation jetzt ist überall Gesprächsthema." Im Gasteiner Tal sei die Enttäuschung besonders groß, weil heuer nix los ist." Das Brauchtum sei tief in der Bevölkerung verankert. Vielleicht sorge die Pause dafür, dass das Engagement der vielen ehrenamtlichen Krampusse und Nikoläuse auch wieder mehr geschätzt werde.

In Salzburg gebe es nun verschiedenste Ansätze, den Brauch trotzdem umzusetzen. "Manche wollen den Krampuslauf nach dem Lockdown machen. Ob das viel bringt? Schließlich ist die Coronalage am 7. Dezember nicht so viel anders als am 6. Dezember." Brugger appelliert an den Hausverstand und ruft Eltern zu Eigeninitiative und Kreativität auf. "Ihnen fällt sicher etwas ein, wie sie ihren Kindern auch heuer den Zauber vom Nikolaus bieten können." Er selbst werde den Kindern in Form eines handgeschriebenen Briefes antworten und ihnen so eine Freude machen. "Ein Brief vom Krampus oder Nikolaus, das hat doch etwas."

Noch nicht entschieden haben sich die "Saalach Teifi'n" in Wals-Siezenheim. Obmann Georg Berger: "Wir sind am Diskutieren. " Im Gespräch sei sowohl eine Verschiebung der Läufe als auch eine Internetaktion zu starten.

Aufgerufen am 26.11.2020 um 10:43 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/corona-stellt-salzburgs-nikolaeuse-auf-eine-harte-probe-95992930

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