Chronik

Das Blinklingmoos darf wieder wachsen

Das Hochmoor in Strobl zählt zu den bedeutendsten des Landes. Durch ein Renaturierungsprojekt werden nun die Sünden der Vergangenheit rückgängig gemacht. Dafür werden 700.000 Euro aufgewendet.

Eigentlich ist das Betreten des Hochmoors streng verboten, doch zur Besichtigung der "Baustelle" wurde eine Ausnahme gemacht. Wie auf einem riesigen Schwamm bewegt man sich, sobald man einen Fuß auf das Blinklingmoos in Strobl setzt, und sofort steigt Wasser hoch. Ein Zeichen für ein gesundes Hochmoor. Doch nicht überall ist die Situation gleich. Durch Austrocknung ist das Moor bereits um einen Meter abgesunken.

"Früher haben die Landwirte Gräben durch das Moor gezogen, um das Land fruchtbar zu machen, heute geht man wieder den umgekehrten Weg", erklärt Strobls Bürgermeister Josef Weikinger. Die Arbeiten für die Renaturierung des 20 Hektar großen Moores am Wolfgangsee sind bereits seit geraumer Zeit im Gange. Mit Mitteln des Naturschutzfonds wurden dafür Grundstücke angekauft. Die Kosten für die Maßnahmen, die in diesem Herbst gestartet wurden und in einer zweiten Etappe im Jahr 2020 weitergehen, belaufen sich auf insgesamt 700.000 Euro. "Die Renaturierung wird uns dieses einmalige Hochmoor wieder in seiner ursprünglichen Form zurückbringen. Mehr noch: Es wird wieder wachsen", unterstreicht Naturschutzlandesrätin Maria Hutter (ÖVP).

Das Blinklingmoos ist eines der am besten erhaltenen Hochmoore Salzburgs und auch von nationaler Bedeutung. Dennoch sind an den Rändern der Gräben Bäume gewachsen, die im Moor nichts verloren haben. Diese standortfremden Bäume, wie Fichten, werden entfernt und, um das Moor zu schonen, mit Hubschraubern ausgeflogen. Zwei Drittel dieser Arbeiten sind bereits erledigt. Damit die typische Moorvegetation wieder wachsen kann, ist aber eine Wiedervernässung notwendig. Das Blinklingmoos soll Heimat seltener Arten wie des Sonnentaus, einer kleinen fleischfressenden Pflanze, bleiben. Aber auch seltene Schmetterlinge oder Kreuzottern leben im Hochmoor.

"Wir haben hier eines der aufwendigsten Moorprojekte Österreichs. Wir leiten die Regeneration ein, damit der Torf nicht weiter zersetzt wird", erklärt Bernhard Riehl, der die "Mission Blinklingmoos" für die Naturschutzabteilung des Landes leitet. In mehreren Schritten soll die Nässe wieder zurückkehren.

Noch jetzt im September werden alte Entwässerungsgräben verschlossen. Das Regenwasser bleibt damit wieder im Moor, der Wasserspiegel wird angehoben. "Damit kann das Moor wieder wachsen, es wölbt sich nach oben, daher auch der Name Hochmoor", so Bernhard Riehl. Zur Wiedervernässung werden die größeren Gräben mit Spundbohlen aus Recycling-Kunststoff "versiegelt". Kleinere Gräben werden mit Torf oder Holzbohlen abgedichtet. 2020 folgt dann die zweite Etappe. Hier wird der Damm der alten Ischlerbahntrasse durchstochen und mittels Schotter-Sickerriegel durchlässig gemacht. Damit können der kleine Moorteil südlich der Trasse und der große Nordteil wieder zusammenwachsen.

Für die Planung der Arbeiten hat man sich unter anderem die Dienste des Schweizer Moorexperten Markus Camastral gesichert. Er wird von Gerald Anthes unterstützt, der in Strobl nicht nur ein Ingenieurbüro führt, sondern auch Obmann-Stellvertreter des örtlichen Moorvereins ist. Camastral: "Die Torfmoose sind die Baumeister des Moores. Das Hochmoor, dessen Torfschicht neun Meter nach unten reicht, besteht zu 95 Prozent aus Wasser und nur zu fünf Prozent aus Feststoffen."

Um während der Bauzeit die empfindliche Vegetation zu schützen, greifen die Naturschützer tief in die "Trickkiste". Bagger, die teils zum Einsatz kommen müssen, werden mit extrabreiten Ketten ausgestattet, um den Boden zu schonen. Es werden auch "Spezialmatratzen" verwendet, um den Druck der Geräte zu verteilen.

Die Moorrenaturierung ist auch ein Beitrag zum Klimaschutz. "Die Torfzersetzung wird gestoppt und damit die Freisetzung von CO2. Im Gegenteil, die abgestorbenen Pflanzen werden hier nicht mehr zersetzt, sondern neuer Torf gebildet und damit CO2 gebunden", erklärt Projektleiter Bernhard Riehl.

Aufgerufen am 25.11.2020 um 01:11 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/das-blinklingmoos-darf-wieder-wachsen-76782169

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