Chronik

Der "Hansi" vom Fanningberg

Die Gastronomie ließ Hansi Schitter mit 26 Jahren hinter sich. Seither geht er seiner großen Leidenschaft - der Musik - nach.

Schon als Kleinkind lauschte "Hansi" gerne bei der Familien-Stubenmusik der Familie Schitter. Bei einem Lied stand er sogar selbst im Mittelpunkt. "Ich habe gesungen: ,Lieber Gott, lass die Sonne wieder scheinen.'" An die Heimatabende in Mauterndorf erinnert sich der heute 43-Jährige noch gut: "Es wurde ohne Mikrofon musiziert. Es war mucksmäuschenstill. Die Leute haben aufgepasst und waren beeindruckt von dieser Art von Musik. Es war konzertante Volksmusik. Nichts zum Mitsingen, sondern einfach ein Vortrag eines Liedes."

Die Lieder brachte Mama Maria den Kindern Martina, Toni, Barbara und Hansi während des Kochens bei: "Während sie ihre legendären Rindsrouladen zubereitete, wurde mit Geduld und Liebe gesungen, bis die Kinder den Text konnten. Das Schöne war, dass wir Zeit hatten füreinander. Unsere Mutter war rundherum mit Arbeit eingedeckt. In dieser Zeit haben meine Eltern den Jacklbauernhof aufgebaut und diesen bis hin zum Gast- und Skihüttenbetrieb weiterentwickelt. Sie haben sehr bescheiden begonnen und selbst im unausgebauten Dachboden geschlafen, damit sie die Zimmer vermieten konnten."

Im frühen Volksschulalter verbrachte "Hansi" viel Zeit mit seinem Schulkollegen David Lankmaier. Dessen Großvater, der legendäre "Moser Franz", lernte dem Nachbarbuben gerade das Harmonikaspielen. Mit diesen Eindrücken zu Hause angekommen, schnappte sich "Hansi" die steirische Ziehharmonika und spielte die Melodie nach. Danach bekam er bei Hans Neubacher ein Jahr lang Unterricht. Noten wollte er jedoch nicht lernen. "Ich war so eingenäht, dass er mir die Stücke auf Kassette mitgab und ich mir alles selbst mit Gehör beibrachte. Ich war mit der Musik und mir allein zufrieden." Der Kontakt zu Hans Neubacher blieb bestehen. Schließlich wurde "Hansi" später bei einem Musikwettbewerb Landesmeister auf der steirischen Harmonika. "Beim Bundeswettbewerb konnte ich nicht antreten. Zu Hause war die Hofarbeit zu erledigen. Keiner hatte Zeit, mit mir zu fahren."

Die Ausbildung zum Koch und Kellner absolvierte er gleich zu Hause. "Ich hatte keine Wahl. Im Sommer arbeitete ich neben meiner Lehrzeit im Einvernehmen mit der Familie in Guntramsdorf bei Wien in einem Zwei-Hauben-Lokal." Der Jagdhof von "Sir" Franz Fakler brachte ihm die Art eines geradlinigen Menschen bei. Musiziert hat er in dieser Zeit nur für sich. Queen und Eric Clapton kamen ihm zu Ohren. Nach der Lehrzeit war er im Winter auf der elterlichen Sonnblickhütte beim Moserkopflift im Einsatz. Im Sommer folgten weitere Einsätze im Jagdhof, im Hotel Bristol in Salzburg und als Höhepunkt durfte er einen Sommer lang bei Johanna Maier in Filzmoos kochen.

Zu Ostern 2000, mit 25 Jahren, kam ein in Mainz lebender Steirer in den Gamsstadl von Bruder Toni. "Er spielte Ray Charles. Ich bin völlig begeistert aus der Küche gesprungen, hab mich zu ihm gesellt und wollte ihn mit der Gitarre begleiten. Es war mir mit meinem Können aber leider nicht möglich. Ich konnte damals nur die ,Oberkrainer-Griffe'." Der Gast sagte zu ihm: "Komm mich nach der Saison in Mainz besuchen. Ich habe einen Auftritt in Kanada, wo ich noch einen feschen Burschen brauche, der eine Gitarre hält." Schließlich interpretierte Hansi Schitter mit Michael Stumberger bei einem Festival mit zehn verschiedenen Bands vor 6000 Besuchern Schürzenjäger-Musik. "Wir haben den volkstümlichen Alpenrock präsentiert. Wohlgemerkt Halb-Playback. Einzig der Gesang war live." Eigentlich war er nur für diesen einen Besuch eingeladen. "Michael war auf der Suche nach einem musikalischen Partner. Es war beeindruckend. Die Boeing war nur für uns gebucht. Ich hatte das Gefühl: ,Ich fühle mich wie ein Rockstar.'" Untergebracht in einem Wohnwagen, blieb Hansi Schitter vier Monate lang in Mainz. "Mein Ziel war es, sein Hintergrundwissen zu seiner Musik zu erlernen." Im Winter ging es damit wieder zurück in die Heimat. Es folgten fetzige Hüttenabende mit seinem Bruder Toni auf der Sonnblickhütte. "Diese Unterhaltungsmusik von Chuck Berry über Elvis bis hin zu den Schürzenjägern war eine Riesengaudi." Fix in Mainz ist Hansi Schitter seit dem Frühjahr 2001. Seit dem ist der Feschak Berufsmusiker. "Genau genommen wohne ich in Bodenheim, einem Vorort von Mainz. Es ist eine Weingegend mit lustigen und kommunikativen Menschen." Seinen Lebensunterhalt verdient er sich mit Auftritten auf Geburtstagen, Firmenfeiern und öffentlichen Bühnen bei Stadtfesten. Die Aufträge steigerten sich bis hin zu Auftritten beim jährlichen Oktoberfest bei Fürst Albert in Monaco. Weiters spielten sie auch eine 42-tägige Show im Hofbräuhaus Las Vegas. Bis März 2018 spielte er gemeinsam mit Michael Stumberger unter dem Bandnamen "Echt guat" Unterhaltungsmusik. "Beruflich bleibe ich der Unterhaltungsmusik natürlich treu. Persönlich möchte ich jetzt als zweite musikalische Herausforderung eine Bühne für meine eigenen Kompositionen finden."

Zu komponieren hat er vor zwei Jahren begonnen. Seine Gedanken fasst er seither in seinen Liedern zusammen. Alle musikalischen Inhalte spielt er im eigenen Tonstudio ein. Seine erste professionelle CD "Hansi hausgemacht" veröffentlichte er im November 2017. Mit seinem Titel "Heimat ist für mich im Hier und Jetzt" erreichte er beim Grand Prix der Volks- und Schlagermusik in Velden den dritten Platz. Dadurch hat er jetzt einen Auftritt bei "Open Air am Meer" von 10. bis 12. Mai 2019 in Portoroz gewonnen. Dann wird "Hansi" gemeinsam mit DJ Ötzi, Michelle oder Matthias Reim auf der Bühne stehen. "Meine größte Herausforderung ist es, den Mut zu haben, eigene Gedanken nach außen zu tragen und mich zu öffnen. Natürlich wünscht man sich dann, dass die eigenen Lieder auch beim Publikum gut ankommen." Seine Lieder präsentiert er im hoch-österreichischen Dialekt. "Es geht am Ende darum, authentisch zu sein. Mein großes Ziel ist es, das Vertrauen zu mir selbst und zu meinen Liedern zu finden. Alles andere kommt bekanntlich von selbst." Rückenwind bekommt er auch aus seiner neuen Heimat. Bei einem Konzert mit eigenen Liedern kamen spontan 300 Besucher.


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