Chronik

Den nächsten Einsatz stets im Blick

Heftige Schneefälle forderten Salzburgs Helfer tagelang. Stefanie Bleimer steht symbolhaft für Tausende ehrenamtliche Retter.

Stefanie Bleimer mit Suchhund Rocky: „Einsatz im Ernstfall steht außer Frage.“ SN/ANTON PRLIC
Stefanie Bleimer mit Suchhund Rocky: „Einsatz im Ernstfall steht außer Frage.“

Es war ein kritischer Einsatz für Stefanie Bleimer und ihre Kollegen von der Saalfeldner Bergrettung. Als die Schneefälle Mitte Jänner ihren Höhepunkt erreicht hatten, wurde die Ortsstelle zu einem verschütteten Skifahrer alarmiert. Der Mann habe Glück im Unglück gehabt, sagt Bleimer. "Er war komplett verschüttet, schaffte es dennoch, mit seinem Handy einen Anruf zu tätigen. Er hatte unter der Schneedecke sogar Empfang."

Zu dem Zeitpunkt galt im gesamten Bundesland Lawinenwarnstufe 4. "Es herrschte dichter Schneefall, es gab so gut wie keine Sicht." Der Selbstschutz hat für die Retter immer die höchste Priorität, weiß Bleimer. "Ich kann nur helfen, wenn es mir gut geht." Trotzdem entschieden sich die Retter, in das gefährliche Gebiet aufzusteigen.

Stefanie Bleimer steht symbolhaft für die vielen Helfer, die bei den Jahrhundertschneefällen unermüdlich im Einsatz waren. 8000 Personen waren es insgesamt. Die meisten davon taten dies ehrenamtlich: 6500 freiwillige Feuerwehrleute waren im Einsatz. 700 ehrenamtliche Experten der Lawinenwarnkommissionen untersuchten die Schneesituation laufend, auch die ehrenamtlichen Helfer vom Roten Kreuz, der Höhlenrettung und der Wasserrettung waren gefordert. Die Bergrettung hatte ihre gut 1300 Mitglieder in Alarmbereitschaft. Zwischen dem 4. und dem 16. Jänner rückten 431 Helfer zu 46 Einsätzen aus.

Seit acht Jahren ist die 37-jährige Stefanie Bleimer bei der Salzburger Lawinenhundestaffel, seit gut drei Jahren ist sie bei der Bergrettung. Die Saalfeldnerin war immer schon viel in den Bergen unterwegs. "Seit ich 14 Jahre alt war, hatte ich immer einen Hund. Und so hat das eine das andere ergeben." Als sie ihren Australian Shepherd Rocky bekam, ließ sie das Tier zum Lawinensuchhund ausbilden. Später wurde sie von den Saalfeldner Bergrettern angesprochen, ob sie der Ortsgruppe beitreten wolle. Derzeit ist sie dort die einzige Frau. "Als Frau musst du bereit sein, den gleichen Einsatz zu zeigen wie die männlichen Kollegen. Sonst kann man es gleich lassen."

Ob Mann oder Frau, sei bei den Einsätzen keine Frage. "Jeder kann etwas anderes: Der eine hat eine gute Seiltechnik, der andere kann 50 Kilo tragen, andere wiederum können gut mit den Patienten umgehen." Sie selbst sei eine Allrounderin, sagt Bleimer.

Die kritische Schneesituation forderte ihr genauso wie vielen Kollegen einiges ab. "Teilweise haben wir während eines Einsatzes schon die Alarmierung für den nächsten bekommen. Das waren auch abendliche Suchaktionen, die am nächsten Tag weitergingen."

Viele ehrenamtliche Helfer ließen sich in der Zeit mehrere Tage von ihrer Arbeit freistellen. Das erfordere auch vom Umfeld viel Verständnis, sagt Stefanie Bleimer. "Jeder hat Familie, Freunde oder Arbeitskollegen. Gerade die Kollegen werden in solchen Situationen oft vergessen." Denn irgendwer müsse die Arbeit ja machen, während die Einsätze liefen. "Man braucht jemanden, der im Geschäft bleibt oder der die Schicht übernimmt."

Für alle Mitglieder von Einsatzorganisationen stehe es außer Frage, dass man im Ernstfall helfe. Das sei auch bei dem verschütteten Skifahrer, der noch selbst die Rettungskräfte verständigen konnte, der Fall gewesen. Auch wenn der Einsatz grenzwertig gewesen sei, was die Sicherheit betreffe, sagt Stefanie Bleimer. "Aber wir haben eine Einsatzleitung, die schätzt die Situation ein. Wie es in den einzelnen Hängen aussieht, können die aber natürlich auch nicht wissen. Das müssen wir, wenn wir dort sind, selbst entscheiden."

Immer wieder sei bei der Suche in der Gruppe darüber gesprochen worden. "Deshalb ist man auch nie allein unterwegs. Wir alle wissen: Die Lawine macht auch vor uns nicht halt." Ein Kollege habe mit seinem Hund den Skifahrer schließlich entdeckt. Stefanie Bleimer kam kurze Zeit später zu dem verschütteten Skifahrer, für den die dramatische Situation glimpflich ausging. "Wenn man jemanden aus dem Schnee ausgräbt und man mit ihm noch sprechen kann: Das ist so eine große Erleichterung für alle. Da weiß man dann auch, warum man das auf sich nimmt."

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Schöne Heimat

Am Ende

Von Richard Thoma
24. November 2020
Scheibchentintling-Coprinus Xanthotrix

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