Chronik

Das Jahr 1 nach Hirscher: "Er muss sich selbst neu zu erfinden"

Am Wochenende startet die erste Weltcupsaison seit langem ohne Marcel Hirscher - wie erlebt der jetzt Ex-Skistar wohl seine erste Weltcupsaison nach dem Rücktritt? Die "Tennengauer Nachrichten" haben Alexandra Meissnitzer und Thomas Stangassinger zu ihren Erfahrungen befragt.

Beide sind zu ihrer Zeit ganz vorn im Skizirkus mitgefahren: Stangassingers größter Erfolg war Olympiagold 1994 in Lillehammer, Meissnitzer gewann 1998/99 den Gesamtweltcup, zusammen holte sie vier Olympiamedaillen, zwei WM-Titel und 24 Weltcupsiege.

Wie geht es einem langjährigen Profisportler als bloßem Zuschauer, so wie heuer Marcel Hirscher beim kommenden Start des Skiweltcups einer sein wird? "Klar ist es eine riesengroße Veränderung, man hat das ja seit der Jugend gemacht. Und natürlich gibt es wehmütige Momente, aber genauso auch solche, in denen man froh über die Entscheidung ist", sagt die Abtenauerin Meissnitzer, die im März 2008 mit 34 Jahren zurücktrat. "Das Wichtigste ist, dass du von der Emotion her das Gefühl hast, dass du fertig bist, dass du nicht denkst, ,Wäre ich doch noch weitergefahren'."

"Seine mentale Stärke wird ihm da wohl nicht viel helfen"

Heute ist die 46-Jährige als ORF-Kommentatorin tätig, moderiert Events und hält Vorträge über die Parallelen zwischen Leistungssport und Privatwirtschaft. "Die Zeit nach dem Rücktritt ist eine spannende Phase, in der man stark mit sich selbst beschäftigt ist, es geht ja quasi darum, sich selbst neu zu erfinden. Eigentlich ist man da ja im besten Alter."

Auch sie habe nach dem Rücktritt schwierige Phasen durchzustehen gehabt, "aber die Neugier auf das, was danach kommt, hat überwogen, daher habe ich mir auch gar nicht schwergetan". Da helfe Hirscher wohl auch seine mentaler Stärke aus dem Sport nichts: "Das ist etwas ganz anderes als beim Rücktritt, da geht's ganz stark um Emotion, das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Es haben sich auch schon sehr erfolgreiche Fahr schwer genacht nach dem Rücktritt."

"Mir war klar, ich muss etwas tun"

Meissnitzer hat bewusst gleich nach dem Rücktritt angefangen, an ihrem neuen Leben zu arbeiten: Schon in der folgenden Saison moderierte sie die ersten Rennen, absolvierte die ersten Kamerafahrten sowie ein Praktikum beim ORF, und begann ein Wirtschaftsstudium. "Das war die Basis für meine heutigen Vorträge. Das war mir wichtig, ich wusste, dass ich etwas tun muss - daheim sitzen und auf Angebote warten, das passiert nicht, dafür gibt's zu viele Sportler. Da sind manche überrascht, wie schnell das große Interesse an einem weg ist." Ob man sich nach dem Rücktritt vom Skizirkus fernhält oder ihm, wie sie, verbunden bleibt, sei eine sehr individuelle Entscheidung.

"Bei mir war die Luft heraußen, mit ist es nie abgegangen"

Slalomspezialist Thomas Stangassinger beendete, ebenfalls 34-jährig, im Frühjahr 2000 seine Karriere, der heute 54-Jährige arbeitet als Anlageberater, vom Skisport hat er sich fast völlig zurückgezogen. "Bei mir war damals nach 15 Jahren Weltcup die Luft heraußen und mir ist es seitdem nie abgegangen." Vor allem die Vorbereitung und das viele Reisen hätten ihren Tribut gefordert: "Ich war ja älter als Marcel. Der Winter, das Rennenfahren, das hat ja Spaß gemacht, aber die Vorbereitungzeit und das ganze Reisen, aus dem Koffer leben, das ist mir immer schwerer gefallen."

Der Zeitpunkt des Rücktritts sei höchst individuell: "Das spürt jeder selbst, wann es soweit ist. Ich war fast 35, Marcel gerade mal 30 und Hannes Reichelt hat mit fast 40 immer noch Spaß daran." Nach dem Rücktritt hätten ihn vor allem seine damals noch kleinen Kinder abgelenkt: "Da gab es vieles anderes, neues zu entdecken, was man während der aktiven Zeit nicht so genau mitbekommen hat."

Weiter in Verbindung mit dem Skisport zu bleiben, sei für ihn kaum eine Option gewesen: "Wenn sich von Schülerzeiten weg bis zum 35. Lebensjahr alles ums Skifahren dreht, da will man einmal etwas anderes machen. Ich zumindest hätte keine Motivation dafür gehabt, und dann kann man auch nicht gut sein."

Und wie geht es jetzt mit Hirscher weiter?

Ein Tipp, wie es mit Hirscher weitergeht? Stangassinger: "Ihm stehen sämtliche Türen offen, vielleicht in einer weiteren Zusammenarbeit mit Atomic, vielleicht als Ski-Materialentwicklung oder Berater für Nachwuchssportler. Es ist alles möglich. Aber zuerst ist glaube ich einmal wichtig, einmal Abstand zu gewinnen zum aktiven Sport, dass man ein bissl in das normale Leben reinkommt."

Auch Meissnitzer meint: "Möglichkeiten hat er unendlich viele. Er ist ein sehr smarter junger Mann, ich glaube nicht, dass wir uns Sorgen machen müssen. Ich wünsche ihm nur, dass er das findet, was ihm taugt, und dass er jetzt die Ruhe genießen kann, denn er hat für Österreich unglaublich viel geleistet."



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