Chronik

Coronavirus - dramatischer Appell des erkrankten Mittersiller Bürgermeisters Wolfgang Viertler

Corona: Zahlen und Maßnahmen ändern sich rasant. Auch den Mittersiller Stadtchef Wolfgang Viertler hat es "erwischt". Er sagt: "Bitte an die Regeln halten!"

Schlag auf Schlag. Während es noch gilt, eine Neuigkeit in Sachen Corona einzuordnen, folgt die nächste. Vor allem für Verantwortungsträger eine Herausforderung.

Am 15. Oktober etwa erging ein Schreiben an alle Pinzgauer Bürgermeister. Absender: die Obmänner der beiden Regionalverbände Pinzgau und Oberpinzgau (RVO).

Inhalt: Zusammengefasste Informationen über das Maßnahmenpaket der Landesregierung. In der Einleitung zu lesen: "(...) keine größeren Cluster-Bildungen in unserer Region. Die Corona-Ampel für den Pinzgau bleibt damit weiterhin auf Grün geschaltet." Einen Tag später war das schon wieder Geschichte, die Ampel sprang auf Gelb. Bis zuletzt waren aber immerhin die Maßnahmen hinsichtlich Veranstaltungen und Gastronomie (Sperrstunde um 22 Uhr, Registrierungspflicht) noch aktuell.

Viertler am Montag: "Mir geht es gar nicht gut"

Schlag auf Schlag. Das trifft vor allem auch auf jene zu, die es "erwischt". Der Mittersiller Bürgermeister Wolfgang Viertler wurde am 13. Oktober beim Tauernklinikum-Standort Zell am See positiv getestet und sofort stationär aufgenommen. Am 16. konnte er wieder nach Hause, wo er sich nun - ebenso wie seine große Familie - in Quarantäne befindet. "Zum Glück haben wir ein großes Haus, in dem es auch eine separate Wohneinheit für mich gibt." Am Montag ging es dem Stadtchef noch gar nicht gut, ihn plagten Fieber und heftige Gelenkschmerzen.

Bild: SN/anton kaindl
Es ist ja nicht so, dass keine Menschen an Corona sterben, das Gegenteil ist wahr.
Wolfgang Viertler, Bürgermeister von Mittersill

Am Freitag zuvor schilderte er seine persönliche "Corona-Geschichte". "Weil ich glaube, dass ich damit dem Appell, die vorgegebenen Maßnahmen unbedingt einzuhalten, noch mehr Nachdruck verleihen kann. Es kann wirklich jeden erwischen. Ich bin jetzt ordentlich zum Nachdenken gekommen. Immerhin werde ich bald 60 und hatte auch schon einen Herzinfarkt. Es ist ja nicht so, dass keine Menschen an Corona sterben, das Gegenteil ist wahr. Und es geht ja nicht nur um einen selbst. Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass ich niemanden in meinem Umfeld angesteckt habe. Wir haben offenbar alles richtig gemacht, denn am Donnerstag und Freitag, 8. und 9. Oktober, war ich noch bei diversen Besprechungen und da hat sich niemand angesteckt. In der Nacht von Montag auf Dienstag ging es dann jedenfalls los bei mir: Schüttelfrost, Husten, Fieber, Brustschmerzen. Es war wirklich schlimm."

"Es kann jemand anderer sterben, weil man selber nicht aufgepasst hat!"

Über die Behandlung im KH ist Wolfgang Viertler voll des Lobes, man habe ihn mit Infusionen bzw. Antibiotika, Cortison und Vitaminen stabilisiert. "Ich habe aus erster Hand gesehen, was da geleistet wird. Überhaupt hat der ganze Ablauf inklusive Testung und Befragung bestens geklappt. Aber es ist schon arg, wenn man so isoliert daliegt und das Krankenhauspersonal komplett vermummt daherkommt. Vor allem für ganz alte Menschen muss das schrecklich sein." Und abschließend: "Es sollen sich bitte, bitte alle an die Regeln halten. Jetzt haben wir die Verhinderung eines neuerlichen Lockdowns noch in der Hand. Es geht um die Wirtschaft, es geht um die Gesundheit, es geht um uns alle. Und drastisch, aber wahr: Es kann jemand anderer sterben, weil man selber nicht aufgepasst hat!"

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