Chronik

Der Elektriker mit der Wunderstimme

"Da stehen Frauen und Männer auf der Bühne, die sich doch nur die Seele aus dem Leib schreien." Das war Günther Schölsners Meinung über Opern. Diese sollte sich jedoch schlagartig ändern.



Günther Schölsner steht in den Arkaden der Felsenreitschule, stützt seine Arme ab und blickt unsicher hinunter in den riesigen Zuschauerraum. Sein Herz beginnt zu rasen, seine Hände schwitzen. Alles um ihn herum ist still. Gleich wird etwas passieren. Nach ein paar Sekunden, die einfach nicht vergehen wollen, holt Schölsner tief Luft und singt, dass wahrscheinlich sogar Luciano Pavarotti beeindruckt wäre. Von einem Mann um die 40 in Elektrikermontur hätte sich das niemand erwartet.

"Ich war sehr nervös. Das war, als würde man an einer Klippe stehen. So aufgeregt war ich bei meiner ersten Hochzeit und meiner Scheidung gemeinsam nicht", sagt Günther Schölsner über den Dreh des Imagevideos der Elektrofirma Elin, bei der der gelernte Elektriker seit neun Jahren beschäftigt ist. Keine geringere Arie als "Nessun dorma" (italienisch für "keiner schlafe") aus der Oper "Turandot" von Giacomo Puccini hat sich der 39-jährige Bauleiter aus Seekirchen für den Videoauftritt ausgesucht. Gesang ist für ihn nur ein Hobby.

Darüber nachgedacht, seine Passion zum Beruf zu machen, hat der zweifache Familienvater zwar schon, aber den Gedanken gleich wieder verworfen. "Gerade in Salzburg braucht man sehr viel Glück, um als Sänger erfolgreich zu werden. Ich habe eine Familie zu ernähren. Da kann ich mir diese Unsicherheit nicht leisten", sagt der Elektriker, der zuerst in Salzburg eine Lehre absolvierte, dann bei einer Personalbereitstellungsfirma arbeitete und schließlich zu Elin kam."Das ist ein Ganzkörper-Workout"Ebenso unkonventionell, wie Günther Schölsner es ist, war auch die Art, wie sich die Leidenschaft zum Operngesang entwickelte: So schaute er sich eines Abends mit 22 Jahren eher aus Mangel an interessantem Fernsehprogramm "Die drei Tenöre" gemeinsam mit seiner Mutter im Fernsehen an. "Da hat es bei mir klick gemacht. Das war Liebe auf den ersten Blick. Vorher habe ich Opern gehasst." Günther Schölsner fing an, Gesangsstunden zu nehmen, und entdeckte so sein Talent.

Seitdem ist das Singen von italienischen Opern für den humorvollen Seekirchner an der Tagesordnung. "Ich singe eigentlich immer. Bei der Arbeit, unter der Dusche und sogar auf dem WC. Da geht es am besten, weil der ganze Körper entspannt ist", erzählt er grinsend.

Die Reaktionen von seinen Mitmenschen seien durchwegs positiv, für Lieder von Lady Gaga und Co. konnte er sich aber nie begeistern. "Operngesang und konventioneller Gesang sind zwei verschiedene Techniken. Beim Operngesang strengt man 300 Muskeln an. Das ist also ein Ganzkörper-Workout", sagt er. "Wäre ich schon mit 15 draufgekommen, dass ich so gut singen kann, hätte ich sicher Musik studiert", erzählt er etwas wehmütig.

Trotzdem genießt Schölsner seine Auftritte bei Hochzeiten, Begräbnissen und Taufen. "Meine beiden Töchter haben schon gesagt, dass ich einmal bei ihren Hochzeiten singen muss, das freut mich natürlich sehr", sagt er. Bei Auftritten bei Geburtstagsfeiern und anderen freudigen Anlässen gibt es jedoch eine goldene Regel für den passionierten Heimwerker: Alkohol sollte vor dem Auftritt nur in Maßen genossen werden. Zwar schnellt dann sein Puls nicht so in die Höhe, auch die seine Hände sind nicht schweißbenetzt, jedoch sind die Töne, die dann aus dem Mund des 39-Jährigen kommen, nicht mehr so klar und kräftig, wie sie sein sollten.

(SN)

Aufgerufen am 19.02.2018 um 08:53 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/der-elektriker-mit-der-wunderstimme-3296137

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