Chronik

Das Halleiner Stadtkino zu schließen ist keine Option

Hallein leistet sich als einzige Gemeinde des Bundeslandes ein eigenes Kino. Trotz zuletzt jährlich steigender Zuschüsse ist sich die Stadtpolitik einig: Die traditionsreiche Kultureinrichtung muss erhalten bleiben.

Das Stadtkino Hallein hat eine fast 100-jährige Tradition. SN/sw/strübler
Das Stadtkino Hallein hat eine fast 100-jährige Tradition.

Das Jahr 2017 war für das Stadtkino Hallein ein denkwürdiges: 24.661 Besucher und damit ein Plus von 12,8 Prozent gegenüber 2016 bedeuteten den besten Wert seit vielen Jahren. Der Höhenflug war allerdings in erster Linie auf den Erfolg des Films "Die beste aller Welten" zurückzuführen und von kurzer Dauer.

Im Vorjahr kamen nur mehr 20.476 Kinogeher - ein Minus von 17 Prozent, das sich in weiterer Folge auf den Umsatz schlug, der nach 212.000 Euro 2017 im Vorjahr nur mehr 192.000 Euro ausmachte (Rohdaten). Rund drei Viertel der Einnahmen entfallen dabei im Schnitt auf Dienstleistungserlöse aus Ticketverkäufen (62 %), Saalmiete für externe Veranstaltungen (10 %) und Werbeerlösen. Ein Viertel entfallen auf Snack- und Getränkeverkauf.

"Das Halleiner Stadtkino ist kein klassisches Kino." Andreas Klimitsch, GF Stadtkino

Noch gravierender als beim Umsatz war die Entwicklung 2018 beim Zuschuss der Stadtgemeinde. Nach rund 181.000 Euro 2017 waren im Vorjahr knapp 293.000 Euro an Zuschüssen nötig. Der im Vergleich zur Steigerung in den Vorjahren deutliche Sprung erklärt sich einerseits durch gestiegene Löhne im Jahr 2018 (65.000 Euro). Dazu kam eine Einmalzahlung des Stadtkinos an die Stadtgemeinde in der Höhe von 45.000 Euro, die dem Jahr 2017 zugeordnet wurde und den Zuschuss für 2017 verminderte, jedoch erst im Jänner 2018 tatsächlich geleistet wurde. Für das heurige Wirtschaftsjahr wurde im Budget vorsorglich ein Zuschuss von 250.000 Euro veranschlagt.

Mit der negativen Entwicklung bei Besucherzahlen und Umsatz steht das Stadtkino nicht allein da. Laut einer Zählung der Rechteverwertungsgesellschaft AKM zählten Österreichs Kinos im Jahr 2018 rund 13,7 Millionen Besucher - ein Minus von 10,2 Prozent und der mit Abstand niedrigste Wert der vergangenen 15 Jahre. In Deutschland verzeichnete man die geringste Besucherzahl seit 1992.

"Eine Stadt wie Hallein braucht ein Kino dieser Größe." Alexander Stangassinger, Bgm.

Auch in Kenntnis dieser globalen Entwicklung sprechen sich sämtliche Fraktionen in der neu gewählten Halleiner Gemeindevertretung für die Erhaltung des Stadtkinos aus. Der designierte Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) betont, eine Stadt wie Hallein brauche ein eigenes Kino dieser Größenordnung. Man müsse aber über eine vielfältigere Nutzung nachdenken. Florian Scheicher als angehender ÖVP-Vizebürgermeister sieht zwar Investitionsbedarf bei Technik und Infrastruktur. Neue Formate wie "Film und Frühstück" sowie die Nutzung für Firmenveranstaltungen hätten sich aber zuletzt gut entwickelt. FPÖ-Stadtparteiobmann Oliver Mitterlechner möchte das Gebäude um ein gemeindeeigenes Gastronomielokal ergänzen. Das Potenzial des Betriebs sieht er nicht vollständig genutzt. In programmfreien Zeiten würde er den Saal kostenlos für Jugendveranstaltungen zur Verfügung stellen. Wilfried Vogl (Grüne) kann sich vorstellen, das Kino künftig in Richtung Kulturkino zu positionieren. Für den großen Saal fordert er die Möglichkeit einer Abteilung bei kleineren Veranstaltungen. NEOS-Mandatarin Anita Eisenmann will sich Gedanken über eine intensivere Nutzung des Stadtkinos machen.

Mit seiner fast 100-jährigen Geschichte ist das Stadtkino Hallein das zweitälteste noch existierende Lichtspielhaus im Bundesland Salzburg. Eröffnet im Jahr 1925 unter Bürgermeister Anton Neumayer, wurde das Haus zuletzt 1993 neu gestaltet.

Rückgänge im Kinobetrieb mit Veranstaltungen ausgleichen

Bis heute wird das Stadtkino von der Stadtgemeinde geführt - ein Unikum im Bundesland Salzburg. Als sogenannte "nettoveranschlagte Unternehmung" ist das Stadtkino eine wirtschaftliche Unternehmung der Stadt ohne eigene Rechtspersönlichkeit, stellt aber einen eigenen Wirtschaftsplan auf. Geschäftsführer Andreas Klimitsch versucht, die Rückgänge im Kinobetrieb mit einer breiten Palette an Veranstaltungen im Stadtkino auszugleichen. "Wir sind kein klassischer Kinobetrieb. Mit Kabaretts, Konzerten, Firmenevents oder filmischen Alternativangeboten und Schulvorstellungen versuchen wir, eine möglichst hohe Auslastung zu schaffen. Das wird in Zukunft noch intensiver werden." Bereits etabliert haben sich der Stadtkino-Filmclub und die Reihe "Film und Frühstück."

Während Klimitsch in erster Linie die operative Geschäftsführung über hat, erledigt das Stadtamt Finanz- und Rechnungswesen. "Diese Praxis ist historisch gewachsen. Es ist die Entscheidung der Politik, ob die bisherige Betriebsorganisation auch in Zukunft so sein soll", sagt Stadtamtsdirektor Erich Angerer.

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