Chronik

"Denken in Quantität ist ein Fehler, es geht um Qualität"

Es wird viel gebaut im Pinzgau. Darunter sind viele Appartementhotels und Chalets - obwohl die Bettenauslastung bei maximal 40 Prozent liegt. Über Probleme der Raumordnung diskutierten Experten.

"Knappe Güter sind teure Güter", sagte Schmitten-Chef Erich Egger, dieses Mal als Mitglied des Seebrunner Kreises, der zur Diskussion geladen hatte. Er brachte das Problem damit zutage: Hohe Grundstückspreise, die sich seit Jahren weiter nach oben entwickeln.

Moderator Harald Ronacher merkte an, Geld bringe keinen Kapitalertrag, daher werde in Immobilien investiert. Steigende Boden- und Wohnungspreise seien die Folge. Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) sagte, für viele junge Leute sei es "schier unmöglich, Eigentum zu schaffen". Und bei der Miete schaue die Lebensplanung anders aus, sie fördere zudem nicht die Selbstständigkeit. Sein Ansatz sei, eng mit den Gemeinden zusammenzuarbeiten, so Schwaiger. So sollen Bauten der Lebensmittelketten vier Ebenen beinhalten: Garage, Verkaufsfläche, Büros, Wohnungen.

Christian Struber, Geschäftsführer von Salzburg Wohnbau, mahnte "Hausverstand" ein. Er will Gemeinden ermutigen, offensiv zu arbeiten und nicht zu warten, bis ein Dritter initiativ werde. Zudem sollten Mietwohnungen in Kategorien eingeteilt werden: in ausfinanzierte sowie ältere und jüngere als 15 Jahre. "Wir sollten ein offensives Mietermanagement betreiben."

Und es müsse verdichtet werden. Salzburg Wohnbau habe mit mehreren Lebensmittelketten Vereinbarungen darüber getroffen, dass auf den Märkten Wohnungen platziert werden.

Birgit Maier, Geschäftsführerin von Holzbau Maier in Bramberg, bezeichnete die Raumordnung als sehr komplex. Sie vermisst auch eine gewisse Rechtssicherheit. "Das betrifft nicht nur die Zweitwohnsitze - diese waren übrigens Mitte der 60er-Jahre ein sehr wichtiger Schritt im Oberpinzgau. Es gibt auch das Thema Rückwidmungen." Und Steuern und Bauvorschriften verteuerten das Wohnen immens. "Wer soll das bezahlen", fragt Maier, die anmerkt, dass man den Oberpinzgau nicht gleich betrachten und bewerten könne wie die Stadt Salzburg.

Johann Bründl ist Notar und Eigentümer des Schlosses Mittersill. Er sagte: "Das Gesamtpaket Pinzgau ist einzigartig in der Welt. Deshalb gibt es hier viele Investitionen. Diese wirken auf den Faktor Preis." Und: "Unsere Preise sind extrem günstig im internationalen Vergleich, auch im Vergleich zu Jochberg oder dem Großraum Kitzbühel."

Skeptisch sieht er die an Ortsrändern viel Platz verbrauchenden Supermärkte. "Der Online-Handel ist steigend. Wir werden in Zukunft vermutlich tote Flächen haben." Keine Freude hat er mit der Immobilienertragsteuer, sie erschwere die Baulandsicherung. Zweitwohnsitze will Bründl nicht ganz verteufeln. "Wir hatten eine riesige Entwicklung in den letzten 30, 40 Jahren." Dass kontrolliert werde, sei richtig. Und Bründl wünscht mehr Mut von heimischen Investoren. "Das Problem ist, wir gehen in Quantität statt in Qualität. Wir haben zu wenig Selbstvertrauen."

Nicht "verteufeln" will LAbg. Michael Obermoser (ÖVP) die bestehende Struktur an Zweitwohnsitzen: "Wir sind dadurch groß geworden." Aber wenn er heute auf die geringen Steuereinnahmen daraus schaue, bekomme er "feuchte Augen". So könne es nicht weitergehen, sagte Obermoser. "Wir sind in Verantwortung gegenüber der Region. Wer hat den Fruchtgenuss in den zehn Jahren? Ich will, dass er bei unserer Bevölkerung, die am sozialen Leben teilnimmt, bleibt."

Es brauche eine entsprechend hohe Infrastrukturabgabe für Zweitwohnsitze - und keinen Bettenausbau. "Wir haben im Ort im Sommer eine Bettenauslastung von 16 Prozent, im Winter von 40, in der Ferienregion sind es 24 bzw. 35 Prozent, im Pinzgau 30 bzw. 40 Prozent", sagte der Walder Bürgermeister.

"Sehr skeptisch" betrachtet LR Schwaiger das Sprießen der Appartementhotels. "Dafür wird bei einer Anlage mit sechs Prozent Verzinsung geworben. Aber in 25 Jahren ist es ein Problem." Ein weiteres Problem seien diffuse Zweitwohnsitze, die registriert werden sollten. "Wir wissen nicht, wie viele es sind. Geschätzt werden bis zu 40.000. Die Registrierung läuft nur zaghaft." Ein Rechtsanwalt meinte: "Die Evaluierung wird ins Leere gehen."

Struber wollte auch positive Aspekte einbringen. Er sagte, der durchschnittliche Anteil der Wohnungskosten am Einkommen eines Haushalts betrage 20 bis 30 Prozent, und 80 Prozent der Wohnungskäufer im Bundesland seien Salzburger.

Schwaiger hielt entgegen: "In den letzten vier Jahren ist die Wohnbeihilfe von 13 auf 30 Millionen Euro gestiegen. Wir wollen nicht, das die Wohnbeihilfe die Wohnbauförderung auffrisst." Und er gestand: "Das Raumordnungsgesetz ist nicht das Gelbe vom Ei, aber wir werden es nicht gleich wieder novellieren." In Richtung Land Salzburg Tourismus meinte er: "30 Millionen Nächtigungen anzustreben, ist ein Blödsinn. Denken in Quantität ist ein Fehler, es geht um Qualität. Das ist ein Appell an uns alle."

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