Chronik

"Da kommt man als kleiner Nahversorger nicht mehr mit"

Mehr als 60 Jahre lang gehörten Peter und Katharina Putz mit ihrem kleinen Geschäft zum Neualmer Ortsbild. Seit Kurzem ist auch dieser Nahversorger geschlossen.

Peter Putz hinter der leeren Wurstvitrine, wo er mehr als 60 Jahre lang arbeitete. SN/sw/Strübler
Peter Putz hinter der leeren Wurstvitrine, wo er mehr als 60 Jahre lang arbeitete.

Das Geschäft ist noch versperrt, als Peter Putz langsam die automatische Schiebetür in Gang setzt. Die leeren Regale und Vitrinen im Inneren lassen Peter Putz wehmütig werden. Über 60 Jahre lang war er - zusammen mit seiner Frau Katharina (88) - das Gesicht des zuletzt einzigen Neualmer Nahversorgers. Seit zwei Monaten hat auch er geschlossen. Nach einem Arbeitsunfall im August war absehbar, dass der 86-Jährige zumindest für längere Zeit ausfallen würde. "Mein Sohn, der das Geschäft seit Jahrzehnten geführt hat, hat sofort entschieden zuzusperren" erzählt Putz und ergänzt: "Wir hätten aber auch so zugesperrt. Es hat sich einfach nicht mehr rentiert."

Die Spanne war zu gering

Die Kunden seien keineswegs ausgeblieben. Bunt gemischt sei das Publikum gewesen - von alt bis jung. Schuld sei vielmehr die Entwicklung im Großhandel gewesen. "Die Großhändler haben mittlerweile Preise, dass man als kleiner Nahversorger nicht mehr mitkommt. Wir haben Waren zu Preisen eingekauft, zu denen die großen Supermarktketten schon wieder verkauft haben", sagt Putz. Die Spannen seien am Ende so gering gewesen, dass es fast unmöglich geworden sei, eine Angestellte und die monatlichen Stromkosten für neun Kühlgeräte zu bezahlen. Wäre das Gebäude nicht in seinem Besitz, hätte er schon früher zusperren müssen, betont Putz. "Auch noch Miete zu zahlen, wäre nicht mehr drin gewesen."

Der 86-Jährige erinnert sich noch gut daran, wie er die Räumlichkeiten vor mehr als sechs Jahrzehnten mit Mitte 20 zum Geschäft umbaute. Dass er noch mit Mitte 80 Dreh- und Angelpunkt seines Lebenswerks sein würde, war damals unvorstellbar. Bis zuletzt traf man ihn hinter der Wurstvitrine, beim Einkauf im Großhandel oder hinter der Kassa an. Ähnlich lange war seine um drei Jahre ältere Gattin im Geschäft zu finden.

Was mit den Räumlichkeiten passieren wird, weiß Peter Putz noch nicht. Noch sind nicht alle Regale komplett ausgeräumt. Diese Aufgabe will er angehen, wenn seine lädierte Hüfte wieder mehr Belastung zulässt. "Es war beim Einkaufen. Ich bin über eine Palette gestolpert. Daraufhin brauchte ich eine neue Hüfte." Weil es Komplikationen gab, wurde eine weitere Operation nötig. "Das wird aber wieder", sagt Putz, während er die automatische Schiebetür in Gang setzt und sein - fast - leeres Geschäft versperrt.

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