Chronik

Der Direktorin den Handschlag verweigert

Wie die Zuwanderung aus erzkonservativen islamischen Ländern und die tristen Lebenswelten bildungsferner Familien die Schule belasten.

Die Wiener NMS-Lehrerin und Ex-Ombudsfrau des Bildungsministeriums, Susanne Wiesinger, hat einen Bericht über den schwierigen Alltag in österreichischen Brennpunktschulen vorgelegt. Die Arbeit im Klassenzimmer ist von den oft tristen Lebenswelten bildungsferner Familien geprägt und sie hat sich den Kultur- und Wertekonflikten zu stellen, die die starke Zuwanderung aus konservativen islamischen Ländern mit sich bringen.

Hier lebende Migrantenkinder, die kaum Deutsch können

An der Basis stehen Sprachprobleme. Laut Bericht gibt es "Migrantenkinder der zweiten und dritten Generation, die nicht genug Deutsch für einen Schulabschluss sprechen". Eine Verlaufsstudie des Landes Salzburg spricht von bis zu 15 Prozent der Schuljahrgänge, die keinen Pflichtschulabschluss schaffen - betroffen sind hauptsächlich türkische Jugendliche, deren Mütter durch Heirat nach Österreich kommen und nie Deutsch lernen. Im Schulalltag prallen fremde Welten aufeinander.

Auch an die Gewerkschaft der Salzburger Pflichtschullehrer werden regelmäßig Fälle herangetragen, bestätigt Personalvertreter Anton Polivka. So stellte die Direktorin einer Volksschule in der Stadt Salzburg die ihr entgegengebrachte Frauenverachtung couragiert ab. Ihr wurde von einem ultrareligiösen muslimischen Ehepaar bei Unterredungen der Handschlag verweigert: vom Vater als auch von der voll verschleierten Frau. Erklärungen, dass dies hierzulande "eine der größten Unhöflichkeiten und Beleidigungen gegenüber Frauen" sei, fruchteten nichts. Erst die Drohung, man schließe das Kind aus der Schule aus, war eine Ansage, die man verstand.

30 Polizeieinsätze, an der Spitze NMS und Volksschulen

An einer NMS der Stadt wollten tschetschenische Jugendliche einen Drogenhandel aufziehen, indem sie einen Schüler massiv unter Druck setzten und am Ende sogar den Direktor bedrohten. Der mischte sich jedoch furchtlos ein, so Polivka: "Der Mann ist ein Riegel, der lässt sich nicht bedrohen. Er hat sofort die Polizei eingeschaltet. An der Schule geht man sehr klar mit solchen Dingen um. Dort wurde auch im Kollegium offen über die Problematik geredet." Es säßen an den schwierigen Schulen "ja nicht lauter Kriminelle", es gehe vielmehr um den zersetzenden Zeitgeist, alles durchgehen zu lassen und keine Grenzen zu setzen.

Seit vom Innenministerium Straftaten an Schulstandorten explizit ausgewiesen werden, ist das Bild von der Schule als geschütztem Raum ohnedies erschüttert. Auch die Bildungsdirektionen mussten gegenüber der Ombudsstelle erstmals Auskunft über das Ausmaß der Vorfälle geben. So kam es österreichweit im Schuljahr 2017/18 zu 847 Anzeigen und 857 Polizeieinsätzen wegen schwerer Gewaltdelikte: in Mehrheit Körperverletzungen, Diebstähle, Nötigung, Stalking, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung; in Salzburg waren es 30 Polizeieinsätze.

Mit Abstand am häufigsten kracht es in Neuen Mittelschulen, gefolgt von Notfällen in - Volksschulen. Dort sind es außer Kontrolle geratene Eltern, weiß Gewerkschafter Polivka: "Wir haben wütende Eltern, die Druck für bessere Noten machen, das ist fast schon an der Tagesordnung." In der Sekundarstufe geht es unter den Schüler selbst oder gegen die Lehrerschaft zur Sache. Und während der Respekt gegenüber Lehrerinnen oftmals fehlt, ist unter Muslimen die Ehre der eigenen Familie heilig. Jüngere männliche Familienmitglieder haben den expliziten Auftrag, auf ihre kleineren Schwestern oder Cousinen aufzupassen. Was die traditionell bevorzugten Burschen oftmals mit Selbstgefälligkeit auflädt oder sie aber völlig überfordert.

In Salzburg arbeitet die Initiative "Heroes" vom Verein Akzente mit typischen innerfamiliären Konflikten muslimischer Familien. Das Team führe in Schulklassen spielerische Szenen rund um Ehre, Frauenrechte, Gewalt, Rassismus auf, schildert der syrische Asylberechtigte Jan Turjman: "Der Vater kommt nach Hause, er schreit den Sohn an, wo ist deine Schwester? Du bist der Mann, geh' und hol sie! Der Junge sieht das Mädchen mit ihrem Freund. Es gibt Streit. Dann diskutieren wir in der Klasse: Wieso soll der Bruder das Leben der Schwester bestimmen? Mit welchem Recht? Kennt ihr das?"

Muslimische Jugendliche sind laut Bericht zunehmend vom politischen Islam beeinflusst. Es herrsche ein religiös aufgeladenes Klima im Unterricht. Die häufigsten Konflikte betreffen "die Teilnahme am Unterricht, insbesondere am Sportunterricht, Fasten, Zwangsheirat sowie das Tragen des Kopftuchs". Im Fastenmonat "Ramadan" sitzen Kinder im Unterricht, die untertags weder essen noch trinken, unter Leistungsabfall und Konzentrationsschwäche leiden. Viele wollen nicht am Turnunterricht teilnehmen: "Herr Professor, ich kann nicht laufen. Ich faste."

Kopftuchverbot für Mädchen: Gespräche mit Eltern

Seit dem heurigen Schuljahr dürfen Mädchen unter zehn Jahren keine Kopftücher im Unterricht tragen. Geplant ist, dies auf Mädchen bis 14 auszuweiten. Es gebe keine Meldungen über Konflikte, sagt Eva-Maria Engelsberger von der Salzburger Bildungsdirektion. Man führe in solchen Fällen Gespräche mit den Eltern. "Unsere Pädagoginnen gehen mit diesen Fragen sehr sensibel und empathisch um. Niemand wird stigmatisiert." Auch die detaillierte Anfrage der Stadt Nachrichten wolle man transparent bearbeiten, kündigte die Controllingreferentin an.

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