Chronik

Coronavirus - Staatsanwaltschaft Salzburg ermittelt nun konkret gegen Narkosearzt

Der Anästhesist war im März von Urlaub im Tiroler Paznauntal zurückgekehrt und hatte dann einige Tage im Uniklinikum Salzburg gearbeitet, ehe er positiv getestet wurde. Rund 100 Kontaktpersonen mussten daraufhin in Quarantäne.

Der Narkosearzt ist im Uniklinikum Salzburg tätig.  SN/APA/VERA REITER
Der Narkosearzt ist im Uniklinikum Salzburg tätig.

Die Staatsanwaltschaft Salzburg ermittelt gegen einen Narkosearzt wegen "fahrlässiger Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten". Der Mann habe sich im März im Paznauntal in Tirol aufgehalten. Er sei offenbar mit dem Coronavirus infiziert worden und habe nach seiner Rückkehr im Spital gearbeitet, hieß es am Mittwoch seitens der Staatsanwaltschaft auf APA-Anfrage.

Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Der Anästhesist habe nach seiner Rückkehr aus Tirol seinen Dienst angetreten und auch bei Arbeitsbesprechungen in den Salzburger Landeskliniken teilgenommen, erklärte Staatsanwaltschaftssprecher Christoph Rother.

Der Anästhesist am Uniklinikum Salzburg war auf Kurzurlaub im Paznauntal. Der Fall wurde auch bei einer Pressekonferenz in Salzburg am 15. März erörtert. Dort hieß es, der Mann zeige so gut wie keine Symptome. Er habe sich am Freitag, 13. März, freiwillig gemeldet, weil er eine Infektion befürchtet habe, nachdem bekannt geworden war, dass Personen, die seit 28. Februar im Paznauntal waren, 14 Tage zu Hause bleiben müssen.

Der Anästhesist ließ sich am 13. März auf das Virus testen. Die Infektion wurde bestätigt. Das Uniklinikum leitete daraufhin weitreichende Maßnahmen ein, weil der Arzt im Krankenhaus Kontakt zu rund 100 Personen hatte. Nachdem er und seine Lebensgefährtin infiziert waren, wurden 33 Ärzte, 53 Pflegepersonen, 18 Patienten, drei Flugsanitäter und ein Pilot eines Notarzthubschraubers in Quarantäne geschickt.

Innerhalb des Spitals wurden Patienten verlegt. Der Betrieb des Klinikums konnte aber aufrechterhalten bleiben. Nach der Rückkehr aus dem Urlaub hatte der Anästhesist zunächst einen Tag Notarztdienst am Hubschrauber versehen und dann drei Tage im Krankenhaus gearbeitet.

Eine Zivilperson habe eine Anzeige eingebracht, erklärte Staatsanwaltschaftssprecher Rother. Zunächst sei ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet worden. Jetzt werde der besagte konkret als Beschuldigter geführt. Es gehe auch um die Frage, ob der Mediziner von einer Covid-19-Infektion gewusst habe, als er wieder in den Dienst getreten ist.

Quelle: APA

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